10.05.2022 17:57

Konjunkturklima trübt bei Betrieben ein

In Folge des seit Ende Februar herrschenden Krieges in der Ukraine verschlechtert sich das Konjunkturklima in der regionalen Wirtschaft.

Insbesondere die deutlich spürbaren Preissteigerungen für Energie und Rohstoffe sowie die Störungen in den Lieferketten werden für die Betriebe zunehmend zur Bedrohung. „Dabei überlagern sich Effekte des Krieges mit den Auswirkungen der noch nicht überstandenen Corona-Pandemie“, so Alexander Graf, zuständig für die Konjunkturumfrage der IHK Hochrhein-Bodensee. Entsprechend gehen die Erwartungen über den weiteren Verlauf der Konjunktur bei den Unternehmen im IHK-Bezirk zurück. Der von der IHK errechnete Index für das Konjunkturklima in der Region sinkt von 120 Punkten zu Jahresbeginn auf aktuell 114 Punkte. (Erklärung Punktesystem und Methodik am Ende)

Geschäftslage
Dabei zeigt sich die Einschätzung der Geschäftslage bei den Betrieben mit einem Wert von 124 Punkten gegenüber der Befragung zum Jahreswechsel (ebenfalls 124 Punkte) noch stabil.

Gebremste Entwicklung in der Industrie
Die derzeitige Tendenz in den Auftragseingängen aus dem In- und Ausland zeigt sich bei jedem zweiten Produktionsbetrieb in der Region gleichbleibend. Die Zahl derer, die einen fallenden Auftragseingang zu verzeichnen haben, steigt allerdings deutlich von 2 Prozent zu Jahresbeginn auf aktuell 13 Prozent. Der Auslastungsgrad der Kapazitäten im Produktionssektor sinkt leicht auf 87 Prozent. Die regionalen Produktionsbetriebe kämpfen mit weiter steigenden Produktionskosten. Dies hat auch Auswirkungen auf die Ertragslage. Diese bezeichnen aktuell rund 20 Prozent der
Betriebe als schlecht. Der Indexwert der Lage für das produzierende Gewerbe im IHK-Bezirk sinkt von 138 auf 132 Punkte. Sie bleibt damit insgesamt positiv, zeigt aber erste Bremsspuren.

Zurückhaltendes Kaufverhalten im regionalen Handel
Leicht positiver als vor Monaten zeigt sich die Einschätzung beim regionalen Handel. 23 Prozent der Befragten beurteilen ihre Lage aktuell als gut, der Großteil (61 Prozent) als befriedigend. Gleichzeitig berichtet jeder zweite Händler von gegenüber dem Vorjahresquartal gestiegenen Umsätzen. Der Lageindex im Handel zeigt sich damit verbessert und steigt auf 107 Punkte. Die Corona-Beschränkungen im Handel sind für die Kunden gefallen, die Zurückhaltung beim Konsum im regionalen Einzelhandel aber noch nicht. Aktuell bezeichnen 56 Prozent der Händler das Kaufverhalten ihrer Kunden als zurückhaltend, rund ein Drittel als saisonüblich.

Dienstleistungsbereich sehr unterschiedlich
Der Lageindex im Dienstleistungsbereich zeigt sich seit Jahresbeginn stabil bei 122 Punkten. Dabei hat sich die Zahl der Dienstleister, die von einer schlechten Geschäftslage sprechen von 22 auf 18 Prozent verringert. Gleichzeitig ist aber auch der Anteil derer, die ihre Lage als gut einschätzen seit Jahresbeginn leicht gesunken. Gleiches gilt für den Umsatz, bei dem 21 Prozent einen Rückgang und 37 Prozent einen Anstieg gegenüber dem gleichen Vorjahresquartal verzeichnen. Zur zweiten Gruppe gehören auch diejenigen Dienstleistungsbetriebe, die durch die Corona-Verordnungen sehr lange und sehr deutlich limitiert wurden und nun wieder mehr oder weniger uneingeschränkt ihrer Tätigkeit nachgehen dürfen. Im Auftragseingang zeichnet sich bei mehr als jedem zweiten Dienstleister momentan ein gleichbleibendes Auftragsvolumen ab; der Anteil derer mit tendenziell steigendem Volumen beträgt rund 20 Prozent, während ein Viertel von einem fallenden Auftragsvolumen berichtet.

Erwartungen für die kommenden Monate
Die Geschäftserwartungen in der Region Hochrhein-Bodensee gehen zurück. Aktuell sieht jeder vierte Betrieb eine schlechtere Geschäftsentwicklung in den nächsten zwölf Monaten voraus. Damit hat sich dieser Anteil gegenüber der Befragung zu Jahresbeginn beinahe verdoppelt. Die Hälfte der Unternehmen erwarten einen gleichbleibenden Geschäftsverlauf. Unter den Produktionsbetrieben erhöht sich der Anteil der Unternehmen, die mit schlechteren Geschäften rechnen von null auf 16 Prozent. Auf der anderen Seite steigt aber auch der Anteil der produzierenden Unternehmen, die mit besseren Geschäften rechnen von 33 Prozent zu Jahresbeginn auf nun 39 Prozent. Im Handel nimmt die Zahl der pessimistischen Einschätzungen für die kommenden Monate von 30 auf 35 Prozent zu, die Zahl derer mit optimistischen Erwartungen geht von 26 auf 20 Prozent zurück. Unter den Dienstleistern im Kammerbezirk erwartet jeder Zweite gleichbleibende Geschäfte. Die Zahl der Optimisten, die bessere Geschäftsverläufe für die kommenden Monate prognostizieren, reduziert sich im Dienstleistungsbereich von 37 auf nunmehr 29 Prozent. Die Investitionsabsichten im Inland bleiben gegenüber Jahresbeginn stabil. Die Zahl der Unternehmen in der Region Hochrhein-Bodensee, die Investitionen in den kommenden zwölf Monaten planen, liegt mit 90 Prozent leicht über dem Wert zu Jahresbeginn, wenngleich jedes vierte Unternehmen mit einem Rückgang der Investitionssummen rechnet. Dabei weisen die Betriebe im Produktionsbereich tendenziell eine größere Investitionsbereitschaft auf als die Betriebe im Dienstleistungs- und Handelsbereich. Verwendet werden sollen die Mittel insbesondere zur Beschaffung von Ersatzbedarfen (74 Prozent), zur Digitalisierung (57 Prozent) sowie für den Ausbau von Energieeffizienz- und Umweltschutzmaßnahmen (44 Prozent).
Bezüglich der Beschäftigtenzahlen geht der überwiegende Teil der Unternehmen in der Region – rund 69 Prozent – von konstanten Zahlen in den kommenden zwölf Monaten aus. Beinahe jedes fünfte Unternehmen rechnet mit einer tendenziell steigenden Belegschaft, aber auch rund 13 Prozent schätzen, dass die Beschäftigtenzahl vor Ort fallen wird.

Risiken der wirtschaftlichen Entwicklung
Für den Konjunkturverlauf der kommenden Monate wird viel von den Entwicklungen des Krieges in der Ukraine und den damit verbundenen weitergehenden Embargoschritten gegenüber Energie- und Rohstofflieferungen aus Russland abhängen. Die Corona-Pandemie ist ebenfalls noch nicht überstanden und sorgt in wichtigen Zulieferregionen Asiens für Probleme, die sich in den Lieferketten der globalisierten Wirtschaft niederschlagen. Für den Moment sind jedoch die gestiegene Preise für Energie und Rohstoffe die meistgenannten Sorgentreiber. In der Region sehen drei von vier Unternehmen in den hohen Energiepreisen ein Risiko für ihren weiteren Geschäftsverlauf, 61 Prozent in den gestiegenen Rohstoffpreisen. Während dies für die Handelsbetriebe wie auch das produzierende Gewerbe gilt, ist unter den Dienstleistungsbetrieben das meistgenannte Risiko (68 Prozent) aber nach wie vor der Fachkräftemangel. Abzuwarten bleibt auch, wie sich die erhöhte Inflation auf die Arbeitskosten der Betriebe auswirken wird. Aktuell sehen 40 Prozent aller Betriebe darin ein Risiko.

Punktesystem und Methodik
Der IHK-Konjunkturklimaindex ist ein Indikator für die konjunkturelle Entwicklung. Er fasst die aktuelle Situation der Unternehmen und ihre Erwartungen an die kommenden zwölf Monate in einem Wert zusammen. Der Index wird als geometrisches Mittel aus den Salden der positiven und negativen Antworten auf die Fragen zur Lage und zur zukünftigen Entwicklung der Geschäfte berechnet. Der Index kann Werte zwischen 0 und 200 Punkten annehmen. Entscheidend für die Interpretation des Konjunkturklimas ist seine Veränderung von Umfrage zu Umfrage. Die Erfahrung zeigt, dass sich die Konjunktur tendenziell positiv entwickeln wird, wenn der Klimaindex zunimmt. Nimmt er ab, verschlechtert sich tendenziell die wirtschaftliche Entwicklung. Je näher an 200 desto besser und je näher an 0 desto schlechter läuft die Konjunktur, 100 ist dabei die Schwelle. Zusätzlich ist es hilfreich, sich die beiden Werte - Lage und Erwartung - anzuschauen, da der Index durch diese beiden beeinflusst wird.

Info: Ausführliche Dokumentation unter www.konstanz.ihk.de

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