06.02.2020 10:50

Viel Stau

(Karlsruhe) Wer 2019 auf deutschen Autobahnen unterwegs war, brauchte noch mehr Geduld als im Vorjahr. Während die Anzahl der Staus um fünf Prozent abnahm, stieg deren Dauer im Vergleich zum Vorjahr um 14 Prozent. In Baden-Württemberg verzeichnete die ADAC Staudatenbank mehr als 76.000 Staus mit insgesamt 70.000 Stunden. Im Vorjahr dauerten 81.000 Staus rund 61.000 Stunden.

Baden-Württemberg ist eines der besonders staubelasteten Bundesländer. Grund dafür sind die verkehrsreichen Strecken auf der A8 und der A5, die neben dem hohen Pendler- und Lieferverkehrsaufkommen auch zu den vielbefahrenen Urlaubsrouten in den Süden gehören. Betrachtet man die Staulängen, belegt Baden-Württemberg Platz drei mit rund 191.000 Kilometern (13 Prozent aller Staukilometer in Deutschland) nach Nordrhein-Westfalen mit rund 453.000 Kilometern (rund 32 Prozent) und Bayern mit 267.000 Kilometern (19 Prozent). Betrachtet man die Staukilometer im Verhältnis zu den vorhandenen Autobahnkilometern, lag Baden-Württemberg im bundesweiten Vergleich an vierter Stelle. Das baden-württembergische Autobahnnetz umfasst 1.054 Kilometer.



Die staureichsten Autobahnstrecken in Baden-Württemberg

Unter den zehn bundesweit am schlimmsten betroffenen Fernautobahn­abschnitten liegt die A8 zwischen Stuttgart und Karlsruhe mit 427 Kilometern Stau pro Autobahnkilometer auf Platz drei (2018: Platz 4). Auf den gerade mal 66 Autobahnkilometern wurden hier 2019 fast 11.000 Staus mit insgesamt 28.000 Kilometern und fast 12.000 Staustunden gemeldet.

Die A5 zwischen Heidelberg und Karlsruhe liegt in diesem Vergleich auf Platz fünf (2018: Platz 7), die A6 zwischen Heilbronn und Mannheim auf Platz sieben (2018: Platz 2).



Die Stauspitzen in Nordbaden: Am stärksten betroffene Abschnitte

In der Betrachtung der kurzen Abschnitte, die jeweils zwischen zwei Abfahrten liegen, nahm die Strecke zwischen dem Dreieck Karlsruhe und der Abfahrt Karlsbad die höchste Anzahl der Stauereignisse in Nordbaden und sogar in ganz Baden-Württemberg ein: 1.792 Mal ging 2019 eine Staumeldung für diese Strecke ein sowie 1.220 Mal in der Gegenrichtung. Zwischen dem Kreuz Weinsberg und Heilbronn-Neckarsulm auf der A6 wurden 1.614 Staus gemeldet sowie 828 in der entgegengesetzten Fahrtrichtung. 1.440 Mal staute es sich zwischen Kronau und dem Kreuz Walldorf, 557 Mal in der Gegenrichtung.



Baustellen: Notwendige Nadelöhre

Dass Autofahrer noch mehr Stunden im Stau verbringen mussten, dürfte an der um gut ein Prozent gestiegenen Kfz-Fahrleistung sowie an der gegenüber dem Vorjahr um 20 Prozent gestiegenen Zahl der Baustellen liegen. 2019 gab es allein in Baden-Württemberg bis zu 56 Baustellen gleichzeitig, bundesweit waren es bis zu 623.Für 2020 ist weiterhin mit zahlreichen Engpässen durch Baustellen zu rechnen, denn die Autobahnen müssen fit für die Zukunft gemacht werden. Wichtig ist hier ein gutes Baustellenmanagement, um die Zahl der Unfälle in zu engen Spuren oder von schweren Auffahrunfällen am Stauende zu vermeiden.

Insbesondere in den Ballungsräumen können Berufspendler dem Stau entgehen, indem sie auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen. Dazu müsste jedoch der Ausbau der Infrastruktur konsequent vorangetrieben werden, um ein zuverlässiges Angebot zu gewährleisten. Auch die Modernisierung der Schienensysteme im Nah- und Fern­verkehr muss konsequent vorangetrieben werden, um so die Kapazitäten und die Zuverlässigkeit zu steigern, mit dem Ziel, mehr Autofahrer zum Umstieg auf den ÖPNV und Bahn zu bewegen. Autofahrer, die 2020 weniger häufig im Stau stehen und ihre Fahrt individuell planen wollen, können sich vor Fahrtantritt auf adac.de über die aktuelle Verkehrslage und die Baustellensituation informieren.

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