Schluten im Hochwasserrückhalteraum erstmals durchströmt
(Breisach/Vogtsburg) Wie das Regierungspräsidium Freiburg (RP) mitteilt, konnten in den vergangenen Tagen im Hochwasserrückhalteraum ...
Wie das Regierungspräsidium Freiburg (RP) mitteilt, konnten in den vergangenen Tagen im Hochwasserrückhalteraum Breisach/Burkheim im Rahmen des sogenannten Schlutentests die Gewässer und Schluten erstmals erfolgreich durchströmt werden. Da am Dienstag der Rheinabfluss am Pegel Breisach die Marke von 1550 Kubikmeter pro Sekunde überschritten hatte, konnte Wasser aus dem Rhein für den Schlutentest entnommen und über ein Entnahmebauwerk auf Höhe der Kläranlage Breisach in den Durchgehenden Altrheinzug und die Schluten im Rückhalteraum geleitet werden. Im Laufe des Mittwochs war dieses kleine Flutungsereignis vorbei und der Rheinpegel fiel wieder, so dass die Durchströmung zum Mittag beendet wurde.
Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des RP waren vor Ort und haben die erste Durchströmung überwacht. Mit der Einleitung erfasst das RP auch eine Reihe hydrologischer Daten. Dazu gehören Pegelstände an verschiedenen Gewässern und Schluten sowie Grundwassermessungen im und außerhalb des Rückhalteraums. Damit wird sichergestellt, dass der Wasseranstieg innerhalb der Gewässer und Schluten bleibt und es außerhalb des Rückhalteraumes zu keinen zusätzlichen, schadbringenden Grundwasseranstiegen kommt.
„Wir sind zufrieden mit diesem ersten Verlauf des Schlutentests, auch wenn aufgrund der Kürze des Ereignisses nur wenige Schluten durchströmt werden konnten“, so Harald Klumpp, Leiter des Referats für das Integrierte Rheinprogramm im RP. Die Steuerung der Bauwerke und die Durchströmung der Gewässer und Schluten haben wie erwartet funktioniert. So gab es beispielsweise keine Engstellen, die sich mit Totholz zusetzten und den Durchfluss behinderten. Auch die erforderliche Dokumentation wesentlicher Daten konnte gewährleistet werden. „Insgesamt haben wir wichtige Erfahrungen gesammelt, die auch für den späteren Betrieb des Rückhalteraums relevant sein werden“, erläutert Klumpp.
Die Einleitung von Rheinwasser in den Rückhalteraum erfolgt grundsätzlich entsprechend dem Abfluss des Rheins. Da aber die französischen Rheinkraftwerke bis zu vertraglich bestimmten Abflüssen das Wasser aus dem Rhein zur Energiegewinnung nutzen dürfen, kann entlang der staugeregelten Rheinstrecke zwischen Weil und Iffezheim erst bei höheren Abflüssen Wasser für den Schlutentest aus dem Rhein in den Durchgehenden Altrheinzug ausgeleitet werden. Eine erhöhte Durchströmung der Gewässer und in der Folge ein Anspringen der Schluten im Rückhalteraum Breisach/Burkheim ist erst ab einem Rheinabfluss von 1550 Kubikmeter pro Sekunde möglich.
Die Schluten im Rückhalteraum Breisach/Burkheim sind ehemalige Seitenarme des Rheins, die vom Überflutungsgeschehen abgeschnitten wurden und heute nahezu ganzjährig trocken liegen. Nur bei Hochwasser kommt es durch den ansteigenden Grundwassersstand zum Austritt von Grundwasser in diesen Schluten. Nach Fertigstellung des Rückhalteraums springen die Schluten in der Regel an, bevor das Gelände durch die geplanten ökologischen Flutungen flächig überströmt wird.
Hintergrundinformation: Das Integrierte Rheinprogramm (IRP) ist ein Vorhaben des Landes Baden-Württemberg, das auf ehemaligen Überflutungsflächen zwischen Basel und Mannheim insgesamt 13 Hochwasserrückhalteräume umfasst. Mit dem Bau des Hochwasserrückhalteraumes Breisach/Burkheim können nach Fertigstellung bis zu 6,5 Millionen Kubikmeter Wasser zurückgehalten werden und so zum Hochwasserschutz für die Rheinunterlieger beitragen.
Für den Rückhalteraum wurden ökologische Flutungen vom Land beantragt und vom Landratsamt Breisgau-Hochschwarzwald genehmigt. Diese regelmäßigen Flutungen dienen dazu, die Natur an das Wasser anzupassen und damit Schäden an Tieren und Pflanzen im Hochwasserfall langfristig zu vermeiden. Der so genannte Schlutentest ist Bestandteil einer Kooperationsvereinbarung mit den Gemeinden. Er läuft während der verbleibenden Bauzeit des Rückhalteraums in den kommenden fünf Jahren. Ziel ist es herauszufinden, ob die alleinige Durchströmung von Schluten entgegen den Erfahrungen des Landes die gleiche Wirkung auf den Naturraum wie ökologische Flutungen entfalten kann. Der Test wird durch ein ökologisches Monitoring begleitet.
Das RP misst auf dem Bild im Rahmen des Schlutentests die Pegelstände während der Durchströmung der Gewässer im Hochwasserrückhalteraum.
Foto: Regierungspräsidium Freiburg