02.04.2021 16:42

Viele neue Wohnungen vor Realisierung

(Konstanz) Der Gemeinderat Konstanz fasste während seiner jüngsten Sitzung drei wichtige Beschlüsse zur Umsetzung des Handlungsprogramms Wohnen:

Das Areal an der Bücklestraße (ehemaliger Siemens-Standort) soll zu einem zukunftsfähigen und lebendigen Quartier zum Wohnen und Arbeiten mit 680 Wohnungen entwickelt werden, auf dem Gelände Weiherhof Nord sollen drei Mehrfamilien-Wohnanlagen mit 144 Wohneinheiten entstehen sowie „Am Horn“ aus dem Projekt Zukunftsstadt Konstanz als Vorbild für die weitere Konstanzer Quartiersentwicklung 140 Wohnungen geschaffen werden. Die Bebauungspläne bilden somit die Grundlage für die Realisierung von rund 960 Wohnungen.

Leben und arbeiten an der Bücklestraße: Planung von 680 Wohnungen beschlossen

Der Gemeinderat hat mit dem Aufstellungsbeschluss am 25. März 2021 die planungsrechtlichen Voraussetzungen zur Entwicklung des ehemaligen Siemensareals geschaffen. In der Bücklestraße entsteht ein urbanes Quartier zum Leben und Arbeiten mit rund 680 Wohnungen, Gewerbe und Dienstleistungen sowie einer Kindertagesstätte.

Damit kann ein weiterer wichtiger Baustein des Handlungsprogramms Wohnen umgesetzt werden. Insgesamt entstehen 500 neue Wohnungen. Die Größe variiert zwischen 1 bis 4 Zimmern, über die Hälfte werden familiengerecht und mit mindestens 3 Zimmern ausgestattet. Rund 30 % werden als geförderter Wohnungsbau errichtet. Ein Gebäude ist für Baugruppen vorgesehen. In den Bestandsgebäuden sind kleinere Appartements für Auszubildende und Studierende geplant, temporär Beschäftige finden Platz in einem Anbau an die Shedhalle. Eine arbeitsplatznahe Kinderbetreuung wird mit der geplanten Kindertagesstätte ermöglicht.

Es werden neue Fuß- und Radwegeverbindungen geschaffen: von der Cherisy über die Rieterwerke in Richtung Bahnhof / Zentrum Peterhausen und von Wollmatingen Richtung Seerhein mit einer Bahnunterführung. Das Areal wird gut ohne Auto erreichbar sein, wozu Car- und Bike-Sharing-Angebote beitragen. Fahrradabstellanlagen an den Wohngebäuden sorgen für kurze Wege. Eine Packstation am Gebietseingang fängt den Lieferverkehr auf. Ein grüngeprägtes Freiraumangebot für das neue Quartier und auch für den gesamten Stadtteil Petershausen-West ist geplant. Das Energiekonzept sieht eine Kombination aus Abwasserabwärme, Geothermie und Pellets vor. Die Dächer werden, wo möglich, mit Photovoltaikanlagen ausgestattet.

Die Gestaltung der Fassaden und Freianlagen wird im Gestaltungsbeirat vorgestellt. Im April soll die Auslegung der Planungsunterlagen starten. Nach Auswertung der Anregungen aus der frühzeitigen Beteiligung erfolgt der Billigungs- und Auslegungsbeschluss, anschließend die Offenlage im Herbst / Winter. Der Satzungsbeschluss ist in der ersten Jahreshälfte 2022 vorgesehen.

Weg frei für den Weiherhof Nord
Neues Quartier für Wohnen, Gewerbeflächen und einer Pflegeinrichtung

Der Gemeinderat hat am 25. März 2021 die Auslegung des Bebauungsplans Weiherhof-Nord beschlossen. Aktuell befindet sich auf dem Gelände der Firmenparkplatz der Businesspark GmbH und ungenutzte Fläche der Spitalstiftung. Nun sollen 144 Wohneinheiten im Handlungsprogramm Wohnen, eine Pflegeeinrichtung und Gewerbeflächen geschaffen werden. Insgesamt entstehen 30 % der Wohnungen im geförderten Mietwohnungsbau. Das Wohnungsangebot reicht von 1- bis 5-Zimmerwohnungen.

Das Konzept beinhaltet 5 fünf- bis achtgeschossige Baukörper auf einer Fläche von 1,5 Hektar. Das Bürogebäude wird eine Geschossfläche von über 8.000 qm für verschiedene Gewerbenutzungen haben, ein Café und ein Boardinghouse mit 35-50 Apartments beherbergen. Komplettiert wird das Quartier durch drei Wohngebäude und das Pflegeheim. Als erstes Gebäude soll im Januar 2023 die Pflegeeinrichtung mit 86 Plätzen ihre Arbeit aufnehmen.

Das Tor des Quartiers soll der heutige Eingangsbereich des Businessparks werden. Dort führt zukünftig ein Fuß- und Radweg durch das Gebiet, der an den Bodenseeradweg anschließt. Das Gebiet soll nahezu autofrei bleiben. Geparkt wird in zwei Tiefgaragen, welche über die verlängerte Weiherhofstraße erschlossen werden. Neben Car-Sharing-Stellplätzen sollen auch Elektroladesäulen zur Verfügung stehen. Barrierefreie Fußwegeverbindungen durch die Wohnbebauung ermöglichen kurze Wege.

Die Grünräume beinhalten neben privaten Grundstücksgärten Spielplatzangebote an vier öffentlichen Plätzen. Die Verwaltung hat das Freiraumkonzept in engem Austausch mit den Architekten und Vorhabenträgern optimiert und planungsrechtlich gesichert. Die Dachflächen aller Gebäude sollen als Grün- und Retentionsdächer in Kombination mit Photovoltaikanlagen gestaltet werden: ein wichtiger Beitrag zur nachhaltigen Energieversorgung.


Im Zuge der Auslegung beginnt nun die Öffentlichkeitsbeteiligung. Im Frühherbst 2021 ist der Satzungsbeschluss geplant, bevor mit dem Bau des Pflegeheims und der Wohnanlagen begonnen werden kann. Der Vorhabenträger rechnet damit, die Wohnanlagen Ende 2023 fertigstellen zu können. Ein bis zwei Jahre später soll die Fertigstellung des Gewerbegebäudes die Entwicklung abschließen.

Nachhaltigkeit in allen Bereichen „Am Horn“
Rat stimmt für die Umsetzung des Zukunftsstadt-Quartiers

Der Gemeinderat fasste am 25. März 2021 den Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan „Am Horn“ – ein Votum für ein Konzept, wie künftige nachhaltige Stadtentwicklung aussehen kann. Die Kernpunkte des Projekts: Schaffung bezahlbaren Wohnraums, Plus-Energie-Häuser in Holzbauweise, geringerer Pro-Kopf-Wohnflächenverbrauch zugunsten von Sharing- und Freiflächen, auf ein Mindestmaß reduzierte Versiegelung, gemeinschaftliche Nutzungen, Urban-Gardening auf den Dächern, begrünte Fassaden, Optimierung der Biodiversität, Erhalt des bestehenden Biotops und vieles mehr.

Die etwa zwei Hektar große Fläche zwischen Eichhornstraße, Herrmann-Hesse-Weg und Zur Torkel ist Bestandteil des Handlungsprogramms Wohnen. Seit 2015 wird das Projekt als Konstanzer Modellquartier vorangetrieben. „Wir brauchen nachhaltige, vernetzte und lebendige Quartiere, nicht nur Wohnraum. Das nachhaltige Neubauquartier soll als Vorbild dienen für weitere Quartierentwicklungen, insbesondere dem Hafner als größtes Entwicklungsgebiet.
Das für den Standort passende Konzept ist so gut ausgearbeitet, dass – sobald der Bebauungsplan aufgestellt ist – „wir es sofort bebauen können“, so Baubürgermeister Karl Langensteiner-Schönborn.

Bezahlbarer Wohnraum
„Am Horn“ soll langfristig bezahlbarer Wohnraum geschaffen werden, der insbesondere dem gemeinschaftlichen Bauen zur Verfügung steht. Der geförderte Mietwohnungsbau wird ebenfalls integriert. Vorgesehen sind fünf Baukörper mit rund 140 Wohnungen. Der Konstanzer Gemeinderat wird, basierend auf der im Januar beschlossenen Konzeptvergabe für Baugemeinschaften, zu einem späteren Zeitpunkt über die Vergaberichtlinien entscheiden.

Die oberste Prämisse des Konzepts: Flächeneffizienz unter dem Motto „Smart wachsen - Qualität statt Quadratmeter“. Um die Wohnfläche pro Kopf zu reduzieren, wurde ein Sharing Konzept ausgearbeitet, das über das einfache Teilen von Räumen deutlich hinaus geht. Es soll gemeinschaftliche Flächen wie Co-Working-Space, Mobilitätsangebote oder eine gemeinschaftliche Werkstatt geben, unterstützt durch eine Quartiers App. Das Quartier soll autofrei werden. Es wird Stellplätze für Car- und Bike-Sharing geben und die Fahrradabstellplätze werden auf 420 erhöht.

Der ökologische Fußabdruck der Gebäude wird auf ein Mindestmaß reduziert, so dass rund ein Hektar Freifläche erhalten bleibt, darunter auch das bestehende Biotop. „Am Horn“ ist als Plus-Energie-Quartier mit Gebäuden in Holzbauweise geplant. Für das Energiekonzept soll die Nutzung von Erdwärme und kalte Nahwärme mit Abwärme der Bodensee-Therme untersucht werden. Die Stromerzeugung soll mittels Photovoltaik-Anlagen auf den Dächern erfolgen.

Zugleich soll eine Optimierung der Biodiversität erzielt werden. Gebäudefassaden werden begrünt und Teilflächen auf den Dächern stehen für Urban Gardening zur Verfügung. Die Freiflächen werden mit Bäumen, Sträuchern und Wiesen gestaltet. Darüber hinaus ist im Quartier Regenwassernutzung vorgesehen.

Nachdem die Zustimmung des Gemeinderats nun erfolgt ist, wird das Bauleitplanverfahren eingeleitet. Rechtskraft des neuen Bebauungsplanes ist für 2022 geplant. Anfang nächsten Jahres kann im günstigsten Fall die Ausschreibung für Baugemeinschaften erfolgen. Detaillierte Informationen unter www.konstanz.de/zukunftsstadt.
tadt.

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