21.10.2026 20:01

Konjunktur wenig dynamisch

(Konstanz) Geopolitische Krisen, hoher Kostendruck und eine verhaltene Verbraucherstimmung prägen den Alltag der Unternehmen in den ...

Geopolitische Krisen, hoher Kostendruck und eine verhaltene Verbraucherstimmung prägen den Alltag der Unternehmen in den Landkreisen Konstanz, Lörrach und Waldshut. Seit dem Frühjahr entwickelten sich die Geschäftslage und die Geschäftserwartungen nur verhalten positiv. So ist der Index für das Konjunkturklima von 95 Punkten auf knapp 100 Punkte angestiegen und liegt damit knapp unter dem Landesniveau von 106 Punkten. Die Industrie- und Handelskammer Hochrhein-Bodensee berechnet den Index für die Region aus einem Lage- und einem Erwartungsindikator auf Grundlage einer Konjunkturumfrage.



„Aktuell fehlt das Vertrauen in eine nachhaltig positive Entwicklung der Absatzmärkte“, sagt Alexander Graf, der als Geschäftsführer Standortentwicklung bei der IHK Hochrhein-Bodensee die Konjunkturumfrage auswertet. „Die Hoffnung der Industrie für die kommenden Monate ruht auf besseren Entwicklungen der Auslandsmärkte; Handel und Dienstleistungsbetriebe bleiben dagegen skeptisch, insbesondere mit Blick auf das Inland.“



Industrie: Druck bleibt, aber positive Signale bei Auftragserwartung

Die Industrie in der Region Hochrhein-Bodensee schätzt ihre Geschäftslage ähnlich wie im Vorjahr ein. Rund ein Viertel der Unternehmen im produzierenden Gewerbe, die sich an der Konjunkturumfrage beteiligten, bezeichnet die Geschäftslage als gut; etwas mehr als die Hälfte spricht von einer befriedigenden Lage. Der Auslastungsgrad liegt mit 81 Prozent weiter deutlich unter dem langjährigen Mittel von 85 Prozent.

„Ein positives Signal in der Industrie sind die Auftragseingänge“, so Alexander Graf. Denn 26 Prozent der befragten Produktionsbetriebe verzeichnen eine Steigerung, während nur noch 17 Prozent (Vorjahr: 39 Prozent) von Rückgängen berichten. Auch die Prognosen hellen sich auf: 26 Prozent gehen von besseren Geschäften in den nächsten Monaten aus, während nur noch zehn statt 23 Prozent mit einer Verschlechterung rechnen. Das hängt insbesondere mit den Exporterwartungen zusammen: Rechnete im Frühjahr noch ein Viertel der befragten Produktionsbetriebe mit fallenden Exporten, so hat sich diese Zahl im Herbst halbiert. Aktuell geht ein Drittel der befragten Produktionsunternehmen von steigenden Exportzahlen aus.



Handel: Kein Aufschwung im Konsum

Der regionale Handel bewertet seine Geschäftslage etwas besser als im Frühjahr, wobei weiter deutlich mehr Händler von schlechten als von guten Geschäften sprechen. So beurteilen nur knapp zehn Prozent der Befragten ihre Lage aktuell als gut, der überwiegende Teil – 71 Prozent – berichtet von einer befriedigenden Lage. Wenig optimistisch zeigen sich die Händler in der Region Hochrhein-Bodensee beim Konsumverhalten. Knapp 80 Prozent sehen aktuell Zurückhaltung statt einem saisonüblichen Verhalten.



Dienstleistungen: Stabiler Sektor

Die Lage der Unternehmen im Dienstleistungsbereich zeigt sich seit dem Frühjahr stabil und im Vergleich zu Handel und Industrie weitaus positiver. Von einer guten Lage berichten in der aktuellen Umfrage 38 Prozent, von einer schlechten Lage 14 Prozent. Damit beurteilt knapp die Hälfte der Dienstleister in der Region Hochrhein-Bodensee die aktuellen Geschäftstätigkeiten als befriedigend. Allerdings ist der Anteil der Unternehmen in der Dienstleistungsbranche, die von guten Erträgen sprechen, von 37 Prozent im Frühjahr auf derzeit 32 Prozent zurückgegangen. „Erfreulicher ist die Tendenz bei den Aufträgen“, sagt Alexander Graf. Mehr als ein Viertel der befragten Dienstleister verzeichnet ein höheres Auftragsvolumen, während nur 13 Prozent von einem Auftragsrückgang berichten – im Frühjahr waren es noch rund ein Drittel.



Risiken: Energiepreise, geopolitische Spannungen und Arbeitskosten

Als Risiken für die wirtschaftliche Entwicklung sehen die Unternehmen in der Region Hochrhein-Bodensee aktuell am häufigsten Energiepreise (61 Prozent der Befragten), geopolitische Spannungen (56 Prozent) sowie Arbeitskosten (55 Prozent). Auch wenn das Thema Finanzierung weiterhin seltener angegeben wird, wurde es im Vergleich zum Frühjahr deutlich häufiger genannt: Von sechs auf 16 Prozent hat sich dieser Wert binnen Monaten fast verdreifacht. Im industriellen Bereich bleiben die Sorgen um die Rohstoffpreise weiter hoch (65 Prozent), im Handel sehen deutlich mehr Betriebe sorgenvoll auf die Inlandsnachfrage (63 Prozent) als noch im Frühjahr (50 Prozent).



Ausblick: Erwartungen am positivsten in der Industrie

Insgesamt bleibt ein Viertel aller befragten Unternehmen in der Region Hochrhein-Bodensee für die nahe Zukunft pessimistisch. Mit knapp 60 Prozent erwartet die Mehrheit der Unternehmen, die an der aktuellen Konjunkturumfrage teilnahmen, keine nennenswerten Impulse. Am positivsten entwickelten sich die Erwartungen seit dem Frühjahr im produzierenden Gewerbe im Zusammenhang der Exportaussichten.



„Das Umfeld für die weitere konjunkturelle Entwicklung der Unternehmen bleibt weiter durch zahlreiche weltweite Krisen belastet“, fasst Alexander Graf die aktuellen Ergebnisse der Konjunkturumfrage zusammen. „Der von der Regierung geplante Impuls durch die expansiven finanzpolitischen Maßnahmen kommt bei den Unternehmen in der Region aktuell noch nicht an. Die Stärkung ihrer Wettbewerbsfähigkeit am Standort muss deshalb klarer Fokus der Politik bleiben.“