10.02.2021 10:49

Ausnahmejahr für Kunstmuseum

(Basel) Das Jahr 2020 war für das Kunstmuseum Basel wie für andere (Kultur-)Institutionen auch ein Ausnahmejahr.

Die zeitweise Schliessung des Museums, die Verschiebung von geplanten Ausstellungen sowie der Ausfall unzähliger Veranstaltungen haben unter anderem dazu geführt, dass das Betriebsergebnis vor allem aufgrund der markant tieferen Besucherzahlen nicht wie geplant ausgefallen ist. Trotzdem ist es gelungen, ein attraktives Ausstellungs- und Vermittlungsprogramm zu bieten und mit teilweise neuen digitalen Formaten sogar neue Publikumskreise zu erschliessen.

Das Betriebsjahr 2020 im Kunstmuseum Basel kann nicht unter normalen Voraussetzungen bewertet werden. Die Besucherzahlen sind im Vergleich zum Vorjahr massiv eingebrochen, was nicht nur auf die monatelangen Schliessungen im Frühling und Winter zurückzuführen ist, sondern auch auf den fehlenden Tourismus und die Einschränkungen durch COVID-19, die uns ab März das ganze Jahr begleitet haben. Erwartungsgemäss resultierte deshalb auch eine Abweichung vom Globalbudget, die aber durch die vom Regierungsrat Basel-Stadt bewilligte Kreditüberschreitung ausgeglichen wurde.

Das Jahr bot aber auch Chancen. So konnte das digitale Angebot des Kunstmuseums Basel stark ausgebaut und so der virtuelle Zugang zum Museum für ein grosses Publikum erleichtert werden: Live-Führungen auf den sozialen Medien, ein temporärer Blog und virtuelle Rundgänge in den Sonderausstellungen Picasso, Chagall, Jawlensky und Rembrandts Orient stiessen auf regen Zuspruch. Diese Formate werden deshalb künftig auch im Normalbetrieb weiter geführt.

Das Kunstmuseum Basel bedankt sich insbesondere für die wesentlichen finanziellen Beiträge von Mäzenen, Donatoren, Sponsoren und Stiftungen, die sowohl die Ausstellungen als auch die Erweiterung der Sammlung grosszügig unterstützen und auf die es auch in diesem schwierigen Jahr zählen konnte.


Einbruch der Besucherzahlen

151‘762 Besucher*innen fanden trotz der Corona-Pandemie 2020 den Weg ins Kunstmuseum Basel. Die Ausstellung Picasso, Chagall, Jawlensky. Meisterwerke der Sammlung Im Obersteg, die mit einem Wiedersehen der beiden Arlequins von Pablo Picasso glänzte, konnte insgesamt 19‘130 Besucher*innen verzeichnen. Die Sommerausstellung The Incredible World of Photography zur Fotosammlung Ruth und Peter Herzog, die als einzige Ausstellung 2020 ohne Unterbruch gezeigt werden konnte, wurde 31‘458mal besucht.

Die Zahlen der Herbstausstellungen wiederum sind durch die vorzeitige Schliessung aller Museen am 20. Dezember geprägt. 8139 Menschen besuchten bis dahin die Ausstellung Isa Genzken. Werke von 1973 bis 1983 im Kunstmuseum Basel | Gegenwart. Die Sonderausstellung Rembrandts Orient. Westöstliche Begegnung in der niederländischen Kunst des 17. Jahrhunderts im Neubau konnte bis zur vorzeitigen Schliessung 12‘774 Besucher*innen begeistern. Dank dem virtuellen 3D-Rundgang zur Ausstellung konnten über 6300 Menschen die Ausstellung danach noch im digitalen Raum besuchen (Stand 8. Februar 2021).

Veranstaltungen und Programme fanden 2020 grösstenteils digital statt. An der Museumsnacht im Januar konnte das Kunstmuseum Basel mit 13‘396 Besucher*innen noch einen neuen Rekord feiern. Viele der geplanten Aktivitäten mussten jedoch verschoben oder abgesagt werden. Dazu gehörte beispielsweise das Fest, mit dem das 40-jährige Jubiläum des Kunstmuseum Basel | Gegenwart gefeiert werden sollte, das aber der Pandemie zum Opfer fiel. Auf den Geburtstag aufmerksam machte stattdessen der Auftakt der Ausstellungsreihe Continuously Contemporary. Neue Werke aus der Emanuel Hoffmann-Stiftung im September.

Auf Initiative der Freunde des Kunstmuseums Basel hin fanden im September die Kunsttage Basel statt, eine gemeinsame Veranstaltung von Museen, Galerien, Ausstellungsräumen und Projekten im öffentlichen Raum der Stadt Basel bis zum Dreispitz-Areal in Münchenstein. Die weitum beachtete Initiative dazu war aufgrund der Corona-Pandemie entstanden und machte in diesem von Schliessungen geprägten Jahr Kunst für ein breites Publikum erlebbar.

395 öffentliche und private Führungen und Workshops wurden 2020 durchgeführt (2019: 1057), dazu besuchten 601 Schulklassen das Museum (2019: 1007). Ausserdem wurden 28 Führungen live auf Facebook und Instagram gestreamt. Das neue Format, das im Frühling 2020 während des ersten Shutdowns gestartet wurde, fand auf Anhieb ein Stammpublikum und konnte bis Ende Jahr stetig mehr virtuelle Besucher*innen erfreuen..


Digitale Reichweite ausgebaut

Die Aktivitäten des Kunstmuseums stiessen auf ein erfreulich breites internationales Medienecho, und die Kritiken zu den Ausstellungen waren ausnahmslos positiv. Rund 1000 Journalisten konnten 2020 trotz Reiserestriktionen und Schliessungen das Kunstmuseum Basel besuchen. Breit und äusserst positiv rezipiert wurde neben den Ausstellungen das digitale Programm. Auch der LED-Fries am Kunstmuseum Basel | Neubau zog international Aufmerksamkeit auf sich mit Statements von Tim Etchells, Jenny Holzer, Marinella Senatore und Wolfgang Tillmans.

Die Website konnte am Ende des Jahres über eine Million Besuche zählen. Mit dem Blog, der im Frühling den Interessierten täglich Beiträge zu Lieblingswerken von Mitarbeitenden, Werkbesprechungen oder Videoworkshops lieferte, dem Digitorial zur Ausstellung The Incredible World of Photography sowie den Aktivitäten auf den sozialen Medien konnte das Kunstmuseum Basel zusätzliche Publika erschliessen und Zugänge für Leute schaffen, die nicht ins Museum kommen konnten. Dass diese Angebote einem Bedürfnis entsprachen, zeigte sich in Rückmeldungen und in Zahlen klar. Sie schufen einen weiteren Zugang zu den Programminhalten und halfen dabei, zusätzliche Publikumskreise zu erreichen. Dazu trug vor allem auch der Podcast Rembrandt, habibi! bei, der von der Autorin Amina Aziz als Ergänzung zur Ausstellung Rembrandts Orient produziert wurde: Er wurde 4750 Mal angehört.

Die Followerzahlen der Social Media-Kanäle wuchsen 2020 weiter: Auf Instagram folgten dem Kunstmuseum Basel Ende des Jahres 46‘913 Personen (+9207). Auf Facebook stieg die Zahl auf 23‘078 (+922) und auf Twitter auf 4023 (+925). Diese Kanäle dienten 2020 noch mehr als sonst dazu, die Sammlung, aber auch die Ausstellungen einem zunehmend internationaleren Publikum näher zu bringen.

Sein Online-Angebot deutlich ausgebaut hat 2020 auch der Shop des Kunstmuseums Basel. Entsprechend konnten die Anzahl Bestellungen sowie der Umsatz im Vergleich zu 2019 verdoppelt werden.

Bedeutende Erweiterungen der Sammlung

Die Sammlung des Kunstmuseums konnte 2020 erneut um bedeutende Werke und Werkgruppen erweitert werden. Zu den Highlights im Bereich des 19. und der klassischen Moderne zählt Griesbräu. Obere Hauptstrasse in Murnau, ein Hauptwerk von Gabriele Münter aus dem Jahr 1908, das aus dem Ankaufsetat erworben werden konnte. Dank grosszügigen Schenkungen der Max Geldner-Stiftung bzw. von privater Seite fanden das Gemälde Paysage au piquet (um 1882) von Georges Seurat sowie ein hervorragendes Frühwerk ohne Titel der Zürcherin Verena Loewensberg aus dem Jahr 1947 ihren Weg in die Sammlung. Das Kupferstichkabinett durfte sich unter anderem über die Schenkungen einer Gouache von Pablo Picasso durch Hans Rudolf und E. Regula Baumgartner und einer Werkgruppe von einer Zeichnung und sieben druckgrafischen Blättern von Camille Pissarro durch Hartmut und Betty Raguse-Stauffer freuen.

Die Sammlung ab 1950 konnte erfreulicherweise durch starke Positionen von Künstlerinnen erweitert werden: Der Arnold Rüdlinger-Fonds machte den Ankauf einer Werkgruppe der amerikanischen Künstlerin Shirley Jaffe möglich, darunter das Gemälde Medrano (1958). Von der österreichischen Künstlerin Valie Export zählt das Kunstmuseum Basel nun den 18-minütigen Film Syntagma (1983) sein eigen. Der Film National Archives Microfilm M999 Roll 34: Bureau of Refugees, Freedmen and Abandoned Lands: Six Miles from Springfield on the Franklin Road (2009) von Kara Walker konnte ebenfalls angekauft werden. Zusätzlich erweitert dank einer ewigen Dauerleihgabe der Hüni Michel Stiftung ein Scherenschnitt von Kara Walker die Sammlung des Kupferstichkabinetts.

Ausblick 2021

Das Programm des Kunstmuseums Basel im Jahr 2021 ist erneut sehr divers und widerspiegelt die Breite der Sammlung, die stets den fruchtbaren Nährboden für die Ausstellungen bildet. Wenn die aktuellen Pandemiemassnahmen es zulassen, wird Ende März die grosse Retrospektive Sophie Taeuber-Arp. Gelebte Abstraktion das Jahresprogramm fulminant starten. Die Ausstellung, die in Kooperation mit dem Museum of Modern Art, New York, und der Tate Modern, London, entsteht, soll das Werk der Schweizerin international bekannt machen.

Die Ausstellung Kara Walker. A Black Hole Is Everything a Star Longs to Be, die vom Sommer 2020 auf das Jahr 2021 verschoben werden musste, wird mit ihren hunderten von Zeichnungen, die die Schwarze US-Künstlerin noch nie öffentlich gezeigt hat, ein spezielles Highlight. Die Herbstmonate gehören mit Camille Pissarro dem am wenigsten bekannten Impressionisten: Die Ausstellung Das Atelier der Moderne wird einen Überblick über sein Schaffen bieten und das Augenmerk auf seine Zusammenarbeit mit Zeitgenossen wie Paul Cézanne, Paul Gauguin, Claude Monet oder Edgar Degas legen.

Im Kunstmuseum Basel | Gegenwart wird noch bis in den Herbst das 40-Jahr-Jubiläum mit neuen Werken aus der Emanuel Hoffmann-Stiftung gefeiert. Danach wird anlässlich des 100. Geburtstags des Aktionskünstlers Joseph Beuys ein Projekt präsentiert, das zeigt, wie wichtig Beuys und sein Werk als Impulsgeber waren, um das Kunstmuseum Basel «als wirklich heutiges Museum» zu denken, wie es der einstige Direktor Franz Meyer sah.

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