04.06.2020 10:35

Beliebte Region für ältere Menschen

In den vergangenen Jahren gab es in Baden-Württemberg jeweils mehr als eine Millionen Umzüge über die Gemeindegrenzen. Allerdings wechselten Menschen im höheren Alter eher relativ selten ihren Wohnort, so das Statistische Landesamt. Denn obwohl jeder vierte Baden-Württemberger 60 Jahre oder älter ist, entfiel nur etwa jeder 16. Umzug auf diese Altersgruppe.

In den vergangenen Jahrzehnten waren eher ländlich geprägte Landkreise für die Altersgruppe der 60-Jährigen und Älteren attraktiv. Das höchste Plus erzielte allerdings zuletzt der Stadtkreis Pforzheim, wobei dieses Ergebnis zum größten Teil auf die beachtliche Zuwanderung von 80-jährigen und Älteren zurückzuführen ist.1 Entscheidend hierfür dürfte das große Angebot an Pflegeheimplätzen sein: Pforzheim hat landesweit – bezogen auf die Zahl der mindestens 65-jährigen – die höchste Zahl an verfügbaren Plätzen in Pflegeheimen für vollstationäre Pflege.

Die Kur- und Bäderstadt Baden-Baden erzielte in der Altersgruppe der 70- bis unter 80-Jährigen den höchsten positiven Saldo der 44 Stadt- und Landkreise. Diese Altersgruppe ist oftmals durch nachlassende Gesundheit und zunehmenden Hilfebedarf der Älteren gekennzeichnet. Die Gesundheitsversorgung vor Ort spielt deshalb für diese Altersgruppe eine wesentliche Rolle.

In der Altersgruppe der 60- bis unter 70-Jährigen verzeichneten die Landkreise Freudenstadt, Calw, Breisgau-Hochschwarzwald und der Bodenseekreis die höchste Zuwanderung. Bei der Wanderung dieser »jungen Alten« steht der Umzug in Gegenden, von denen man sich eine höhere Lebensqualität verspricht, das heißt insbesondere eine gesündere Umgebung und bessere Möglichkeiten der Freizeitgestaltung, im Vordergrund. Wird die Zahl der Übernachtungen bezogen auf die einheimische Bevölkerung als Gradmesser für die (touristische) Attraktivität einer Gegend herangezogen, so zeigt sich hier eine relativ große Übereinstimmung: Die genannten Kreise belegen auch vordere Plätze bei der Übernachtungsdichte.

Künftig dürfte die Bedeutung der »Altenwanderung« nach Einschätzung des Statistischen Landesamtes wegen des demografischen Wandels zunehmen: Der Anteil der 60-Jährigen und Älteren an der Gesamtbevölkerung könnte nämlich in Baden-Württemberg von derzeit 26 % auf 34 % bis zum Jahr 2050 ansteigen.

1
Als Indikator wurde der Saldo zwischen den Zu- und Fortzügen innerhalb Baden-Württembergs je 1 000 der entsprechenden Bevölkerung gewählt („Nettowanderungsrate“). Um Zufallsschwankungen möglichst zu eliminieren, wurden die Kreisberechnungen für vier Jahre, nämlich für den Zeitraum 2015 bis 2018, durchgeführt.

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