15.10.2026 17:10

Hoher Aufwand für Pflege der Grünflächen

(Lörrach) Die Hitze des Sommers 2026 war in Lörrach wie an vielen anderen Orten der Region für die Grüneflächen ein Problem. Wie die Situation sich darstellt wurde jetzt berichtet.

Dazu sagt Bürgermeisterin Monika Neuhöfer-Avdić: „Bäume und Grünflächen tragen wesentlich zu einem lebenswerten Stadtklima bei. Die Bilanz dieses Sommers zeigt, welcher Aufwand notwendig ist, um unser Stadtgrün durch längere Hitze- und Trockenphasen zu bringen. Mein Dank gilt den Mitarbeitenden von Stadtgrün und den Bürgerinnen und Bürgern, die mit zusätzlichem Gießen unterstützen. In diesem Sommer galt: „Jeder Liter für unsere Bäume zählt.“ Zugleich müssen wir bei der Entwicklung unserer Grünanlagen die veränderten Klimabedingungen in Zukunft konsequent berücksichtigen.“




Die anhaltenden Hitze- und Trockenperioden in diesem Sommer haben das Stadtgrün besonders gefordert. Der Eigenbetrieb Stadtgrün zieht eine vorläufige Bilanz am Beispiel ausgewählter Baumstandorte. Im Mittelpunkt stehen die Auswirkungen auf den Baumbestand, der erhöhte Bewässerungsaufwand und die langfristige Anpassung der Grünanlagen an den Klimawandel.



Daten und Fakten

Die vorliegenden Niederschlagsdaten weisen für 1999 bis 2010 ein Jahresmittel von rund 969 Litern je Quadratmeter aus. Für den angegebenen Vergleichszeitraum 2011 bis 2026 liegt der Wert bei rund 792 Litern. Dies entspricht einem Rückgang um rund 18 Prozent.

Mehr als zwei Millionen Liter Wasser wurden in den vergangenen vier Monaten zu Bäumen, Grünflächen und Pflanzbeeten im Stadtgebiet gebracht.

Die Mitarbeitenden versorgten rund 220 Bäume sowie zahlreiche Grünflächen, Verkehrsinseln, Pflanztröge und Staudenbeete. Bis zu acht Mitarbeitende waren regelmäßig mit der Bewässerung beschäftigt. Auch zusätzliche Kräfte aus den Pflegeteams unterstützten, die dann bei anderen Arbeiten fehlten.

Neu gepflanzte Bäume benötigen heute mindestens fünf Jahre lang zusätzliche Bewässerung. Früher waren es in der Regel drei Jahre. An besonders trockenen Standorten kann die Unterstützung bis zu sieben Jahre erforderlich sein.

Eine abschließende Schadensbilanz liegt noch nicht vor. Stadtgrün erwartet deutlich mehr dürrebedingte Baumfällungen als in bisherigen Durchschnittsjahren, doch die tatsächlichen Auswirkungen werden erst im Laufe der nächsten zwei Jahre sichtbar.



Stationen im Grüttpark

1. Abgestorbene Bäume Richtung Wasserwerk

Entlang der Straße Richtung Wasserwerk sind die Folgen der anhaltenden Trockenheit an vollständig vertrockneten Bäumen sichtbar. An diesen Beispielen wird erläutert, welche Baumarten besonders betroffen sind und wann abgestorbene Äste oder ganze Bäume die Verkehrssicherheit gefährden.

Ein weiterer Schwerpunkt sind notwendige Fällungen zum Schutz der Verkehrsteilnehmenden und das Vorgehen während der Vogelschutzzeit.





2. Gefährdete Bäume

Eine Buche beim landwirtschaftlichen Weg zeigt deutliche Anzeichen von Trockenstress. Ob sie den nächsten Sommer überstehen wird, ist ungewiss. An ihrem Zustand werden die Folgen des Wassermangels und mögliche Ursachen erläutert.

Die kiesige Bodenstruktur erschwert die Wasserversorgung der Bäume im Grüttpark. Das Beispiel unterstreicht, wie wichtig zukünftig eine standortgerechte Baumartenauswahl für die langfristige Entwicklung des Stadtgrüns ist.



3. Widerstandsfähige Bäume am See im Grütt

Entlang des Weges um den See im Grütt stehen Bäume, die bislang kaum sichtbare Beeinträchtigungen durch die Trockenheit zeigen. Sie bilden den Vergleich zu den abgestorbenen und gefährdeten Bäumen der vorherigen Stationen.

Im Mittelpunkt steht die standortgerechte Artenauswahl bei künftigen Pflanzungen. Baumart und Standort müssen zusammenpassen, damit sich Bäume auch unter veränderten Klimabedingungen langfristig entwickeln können.



Wissenswertes

Trockenstress zeigt sich zunächst an hängenden oder eingerollten Blättern. Bei anhaltender Trockenheit werfen Bäume ihre Blätter vorzeitig ab, um die Verdunstung zu reduzieren. Längerer Wassermangel kann zum Absterben von Ästen oder ganzen Bäumen führen. Hainbuche, Buche, Linde und Ahorn zeigen zunehmend Stressanzeichen.

Besonders belastet sind junge Bäume und Pflanzen an sonnenexponierten Standorten in der Innenstadt. Aufgeheizte Straßen und Gebäude geben ihre Wärme bis in die Nacht ab. Dadurch bleiben den Pflanzen kaum Erholungsphasen.

Die Bewässerung richtet sich nach Pflanzjahr, Entwicklungsstand und Standort. Eingesetzt werden unter anderem Fahrzeuge mit 6.000- und 5.000-Liter-Fässern, ein Reform Muli mit Gießlanze sowie kleinere Fahrzeuge mit 750 bis 2.000 Litern Fassungsvermögen. Das Gießwasser stammt aus Grund- und Oberflächenwasser sowie bei Bedarf aus dem Trinkwassernetz.

Langfristig setzt die Stadt Lörrach auf widerstandsfähige, standortgerechte Baumarten, verbesserte Baumscheiben und Bodenschutz. Bei neuen Anlagen können automatische Bewässerungssysteme berücksichtigt werden.

Nach dem Prinzip der Schwammstadt wird Regenwasser vor Ort zurückgehalten und zu den Bäumen geleitet. Speziell aufgebaute Baumgruben speichern Wasser und entlasten bei Starkregen die Kanalisation. Ein Beispiel ist die neu gestaltete Palmstraße.

Bürgerinnen und Bürger können insbesondere junge Straßenbäume durch zusätzliches Gießen unterstützen. Das Wasser sollte langsam in den Boden einsickern. Aufgrund der anhaltenden Hitze ermöglichte die Stadt erstmals die Entnahme von Wasser aus städtischen Brunnen zur Bewässerung des Stadtgrüns.