21.10.2019 12:33

Standortstrategie Medizin Campus Bodensee 2025 steht

(Friedrichshafen) Der Klinikverbund Medizin Campus Bodensee (MCB) wird sich wandeln – das war bereits im Sommer 2019 klar. Jetzt ist die Planungs- und Abstimmungsphase abgeschlossen, die Umsetzung der ersten Maßnahmen soll ab Januar 2020 beginnen.

Die Standortstrategie sieht ab Januar 2020 eine Stärkung des Standorts Friedrichshafen mit Investitionen in eine bessere Patientenversorgung vor. Am Standort Tettnang wird die bereits begonnene Spezialisierung weiter vorangetrieben, der Standort Weingarten soll von der akutstationären in Richtung ambulanter Versorgung entwickelt werden.

Der Aufsichtsrat der Klinikum Friedrichshafen GmbH hat die Geschäftsführung beauftragt, alle erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen, diese Strategie in mehreren Schritten umzusetzen. Am Montag, 21. Oktober, berät der Gemeinderat Friedrichshafen in öffentlicher Sitzung und in seiner Funktion als Gesellschafter über die vom Aufsichtsrat beschlossenen Maßnahmen.

Investitionen in Friedrichshafen und Tettnang

Dem Klinikum Friedrichshafen als Zentralversorger kommt in den Planungen eine besondere Rolle als Schwerpunktversorger zu, weshalb es auch mit weiteren Investitionen und Maßnahmen gestärkt werden soll: Der Aufsichtsrat gab in seiner jüngsten Sitzung grünes Licht für den Bau der neuen Zentralen Notaufnahme, die bis Mai 2021 fertiggestellt sein soll. „Das ist ein sehr ambitionierter Zeitplan, aber machbar“, zitiert Andreas Brand, Aufsichtsratsvorsitzender des Klinikums und Oberbürgermeister der Stadt Friedrichshafen, die Planer. „Sie haben eine tragfähige, zeitgemäße und gute Lösung für die kommenden Jahre und vor allem für die gute medizinische Versorgung der Bevölkerung entwickelt.“ Das Klinikum Friedrichshafen sehe sich in der Pflicht, dauerhaft eine verlässliche Notfallmedizin für Stadt und Region anzubieten und dazu gehörten auch entsprechend moderne und modernisierte Räume. Auf rund 1400 Quadratmetern werden ab 2021 im Erdgeschoss des Klinikums alle Notfälle behandelt. Die Budgets für diese Investition wurden vom Aufsichtsrat bereits freigegeben.

Auch der Standort Tettnang wird bei der Neuausrichtung der Medizinstrategie berücksichtigt: Dort wird mit dem bereits laufenden Neu- und Umbau der Operationssäle die weitere Spezialisierung vorangetrieben, darüber hinaus die bauliche Infrastruktur modernisiert. „Die Klinik Tettnang wird als Grund- und Regelversorger gestärkt und kann sich medizinisch auf Unfallchirurgie, Endoprothetik und Orthopädie spezialisieren“, betont MCB-Geschäftsführer Jochen Wolf.

Im Zuge der strategischen Neuausrichtung wird kurzfristig über das auf dem MCB-Gelände in Friedrichshafen beabsichtigte Zentrale Versorgungszentrum (ZVZ) entscheiden. Auch hier muss neu geplant werden. Nicht nur in diesem Zusammenhang senden Geschäftsführung und Aufsichtsrat ein klares Signal zur regionalen Zusammenarbeit und Kooperation in Bodensee-Oberschwaben aus.

Von der stationären zur ambulanten Versorgung

Der Aufsichtsrat hat zudem beschlossen, dass in Weingarten ab Januar 2020 die Entwicklung hin zur ambulanten Versorgung begonnen werden soll: Zu diesem Zeitpunkt sollen die Bereiche Thoraxchirurgie, Pneumologie und Kardiologie vom Krankenhaus 14 Nothelfer in die anderen beiden MCB-Häuser in Friedrichshafen und Tettnang verlagert werden. Die Gynäkologie und Geburtshilfe wird in Weingarten nicht mehr fortgeführt. Weiterhin wird es am Krankenhaus 14 Nothelfer ab diesem Zeitpunkt eine stationäre Versorgung für elektive (geplante) Patienten der Allgemeinchirurgie, Handchirurgie sowie die chirurgischen Angebote interner und externer Operateure, wie zum Beispiel im Endoprothetikzentrum der Maximalversorgung (EPZ max), und ambulante Operationen geben.

„Diese Weichenstellungen tun nicht nur uns weh. Aber ein ‚weiter so‘ ist undenkbar“, sagt Wolf. Von Anfang an habe der MCB versucht, ein leistungsfähiges stationäres Versorgungskonzept für die Bevölkerung in der Welfenstadt sicherzustellen und die drei MCB-Standorte Friedrichshafen, Weingarten und Tettnang im Verbund in die Zukunft zu führen. Aber die Bemühung, dies am MCB-Standort Weingarten dauerhaft umzusetzen, schlug aus wirtschaftlicher Perspektive fehl. „Wir können den wirtschaftlichen Druck in Weingarten nicht mehr kompensieren“, unterstreicht Wolf. Die negative Entwicklung der vergangenen Jahre sei auf mehrere Ursachen zurückzuführen: „Akuter Fachkräftemangel, wirtschaftliche Stagnation, die Anforderungen an die Notfallversorgung und die gesetzlichen Vorgaben lassen uns keine andere Wahl.“ Der Druck, kleine Krankenhäuser zu schließen, nehme zu, insbesondere durch die gesundheitspolitischen Vorgaben und mehrfachen Gesetzesänderungen aus Berlin.

Arbeitsplatzgarantie für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hat das MCB eine Arbeitsplatzgarantie ausgesprochen: „Wir benötigen weiterhin und dauerhaft unsere qualifizierten und engagierten Mitarbeiterinnen in Weingarten, aber auch in Friedrichshafen und Tettnang“, betont Wolf. Über die anstehenden Veränderungen werden die Mitarbeiter an den MCB-Standorten seit Freitagvormittag informiert.

Gesundheitszentrum, Pflege und Betreuung als neue Schwerpunkte

Für Weingarten bedeutet die nun anstehende Weichenstellung einen Wandel – weg vom stationären Krankenhaus hin zur ambulanten Versorgung. Denkbar sind in der Zukunft Schwerpunkte im Bereich Gesundheitszentrum, Pflege und Betreuung: Das Projekt Regionales Geriatrisches Notfallversorgungszentrum (GERINOVE) am Krankenhaus 14 Nothelfer, das gefördert vom Innovationsfond der Bundesregierung bis Herbst 2021 läuft, bleibt von der geplanten Umstrukturierung unberührt. Außerdem wird der MCB gemeinsam mit anderen Anbietern von Gesundheits- und Pflegeleistungen sowie der Stadt Weingarten über eine sinnvolle und zukunftsweisende Nachnutzung beraten. „Wir wollen gemeinsam eine gute Lösung für den Standort Weingarten finden“, betont Brand. „Und wir wollen eine gute Lösung für die Region finden, das geht nur mit tragfähigen Häusern und in Zusammenarbeit und Abstimmung mit den anderen Versorgern.“

Die Pläne für die Umstrukturierung wurden inzwischen abgestimmt mit dem Sozialministerium Baden-Württemberg sowie dem Regierungspräsidium Tübingen, aber auch mit den Mitgesellschaftern Bodenseekreis, Stadt Weingarten und den Waldburg-Zeil Kliniken. Partner und Krankenkassen wurden informiert, eingebunden und unterstützen die geplanten Veränderungen.

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