18.05.2022 10:36

Bunker wird abgebrochen

(Breisach) Das Regierungspräsidium Freiburg (RP) teilt mit, dass in der kommenden Woche im Rahmen der Bauarbeiten für den Hochwasserrückhalteraum Breisach/Burkheim ein ehemaliger Weltkriegsbunker im Rheinwald bei Breisach abgebrochen wird.

Damit die Geschichte nicht in Vergessenheit gerät, werden Teile des Bunkers erhalten und zusammen mit einer Informationstafel über den Westwall als Mahnmal an einem neuen Standort errichtet.



„Der Bunker steht genau im künftigen Einlaufgraben des Hochwasserrückhalteraums und würde dessen Wirkungsweise so stark beschränken, dass der Raum nicht so wie geplant nutzbar wäre. Daher muss der Bunker leider entfernt werden,“ erklärt Peter Gültner vom RP. Genau dort, wo jetzt der Bunker steht, werde nach Fertigstellung des Rückhalteraums das Rheinwasser über den Einlaufgraben in den Rückhalteraum fließen. Bliebe das Bauwerk stehen, würde dadurch ein Drittel des Querschnitts des Einlaufgraben fehlen, über den bei Hochwasser das Rheinwasser in den Rückhalteraum fließen soll.



Da der 250 Tonnen schwere Bunker unter Denkmalschutz steht, hat das RP zusammen mit dem Landesamt für Denkmalpflege (LAD) im Regierungspräsidium Stuttgart und der Stadt Breisach eine Lösung gefunden, um Fragmente des Bauwerks zu erhalten und an neuer Stelle greif- und erlebbar zu machen: Nach der Entfernung der massiven Deckenplatte werden mit einem Bagger Stücke aus den Wänden gebrochen und gesichert. Diese Teile werden zusammen mit einer Informationstafel über den Westwall nur knappe 800 Meter südlich des bisherigen Standorts ausgestellt.



Martin Hahn, Landeskonservator im LAD, und Patrice Wijnands, Ehrenamtlicher Experte des LAD, erklären gemeinsam: „Es war keine leichtfertig getroffene Entscheidung, das denkmalgeschützte Bunkerbauwerk aufgeben zu müssen. Mit dem jetzt gefundenen Kompromiss kann der Öffentlichkeit der Wert dieses schwierigen, aber wichtigen Kulturdenkmals dennoch vermittelt werden.“



Hintergrundinfo Westwall

Der Bunker ist Teil des ehemaligen Westwalls, welcher aus 22.000 Bunkern und Panzersperren zwischen Kleve (an der niederländischen Grenze) und Weil am Rhein bestand und sich über eine Länge von 630 Kilometer erstreckte. Ab 1936 noch als "Westbefestigungen" begonnen, befahl Hitler 1938 einen schnelleren und einfacheren Ausbau. So entstand eine befestigte Zone, die Ende 1938 "Westwall" genannt wurde. Die nationalsozialistische Propaganda stellte den Westwall als „Verteidigungslinie“ dar. Der wahre Zweck des Westwalls bestand jedoch darin, den Nationalsozialisten den Rücken für ihre Angriffskriege im Osten frei zu halten. Die Nationalsozialisten überhöhten durch ihre Propaganda den Westwall und stellten ihn als unbezwingbar dar. Die Geschichte widerlegte diesen Mythos.



Das Integrierte Rheinprogramm (IRP) ist ein Konzept des Landes Baden-Württemberg, das auf ehemaligen Überflutungsflächen zwischen Basel und Mannheim insgesamt 13 Hochwasserrückhalteräume umfasst. Mit dem Bau des Hochwasserrückhalteraumes Breisach/Burkheim können nach Fertigstellung bis zu 6,5 Millionen Kubikmeter Wasser zurückgehalten werden und so zum Hochwasserschutz für die Rheinunterlieger beitragen.

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