16.11.2021 11:05

Freude über Gütesiegel «Wein und Architektur»

(Merdingen) Was macht man mit einem Weingut, das landläufig ausgedrückt „etwas in die Jahre gekommen“ ist?

Als sie nach Antworten suchten, haben Sonja Mathis-Stich und ihr Sohn Severin vom Weingut Mathis in Merdingen kurz über einen Neubau auf der grünen Wiese nachgedacht. Doch am Ende hätte dieser Weg nicht ihrem Selbstverständnis entsprochen. Sie wollten das grossväterliche
Weingut mitten im Dorfkern von Merdingen am Fuße des Tunibergs auch aus Sentimentalität
erhalten. Gleichzeitig sollte das Anwesen unter dem Blickwinkel der Nachhaltigkeit neu
ausgerichtet, zukunftssicher gestaltet und zu einem attraktiven Werk- und Begegnungsort
gemacht werden. Soweit die Idee, die trotz einiger Hürden in die Praxis umgesetzt wurde und
nun mit dem Gütesiegel «Wein und Architektur» der TMBW belohnt wurde.
Ulrike Weiß von der Naturgarten Kaiserstuhl GmbH freute sich, die Auszeichnung überreichen zu
dürfen, die daraufhin abzielt, attraktive und originäre Bauwerke sichtbar und erlebbar zu
machen, die Architektur, Wein und Tourismus miteinander verbinden. Acht weitere Weingüter,
Vinotheken und Weinkeller, davon zwei in BADEN, also das Weingut Gebr. Mathis in Merdingen
und das Weingut Abril in Bischoffingen dürfen sich in Zukunft mit dem
2020 eingeführten Siegel »Wein und Architektur« schmücken, die nach dem Urteil einer Fachjury
aus Vertretern der TMBW und der Architektenkammer Baden-Württemberg eine Atmosphäre
schaffen, die edlen Tropfen eine besondere Geltung verleiht.
Im Weingut Gebrüder Mathis spielt sich kreativ am meisten in den Innenräumen ab. Sonja
Mathis-Stich spannte die Architekten Richard Stoll und Sebastian Stich ein, um dem
ursprünglichen Hauptgebäude einen modernen und funktionalen Partner zur Seite zu stellen.
Dabei bestimmt der Fluss des Weines mit der Gravitation, die Temperaturregulierungen und die
Abfolge der Arbeiten das Raumprogramm der Kelterhalle.
Neben der Funktionalität bahnte sich auch der kreative Geist eigene Wege. Der organische
Kalkputz nimmt Bezug auf das Terroir des Tunibergs. Das neu gestaltete Tor zur Kelterhalle eine
Erinnerung an achtlos abgestellte Rebpfähle. Der Innenraum und damit das gesamte ‚alte‘ Weingut wurde vollständig zum öffentlichen Besucherraum umgestaltet. Auffallend ist dabei vor allem die Vinothek im Stil eines Industrie-Lofts oder auch die historische Kelterhalle, in der die
Besucher den Manufaktur-Charakter am intensivsten erleben.
Mit dem Garten der angrenzenden Schneider-Villa konnte noch ein Außenbereich erschlossen
werden, der im Sommer als kleiner Park und in der kalten Jahreszeit als Standort für eine
Mongolenjurte genutzt wird. Der Neubau und die Umgestaltung eröffneten ganz neue
Nutzungsmöglichkeiten, von denen die bekannteste sicher die VollmondBAR ist.

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