06.05.2020 10:10

Neue Studie zum regionalen Wirtschaftswachstum

Das Statistische Landesamt hat soeben eine umfassende Studie zum Thema »Regionales Wirtschaftswachstum in Baden-Württemberg« veröffentlicht.

Anhand verschiedener Einflussfaktoren wie Arbeitsproduktivität, Wirtschaftsstruktur, Innovationskraft, Arbeitskräfte und Siedlungsstruktur wird darin die langfristige wirtschaftliche Entwicklung aller 12 Regionen und 44 Stadt- und Landkreise Baden-Württembergs im Zeitraum 2000 bis 2016 in den Blick genommen.

Die wichtigsten Ergebnisse dieser Studie lassen sich wie folgt zusammenfassen:

Das reale Wirtschaftswachstum war im Zeitraum 2000 bis 2016 unter den 44 Stadt- und Landkreisen im Landkreis Biberach mit durchschnittlich 3,1 % pro Jahr am stärksten, gefolgt von den Landkreisen Heilbronn (+2,8 %) und Böblingen (+2,7 %). Wachstumsführer unter den 12 Regionen waren die Regionen Donau-Iller (+2,2 %), Bodensee-Oberschwaben (+1,8 %) und Heilbronn-Franken (+1,7 %). Die Region Stuttgart lag mit einem Wachstum von 1,5 % zwar nur leicht über dem Landesdurchschnitt (+1,4 %), verzeichnete jedoch als einzige Region eine stärkere Wachstumsdynamik in der zweiten Hälfte des Zeitraums (2008 bis 2016), in die sowohl die Finanzkrise als auch die daran anschließende wirtschaftliche Erholung fiel. Hierdurch stieg der Anteil der Region Stuttgart am Wirtschaftswachstum des Landes von 23 auf 39 %. Mit deutlichem Abstand folgt die Region Heilbronn-Franken mit einem Wachstumsanteil von zuletzt 10 %. Die regionale Ungleichheit beim Wirtschaftswachstum hat sich damit im Land verstärkt.
Die Arbeitsproduktivität, gemessen als reales Bruttoinlandsprodukt je Erwerbstätigen, gilt als zentrale Bestimmungsgröße des Wirtschaftswachstums. Regionen und Kreise mit einem stärkeren Arbeitsproduktivitätszuwachs weisen tendenziell ein höheres Wirtschaftswachstum auf. Die höchsten Produktivitätsfortschritte erzielten im Zeitraum 2000 bis 2016 die Landkreise Böblingen und Biberach (jeweils +1,9 %) sowie der Landkreis Heilbronn (+1,4 %), die auch beim Wachstumsranking an der Spitze lagen. Insbesondere die Region Stuttgart, aber auch die Regionen Heilbronn-Franken und Donau-Iller konnten im Zeitraum 2008 bis 2016 ihre Anteile am landesweiten Zuwachs der Arbeitsproduktivität auf 54 %, 14 % bzw. 11 % steigern, sodass sich auch bei der Arbeitsproduktivität die regionale Ungleichheit verstärkt hat.
Bezüglich der Wirtschaftsstruktur spielt in allen Regionen Baden-Württembergs das Verarbeitende Gewerbe eine wichtige Rolle. Sein Wertschöpfungsanteil an der Gesamtwirtschaft reichte 2016 von fast 45 % in der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg bis 23 % in der Region Rhein-Neckar. Im Zeitraum 2000 bis 2016 war in fünf Regionen Baden-Württembergs eine »Re-Industrialisierung«, also ein Anteilsgewinn des Verarbeitenden Gewerbes, zu be­obachten. Mit einem Zuwachs um fast 4 Prozentpunkte auf 36 % war dieser in der Region Stuttgart am stärksten ausgeprägt, gefolgt von den Regionen Schwarzwald-Baar-Heuberg und Heilbronn-Franken. Zu dieser Entwicklung trug die wachsende Bedeutung des Fahrzeugbaus im Zeitraum 2008 bis 2016 bei. Dies traf insbesondere auf die Regionen Heilbronn-Franken und Stuttgart zu. Der Maschinenbau erlitt dagegen in 10 der 12 Regionen Anteilsverluste, so beispielsweise in den Regionen Rhein-Neckar und Ostwürttemberg.
Die globale Wettbewerbsfähigkeit und der Technologiewandel erfordern eine hohe Innovationskraft der Wirtschaft, denn Regionen mit hoher Innovationsfähigkeit verfügen meist über eine vergleichsweise hohe Arbeitsproduktivität und sind wachstumsstark. Forschungsintensive Industriebranchen und wissensintensive Dienstleistungen1 trugen im Zeitraum 2008 bis 2016 landesweit insgesamt 70 % des Wirtschaftswachstums. In 8 der 12 Regionen Baden-Württembergs waren diese zusammengefassten Branchen maßgeblich am Wirtschaftswachstum beteiligt. Hohe Wachstumsbeiträge der forschungsintensiven Industrie konnten beispielsweise die Regionen Heilbronn-Franken, Stuttgart, Schwarzwald-Baar-Heuberg und Bodensee-Oberschwaben vorweisen. Im Bereich der wissensintensiven Dienstleistungen waren die Wachstumsbeiträge in den Regionen Mittlerer Oberrhein und Rhein-Neckar landesweit am höchsten.

Neben der Bewältigung der wirtschaftlichen Folgen der aktuellen Corona-Pandemie wird sich die Wirtschaft in den Regionen und Kreisen Baden-Württembergs langfristig weiteren Herausforderungen stellen müssen. Diese wird sich wie schon in der Vergangenheit im globalen Wettbewerb behaupten müssen und steht vor dem Hintergrund des Klimaschutzes und des demografischen Wandels vor weiteren großen Aufgaben. Daher gilt es, mittels Innovationen die Digitalisierung und den technologischen Wandel voranzutreiben. Innovationen und der damit verbundene Produktivitätszuwachs sind eine wichtige Voraussetzung für zukünftiges Wachstum, wenn das Angebot an Arbeitskräften im Zuge der Alterung der Bevölkerung abnehmen wird. Der Bedarf an gut ausgebildeten Arbeitskräften dürfte deshalb weiter steigen. Bereits im Zeitraum 2000 bis 2019 hat sich landesweit der Anteil der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten mit akademischer Ausbildung von 10 % auf 20 % verdoppelt. Im stark expandierenden Wirtschaftsbereich Information und Kommunikation war 2019 sogar mehr als jeder zweite Beschäftigte Akademiker (53%).

1
Zu den forschungsintensiven Industriebranchen gehören beispielsweise der Fahrzeugbau und der Maschinenbau, zu den wissensintensiven Dienstleistungen unter anderem die Branche Information und Kommunikation sowie die Erbringung freiberuflicher, wissenschaftlicher und technischer Dienstleistungen.

Anzeigen
Anzeigen