20.02.2020 15:38

Ärger bei Hemdglonkernacht und närrischer Überblick

(Konstanz/Radolfzell) Eine durchwachsene Bilanz zog der Leiter des Polizeireviers Radolfzell in seiner Eigenschaft als Polizeiführer nach dem ...

Eine durchwachsene Bilanz zog der Leiter des
Polizeireviers Radolfzell in seiner Eigenschaft als Polizeiführer nach dem
Auftakt der Radolfzeller Straßenfastnacht, die traditionell mit dem
Hemdglonkerumzug ihren Anfang nimmt. Der Hemdglonkerumzug zog etwa 5.000
Menschen als Teilnehmer oder Zuschauer in die Radolfzeller Altstadt.

Beim Umzug kam es zu keinen Vorfällen, die einen Einsatz der Polizei erfordert
hätten. Gleiches gilt für die dem Umzug folgende Veranstaltung auf dem
Marktplatz, die gegen 23.00 Uhr endete. Das närrische Treiben in den Gaststätten
und auf den Straßen dauerte bis zum Beginn der Sperrzeit um 02.00 Uhr.

Zur vorbeugenden Verhinderung von Straftaten und Ordnungsstörungen erfolgten
bereits im Vorfeld der Veranstaltung die Beauftragung von Sicherheitsdiensten
durch die Veranstalter und behördliche Auflagen durch die Stadtverwaltung.

Das Polizeirevier Radolfzell zeigte am Mittwochabend mit Unterstützung des
Polizeipräsidiums Einsatz im Stadtgebiet eine erhöhte polizeiliche Präsenz. Es
gelang, mehrere Auseinandersetzungen von Besuchern bereits frühzeitig zu
erkennen und zu beenden.

Gleichwohl wurde eine Vielzahl strafbarer Handlungen begangen. Eine
Polizeibeamtin erlitt durch einen Faustschlag eines Tatverdächtigen eine
Kopfverletzung. Eine Fortsetzung des Dienstes war der Beamtin nicht möglich.
Weitere Angriffe auf Polizeibeamte endeten ohne Verletzung eines eingesetzten
Beamten.

Im Vergleich zur friedlichen Hemdglonkernacht des letzten Jahres waren in diesem
Jahr mehrere Personen aufgrund ihrer Gewaltbereitschaft auffällig.

Gezählt wurden vier Fälle von Körperverletzung oder gefährlicher
Körperverletzung, zwei Fälle von Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte, ein
Fall von versuchter Gefangenenbefreiung, drei Verstöße gegen das
Betäubungsmittelgesetz, ein Verstoß gegen das Waffengesetz, ein Platzverweis und
vier Maßnahmen zum Jugendschutz.

Polizeibeamte des Polizeipräsidiums Einsatz
wurden im Rahmen ihres Einsatzes in der Radolfzeller Altstadt in der Nacht zum
heutigen Donnerstag gegen 00.30 Uhr auf einen 24-jährigen Tatverdächtigen
aufmerksam, der sich den dort eingesetzten Sicherheitskräften einer Gaststätte
widersetzte.

Vor Ort wurde ermittelt, dass der alkoholisierte 24-Jährige einem 57-jährigen
Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes der Gaststätte einen Faustschlag verabreicht
hatte, weil ihm der Zutritt in die Gaststätte verwehrt worden war.

Dem Tatverdächtigen wurde die Festnahme erklärt. Auf dem Weg zu einem
Streifenwagen versuchte der 24-Jährige zu flüchten. Als die eingesetzten
Polizeibeamten den Fluchtversucht unterbanden, versuchte ein 27-jähriger,
alkoholisierter Bekannter des Festgenommenen die Polizeibeamten aktiv an der
Durchsetzung ihrer Maßnahme zu hindern.

Gegen den 24-Jährigen wurde ein Ermittlungsverfahren wegen Körperverletzung,
gegen seinen 27-jährigen Bekannten wurde ein Ermittlungsverfahren wegen
versuchter Gefangenenbefreiung eingeleitet.

Mit dem 24-jährigen Tatverdächtigen hatten die in Radolfzell eingesetzten
Polizeibeamten noch bis gegen 04.00 Uhr zu tun. Der 24-Jährige, der sich bei
seinem Angriff gegen das Sicherheitspersonal der Gaststätte diverse Verletzungen
eingefangen hatte, stand unter dem Einfluss von Alkohol und Drogen und
verweigerte, sich durch den Rettungsdienst zur Behandlung in ein Krankenhaus
bringen zu lassen.

Zuletzt bescheinigte der zum Polizeirevier Radolfzell hinzugezogene
Bereitschaftsarzt die Gewahrsamsfähigkeit des 24-Jährigen, weshalb er
anschließend bis zu seiner Ausnüchterung zum eigenen Schutz und zum Schutz
Unbeteiligter in der Gewahrsamseinrichtung des Polizeireviers untergebracht
werden konnte.

Erheblich alkoholisiert war ein 23-jähriger
Tatverdächtiger, der in der Nacht zum heutigen Donnerstag gegen 00.45 Uhr vor
dem Zugang zu einer Gaststätte in der Höllturmpassage einen 21 Jahre alten Mann
anrempelte, mit diesem in Streit geriet und dem Kontrahenten einen Faustschlag
an den Kopf verabreichte.

Mehrere in der Radolfzeller Altstadt eingesetzte Polizeibeamte des
Polizeipräsidiums Einsatz wurden auf den Vorfall aufmerksam, schritten ein und
beendeten die Auseinandersetzung. Weiteren Maßnahmen versuchte sich der
23-Jährige durch eine Flucht zu entziehen, was mit Hilfe eines Mitarbeiters
eines Sicherheitsdienstes unterbunden wurde.

Der Tatverdächtige nahm sich anschließend heraus, den Mitarbeiter des
Sicherheitsdienstes zu schlagen und die Polizeibeamten übel zu beleidigen. Da er
seine Aggressivität nicht unter Kontrolle brachte, wurde er in Gewahrsam
genommen.

Gegen seine Gewahrsamsnahme leistete er vor Ort und auch später auf der
Dienststelle des Polizeireviers Radolfzell aktiven Widerstand. Einem
Polizeibeamten verabreichte er einen Kopfstoß. Gegen den 23-Jährige wurde ein
Ermittlungsverfahren wegen Körperverletzung, Beleidigung und Widerstand gegen
Vollstreckungsbeamte eingeleitet. Er blieb bis zu seiner Ausnüchterung in der
Gewahrsamseinrichtung des Polizeireviers.

Erheblich alkoholisiert war ein 19-jähriger
Tatverdächtiger, der in der Nacht zum heutigen Donnerstag gegen 00.15 Uhr nach
bisherigen Erkenntnissen seinen Aggressionsstau loswerden wollte und sich als
Opfer am Zentralen Omnibusbahnhof eine unbeteiligte Gruppe von wartenden
Besuchern der Hemdglonkernacht aussuchte.

Als ein 24-Jähriger aus der Gruppe den 19-Jährigen bat, sie in Ruhe zu lassen,
ging der Tatverdächtige unvermittelt auf diesen Geschädigten los und es kam zu
einer Rangelei. Die Rangelei wurde eine sich in der Nähe befindliche
Zivilstreife der Polizei beobachtet. Die beiden Polizeibeamten schritten ein, um
die Auseinandersetzung zu beenden.

Der Tatverdächtige versuchte sein Heil in der Flucht. Als er durch die
Polizeibeamten ergriffen wurde, verabreichte er einer Polizeibeamtin einen
Fausthieb ins Gesicht, wodurch die Beamtin verletzt wurde. Sie musste sich nach
der Übernahme der Maßnahmen durch andere Polizeibeamte in ärztliche Behandlung
begeben. Eine Fortsetzung des Dienstes war wegen der erlittenen Verletzungen
nicht möglich.

Gegen den 19-Jährigen wurde ein Ermittlungsverfahren wegen Widerstands gegen
Vollstreckungsbeamte und Körperverletzung eingeleitet.

Hinsichtlich der Alkoholisierung ist bei dem Tatverdächtigen nach den Werten
eines Atemalkoholtestes von einem Blutalkoholwert von etwa 1,6 Promille
auszugehen. Da bei dem Tatverdächtigen Betäubungsmittel aufgefunden wurden, ist
eine zusätzliche Beeinflussung durch einen Drogenkonsum nicht ausgeschlossen.

Blick nach Konstanz
Nicht nur aus der Tradition heraus,
sondern auch wegen des sehr guten und sonnigen Wetters sind die im Bereich des
Polizeipräsidiums Konstanz liegenden drei Narrenhochburgen Konstanz, Villingen
und Rottweil am heutigen "Schmotzigen Dunschtig" sehr gut besucht. Unter den
Narrenrufen "Ho Narro", "Narri Narro" oder auch "Hu Hu Hu" sammelten sich in den
drei Hochburgen jeweils mehrere tausend Zuschauer unter teils strahlend blauem
Himmel, um dem närrischen Treiben und den Umzügen am heutigen "Schmotzigen"
zuzusehen, aber auch, um sich selbst in Verkleidung und Kostümen daran zu
beteiligen.

Nach einem ersten polizeilichen Resümee sind die noch laufenden Veranstaltungen
und Umzüge sowie das närrische Treiben in Konstanz Villingen und Rottweil bis
auf wenige Ausnahmen zwar ausgelassen, jedoch friedlich und ohne größere
Störungen.

Dennoch mussten die eingesetzten Beamten bereits in Konstanz und Rottweil
mehrfach wegen Ordnungsstörungen und gegenseitigen Körperverletzungen
einschreiten, vorwiegend begangen von alkoholisierten Personen. So kam es in
Konstanz nach vorangegangenen Widerstandshandlungen gegen eingesetzte Beamte
auch zu drei Gewahrsamnahmen der beteiligten Personen. In Rottweil verzeichneten
die Ordnungskräfte rund 60 alkoholbedingte Ordnungsstörungen. In Villingen
dagegen waren am heutigen "Schmotzigen" bis dato nur wenige Störungen zu
verzeichnen.

Mit dem Apell - gerne närrisch, aber auch mit gegenseitiger Rücksicht, friedlich
und einem nicht zu übermäßigem Alkoholkonsum wünscht das Polizeipräsidium
Konstanz allen Närrinnen und Narren eine "glückseelige Fasnet", "Ho Narro" nach
Konstanz, "Narri Narro" nach Villingen und Tuttlingen sowie Hu Hu Hu nach
Rottweil.