26.05.2026 11:01

Konsumfreudigkeit wird vermisst

(Konstanz/Schopfheim) Unternehmen in der Region Hochrhein-Bodensee spüren die Auswirkungen des Nahost-Konflikts, wie der aktuelle IHK-Konjunkturbericht zeigt.

Im Vergleich zum Jahreswechsel ist der Index für das Konjunkturklima von 108 Punkten auf 95 Punkte gefallen. Die befragten Unternehmen aus Dienstleistung, Handel und Industrie bewerten insgesamt ihre Geschäftslage deutlich negativer und haben verhaltene Erwartungen für die kommenden Monate. So beurteilt nur circa ein Viertel die momentane Geschäftslage als gut, dagegen 54 Prozent als befriedigend und 20 Prozent als schlecht.

„Die Folgen des Nahost-Konflikts für die weltweite Ölversorgung und auf die Lieferketten versetzen der Hoffnung der Betriebe unserer Region einen Rückschlag, dass sich die schwächelnde Konjunktur erholt“, sagt Alexander Graf, Geschäftsführer Standortpolitik bei der IHK Hochrhein-Bodensee. Auch die Ertragslage verschlechtert sich: 22 Prozent der Unternehmen, die sich an der aktuellen IHK-Konjunkturumfrage beteiligten, schätzt die Ertragslage positiv ein – zum Jahreswechsel waren es 35 Prozent. Von befriedigenden Erträgen berichten aktuell 55 Prozent der Unternehmen, 26 Prozent von schlechten Erträgen. Während der regionale Handel weiterhin Konsumfreudigkeit vermisst und sich der Dienstleistungssektor im Vergleich zum Jahreswechsel gebremst zeigt, bleibt die Industrie weitgehend stabil. Hier erwartet ungefähr ein Drittel der befragten Unternehmen einen positiveren Geschäftsverlauf in den kommenden Monaten.

Zurückhaltung bei Investitionen
Insbesondere der Dienstleistungsbereich in der Region Hochrhein-Bodensee fährt Investitionen zurück. Fast die Hälfte der befragten Dienstleister geht aktuell davon aus, in den kommenden 12 Monaten im Inland wenig oder gar nicht zu investieren. Dies ist ein deutlich höherer Anteil als zu Jahresbeginn (30 Prozent). Die Dienstleister folgen damit zeitversetzt den bereits reduzierten Investitionsbudgets von Produktion und Handel. Sehr zurückhaltend planen die befragten Unternehmen insgesamt auch beim Aufbau von Personal.

Geopolitische Spannungen als Risiko
In der Bewertung der Risiken für die wirtschaftliche Entwicklung nennen Betriebe in der Region Hochrhein-Bodensee aktuell am häufigsten die geopolitischen Spannungen. Zwei Drittel der befragten Unternehmen gaben dieses Risiko an. Die Energiepreise (60 Prozent) und die Arbeitskosten (58 Prozent) erhalten in der Risikobewertung ebenfalls mehr Gewicht. Im Produktionsbereich hat zudem die Sorge um steigende Rohstoffpreise zugenommen. Diese Sorge äußern in der aktuellen Umfrage 69 Prozent der Produktionsbetriebe gegenüber 37 Prozent zu Jahresbeginn. Deutlich zurückgegangen ist dagegen die Bewertung des Fachkräftemangels als Risiko. Nur noch 31 Prozent aller teilnehmenden Betriebe sehen ihn als hemmenden Faktor für den Geschäftsverlauf.

„Obwohl aktuell die Sorgen um den weiteren Verlauf des Nahost-Konflikts dominieren, dürfen die Bestrebungen nicht aus dem Blick geraten, die strukturellen Defizite des Wirtschaftsstandorts Deutschland zu beheben“, betont Katrin Klodt-Bußmann, Hauptgeschäftsführerin der IHK Hochrhein-Bodensee, als Fazit der aktuellen IHK-Konjunkturumfrage. „Das für Sommer angekündigte Reformpaket kann ein Anfang werden, sofern die für Unternehmen so wichtigen Themen Bürokratieabbau, Steuern und Lohnnebenkosten auch tatsächlich nachhaltig positiv angegangen werden.“