17.11.2020 13:46

Nächste Planungsziele zum Ausbau der Rheintalstrecke sind abgesteckt

Im Rahmen einer virtuellen Konferenz hat der Projektförderkreis Rheintalbahn über die weiteren Planungsschritte informiert. Zwischen Offenburg und Basel sowie zwischen Karlsruhe und Rastatt Strecke viergleisig neu- und ausgebaut.


Die nächsten Planungsziele zum Ausbau der Rheintalstrecke sind abgesteckt. Der Projektförderkreis Rheintalbahn kam unter Leitung von Verkehrsminister Winfried Hermann und des Vorstands Infrastrukturplanung und -projekte der DB Netz AG, Jens Bergmann, zu seiner zweiten Sitzung zusammen. Angesichts der aktuellen Corona-Lage war die überwiegende Zahl der Teilnehmer per Videokonferenz zugeschaltet.

Vorbereitungen für den Raststätter Tunnel in der Weströhre

Die DB AG erläuterte in ihrem Bericht zum Projektstatus den Fortschritt in den unterschiedlichen Abschnitten des viergleisigen Neu- und Ausbaus der Rheintalbahn zwischen Offenburg und Basel sowie im Streckenabschnitt 1 zwischen Karlsruhe und Rastatt. In diesem Streckenabschnitt laufen aktuell die Vorbereitungen für den Vortrieb des Raststätter Tunnels in der Weströhre. Im Anschluss daran ist die Sanierung der Oströhre geplant.

Für den Streckenabschnitt 7, das heißt für den Bereich zwischen Appenweier und Kenzingen, werden derzeit die Vorplanungen und erste Planfeststellungsunterlagen erarbeitet. Hier hat sich die Bahn mit dem Tunnel Offenburg und der Frage einer Tieferlegung der neuen Eisenbahnstrecke entlang der Bundesautobahn A 5 auseinandergesetzt. Die Abwägung der verschiedenen Belange, wie Umweltauswirkungen, Hochwasserschutz, Sicherung gegen Auftrieb sowie auch der Mehrkosten habe gezeigt, so die Deutsche Bahn, dass die Normallage den geringsten Umwelteingriff aufweise und am wirtschaftlichsten sei. Im Streckenabschnitt 8, das heißt im Bereich der Güterzugumfahrung Freiburg von Kenzingen bis Müllheim, befinden sich seit Oktober 2020 alle fünf Planungsabschnitte im Planfeststellungsverfahren. Im Bereich Müllheim-Auggen, Streckenabschnitt 9, haben die Bauarbeiten bereits 2019 begonnen. Gute Fortschritte wurden hier auch bei der Erarbeitung des übergesetzlichen Lärmschutzes erzielt. So konnten die Bürger im Rahmen von Planungswerkstätten konkrete Ideen zur Gestaltung der Schallschutzwände in Auggen und Müllheim sowie zur Gestaltung des neuen Bahnhofs in Müllheim einbringen. Für den südlichsten Abschnitt auf Schweizer Gebiet liegt seit 4. November das Baurecht vor.
Wachsendes Güterverkehrsaufkommen in der Region

Verkehrsminister Winfried Hermann betonte, dass rasche Fortschritte bei Planung und Bau dringend geboten sind. „Die Klimakrise wartet nicht. Kohlenstoffdioxid-Reduktion im Güterverkehr erfordert eine leistungsfähige Schiene.“ Er wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die Verlagerung der Warentransporte von der Straße auf die Schiene und auf die Wasserwege für Baden-Württemberg von großer Bedeutung sei. „Denn gerade Baden-Württemberg, das in der Mitte Europas liegt, muss als wirtschaftsstarke Region ein sehr hohes und wachsendes Güterverkehrsaufkommen verkraften. Um beim Ausbau der Rheintalbahn zügig weiterzukommen, hat das Land sogar zugesagt, sich an den Kosten für übergesetzlichen Lärmschutz und für eine umweltfreundliche Trassenführung mit Mitteln von mehr als 400 Millionen Euro zu beteiligen, obwohl der Bau von Schienenwegen Bundesaufgabe ist, betonte der Minister.

Jens Bergmann, Vorstand Infrastrukturplanung und -projekte der DB Netz AG: „Als Herzstück des wichtigsten Güterverkehrskorridors zwischen Rotterdam und Genua trägt die Neu- und Ausbaustrecke Karlsruhe-Basel wesentlich dazu bei, mehr Verkehr von der Straße auf die Schiene zu verlagern“, so Jens Bergmann, Vorstand Infrastrukturplanung und -projekte der DB Netz AG. „Zentral für uns ist die Akzeptanz des Projekts in der Öffentlichkeit. Um sicherzustellen, dass sich Bürgerinnen und Bürger auch in Zeiten der Corona-Pandemie in die Planung einbringen können, haben wir umfangreiche digitale Formate entwickelt – vom digitalen Marktplatz bis zu virtuellen Sprechstunden. Mit großem Erfolg: Über 8.000 Bürger sind mit uns in den letzten Monaten in den Dialog getreten.“

Großprojekt Karlsruhe-Basel als Vorreiter-Projekt

Im Verlauf der Sitzung wurde deutlich, dass es beim Aus- und Neubau der Rheintalbahn noch offene Fragen gibt, etwa im Zusammenhang mit der Höhenlage der autobahnparallelen Güterzugtrasse, dem Nutzen von Synergien und Vorteilen, die sich in Bezug auf andere Verkehrsträger und -wege für die Region ergeben können, sowie dem Thema Behelfsbrücken und in einzelnen Abschnitten zum Lärmschutz. „Die Klärung dieser Fragen ist aus meiner Sicht wichtig“, erklärte Minister Hermann. „Nach der Diskussion hier im Gremium bin ich aber zuversichtlich, dass auch diese Themen in den regionalen Begleitgremien, in den in der heutigen Sitzung angebotenen Gesprächen oder im weiteren Verfahren einer Lösung zugeführt werden können.“

Abschließend informierte die Bahn über die neue Arbeitsmethodik „Building Information Modeling (BIM)“. Diese verknüpft die dreidimensionale Planung mit der Termin- und Kostenplanung. Dadurch können Termin- oder Kostenabweichungen frühzeitig erkannt und Lösungen entwickelt werden. Der Vorteil: Alle Projektbeteiligten arbeiten an einem Modell. Das verspricht mehr Transparenz und vereinfacht die Kooperation in allen Bereichen. Aus dem Modell lassen sich Visualisierungen für die Öffentlichkeit generieren. Das sorgt für bessere Transparenz und Verständlichkeit und erhöht die Akzeptanz der Projekte. Das Großprojekt Karlsruhe-Basel ist Vorreiter in der Umsetzung der BIM Methodik.

Der Projektbeirat Rheintalbahn hat Ende 2016 mit einem Konsensbeschluss zu den Kernforderungen zur Umplanung der Rheintalbahn seine Arbeit beendet. Der Projektförderkreis wurde mit gleicher Besetzung ins Leben gerufen, um den zügigen Projektfortschritt zu unterstützen und offene Fragen behandeln.