03.07.2020 12:26

IHK-Konjunkturumfrage untermauert wirtschaftlichen Rückgang im zweiten Quartal

(Villingen-Schwenningen) Weniger Kunden, weniger Aufträge, das Bangen um die Existenz: dieses Fazit zieht die Industrie- und Handelskammer (IHK) Schwarzwald-Baar-Heuberg aus der jüngsten Konjunkturbefragung ihrer Mitgliederunternehmen.

Jeder zweite Betrieb bezeichnet die aktuelle Situation als schlecht, fast die Hälfte der Befragten erwartet analog schwierige Monate. Erste positive Anzeichen erkennt die IHK in den überregionalen Konjunkturbewertungen großer Wirtschaftsinstitute. IHK-Präsidentin Birgit Hakenjos-Boyd sagt: „Es zeichnet sich ein Silberstreifen ab. Auf diesen wirken wir jetzt mit aller Kraft hin."

Die aktuelle Konjunkturumfrage zum Frühsommer zeigt die weitreichenden Auswirkungen der Covid-19 Pandemie auf alle Branchen und Standorte der Region. Der regionale Konjunkturindikator fällt auf den tiefsten Stand seit 2011. 48 Prozent aller befragten Unternehmen sprechen aktuell von einer schlechten Geschäftslage, für 37 Prozent ist die Lage noch befriedigend. Dies verdeutlicht die massiven Einbrüche bei Industrie, Handel, Gastronomen und Dienstleister. Ein vergleichbares Bild gibt es bei den Geschäftserwartungen: 46 Prozent rechnen mit einer Verschlechterung der Lage. Dem entgegen stehen 54 Prozent der Unternehmen, die von einer gleichbleibenden oder sich verbessernden Geschäftssituation ausgehen.

„Mit dem Monat April sollte der schlimmste Monat dieses Jahres überstanden sein. Mehrheitlich rechnen unsere Mitglieder mit einer Rückkehr zur normalen Geschäftstätigkeit ab dem Spätsommer und dem Herbst", zeigt sich Birgit Hakenjos-Boyd in Villingen-Schwenningen vorsichtig zuversichtlich. Das sei auch deshalb wichtig, weil zum Beispiel der Ausbildungsstart für viele junge Beschäftigte und Auszubildende im Spätsommer liegt. 53 Prozent aller befragten Betriebe wollen dementsprechend auch ihr Personal halten oder sogar noch ausbauen. 47 Prozent der Unternehmen kalkulieren mit weniger Personal in den nächsten Wochen und Monaten.

„Die Reaktion unserer Betriebe verdeutlicht, dass das Instrument der Kurzarbeit in einer solchen Krise unverzichtbar ist", so die IHK-Präsidentin. 59 Prozent nutzen dieses Instrument nach der aktuellen Umfrage. Für 41 Prozent der Unternehmen ist die Neugestaltung von Arbeitszeitmodellen ebenso aktuell. Ein gutes Signal: 41 Prozent aller Betriebe verstärken ihre Digitalisierung, 38 Prozent initiieren neue Geschäftskonzepte. Die IHK sieht darin ein klares Zeichen dafür, sich für die kommenden Monate und Jahre widerstandsfähiger zu machen. Dies wird unterlegt durch die Investitionsabsichten der regionalen Unternehmen. Jeder dritte Betrieb hält seine Investitionen auf gleichbleibendem Niveau oder baut sie sogar aus.

Mut geben die nationalen Indizes des ifo Instituts für Wirtschaftsforschung. „Dieses hatte Ende Mai eine sehr verhaltene Entspannung der Wirtschaftslage in maßgeblichen Wirtschaftssektoren dargestellt", sagt Birgit Hakenjos-Boyd. Ergänzend vermeldete die Gesellschaft für Konsumforschung GfK Ende Juni eine positive Entwicklung des Konsumklimas der Bevölkerung. Die abschließend zuversichtlichen Aussichten der Wirtschaftsweisen ergänzen dieses Bild einer sich abzeichnenden Erholung der Wirtschaft über die Sommermonate.


Regionale Zahlen zu den Branchen

Industrie
Über alle Industriesektoren hinweg beträgt der Auslastungsgrad in der Region aktuell rund 63 Prozent. 55 Prozent aller Industriebetriebe bewerten die Geschäftslage als schlecht, 34 Prozent sprechen von einer befriedigenden Situation. Die Umsätze sind auf breiter Front gefallen. Dies ist bei zwei von drei Betrieben der Fall. Gleiches gilt für die Ertragslage.

Transport, Logistik, Güterkraftverkehr
66 Prozent der regionalen Verkehrsbranche bewertet die aktuelle Geschäftslage als „schlecht“. 85 Prozent verzeichnen gefallene Umsätze. Der Auslastungsgrad von Fracht- und Beförderungskapazitäten beträgt aktuell 60 Prozent. Im Vergleich zum Jahresanfang hat die Branche ein Minus von 12 Prozent.

Handel
85 Prozent der regionalen Einzelhändler verzeichneten in den ersten Wochen nach dem „Shutdown“ einen starken Kundenrückgang im Vergleich zur Vorkrisenzeit. Jeder fünfte Betrieb hatte nahezu keine Kundschaft. Für ein Drittel aller Einzelhändler zwischen Schwarzwald, Baar und Heuberg bedeutete die zögerliche Rückkehr der Kundschaft einen Umsatzeinbruch von mindesten 75 Prozent. Die Kaufzurückhaltung ist auf breiter Front spürbar: nur acht Prozent sprechen von einer „kauffreudigen Bevölkerung“. Drei von vier Händlern sprechen deshalb aktuell von einer schlechten oder nur befriedigenden Situation. Hierbei sind Tankstellen und der großflächige Einzelhandel bereits berücksichtigt.

Gastgewerbe, Reise- und Freizeitwirtschaft
Regional ist der Verlauf der Corona-Pandemie das größte Geschäftsrisiko für die weitere Entwicklung des eigenen Unternehmens (83 Prozent). Fehlende Nachfrage und hohe Arbeitskosten paaren sich mit den bekannten Energiekosten zu einer negativen Gesamtsituation. Dies betrifft vor allem auch Reisebüros und Reiseveranstalter. Deren Wirtschaftsleistung brach während des „Shutdowns“ um 84 Prozent im Vergleich zum Vorkrisenniveau ein. 95 Prozent aller Reiseunternehmen rechnen nach einer Umfrage der IHK-Organisation mit einem Umsatzrückgang für das Jahr 2020.

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