29.11.2018 06:54

Lebensqualität und Zufriedenheit der Familien in der Stadt weiterhin hoch

(Basel) Im Frühjahr 2017 wurden in Basel-Stadt im Auftrag des Regierungsrates 1'665 Familien zu ihrem Befinden und ihren Bedürfnissen befragt. Die Resultate zeigen, dass die grosse Mehrheit der Familien gerne im Kanton Basel-Stadt lebt und auch nicht wegziehen möchte.

Die Lebensqualität wird als hoch eingestuft und die familienpolitischen Anstrengungen der Regierung werden geschätzt und wahrgenommen. Verbesserungen werden bei finanziellen Unterstützungen, dem Verkehr, der Sicherheit, beim Wohnungsangebot und der familienergänzenden Betreuung gewünscht.

Die befragten Familien antworteten 2017 in vielen Belangen sehr ähnlich wie schon 2013 und 2009. Grosse Unterschiede bei den Einschätzungen ergeben sich auch 2017 primär aufgrund der unterschiedlichen familiären Lage. So hängt das familiäre Wohlbefinden häufig direkt mit dem verfügbaren Haushaltseinkommen zusammen, welches wiederum vom Bildungsstand und der Herkunft beeinflusst wird. Und erneut wird klar, wie schwierig sich die Situation alleinerziehender Eltern im Vergleich zu Paarhaushalten mit Kindern präsentiert.

Die Zufriedenheit mit Wohnung, Wohnumfeld und Quartier ist höher als in den Jahren 2009 und 2013. Auch steht den Familien durchschnittlich mehr Wohnraum zur Verfügung. 90% der Familien sind mit dem Zuhause, 87% mit dem Wohnumfeld zufrieden. 94% der Familien fühlen sich in ihrem Wohnquartier wohl. Dort verbringen sie überwiegend auch ihre Freizeit mit den Kindern, am häufigsten auf Spielplätzen und in Parks. Selbst umzugswillige Familien wollen weiterhin im Kanton wohnhaft bleiben und zwar mehr als in der Vergangenheit. Der nach wie vor meistgenannte Grund für einen Umzug ist eine zu kleine Wohnung. Grosser, preisgünstiger Wohnraum steht denn auch erneut auf der Wunschliste vieler Familien ganz oben.

"Preisgünstiger Wohnraum ist ein grosses Thema, das viele Menschen in unserem Kanton beschäftigt. Neben der Umsetzung der Wohnschutzinitiative haben wir die einmalige Gelegenheit, auf unseren wenigen Quadratkilometern grosse Areale zu Wohn- und Arbeitsquartieren zu transformieren. Neue Wohnungen werden den Druck auf die Mieten ebenfalls senken", sagt Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann und bekräftig damit die Anstrengungen der Regierung, preisgünstigen Wohnraum durch eine Ausweitung des Angebots weiterhin zu ermöglichen.

Rund 50% der Familien leben an einer Strasse mit Tempo 30. Trotzdem stellt der Verkehr für viele Familien eine Einschränkung dar. Einerseits ist er mit 55% der Nennungen nach wie vor das prominenteste Argument, weshalb Vorschulkinder unter 6 Jahren Spielmöglichkeiten im nahen Wohnumfeld nicht uneingeschränkt nutzen können. Andererseits schneiden sowohl die Verkehrssituation für Kinder, als auch die Verkehrsbelastung insgesamt mit je 40% negativer Voten bei den Fragen zur Zufriedenheit im Quartier eher schlecht ab.

Die urbane Kleinräumigkeit ermöglicht jeweils mehr als 80% der Familien, zentrale Angebote wie ÖV-Haltestellen, Spielplätze, Einkaufsmöglichkeiten, Grünflächen oder eine Apotheke in weniger als 10 Minuten zu Fuss zu erreichen. Entsprechend hoch fällt hier auch die Zufriedenheit aus. Die gute ÖV-Infrastruktur begünstigt auch dessen Nutzung: Nur knapp 7% der Familien besitzen kein ÖV-Abonnement. Familien mit Abos verfügen häufig über mehrere Abonnemente. Am häufigsten ist das Halbtaxabonnement, oft in Kombination mit weiteren Abos, gefolgt vom U-Abo und der Juniorkarte. Im Vergleich zu 2013 ist der Anteil Familien, die ein Car-Sharing-Angebot nutzen, von 11,9% auf 19,8% gestiegen. Der Anteil autoloser Familienhaushalte ist nur minim angestiegen und beträgt 29,1%. Velos sind nach wie vor weit verbreitet: 27% der Familien haben ausschliesslich Fahrräder im Haushalt und weniger als 5% der Familien haben gar kein Velo. 75% der Mütter und 60% der Väter haben ihren Hauptarbeitsplatz im Kanton Basel-Stadt, weitere 18% bzw. 26% in den umliegenden Kantonen der Nordwestschweiz oder im grenznahen Ausland. Dementsprechend liegen die Arbeitswege bei zwei Dritteln unter 20, bei einem Drittel sogar unter 10 Minuten. Diese werden mehrheitlich aus eigener Kraft oder mit dem ÖV absolviert.

81% der Mütter und 93% der Väter sind erwerbstätig. Dabei sind Mütter häufiger teilzeit erwerbstätig, Väter arbeiten häufiger vollzeit. Bei der Teilzeitarbeit haben Mütter kleinere Pensen als Väter. Zudem sind sie nach wie vor viel seltener in Kaderpositionen anzutreffen als Väter. Mehr als zwei Drittel der Mütter und Väter sind mit dem aktuellen Arbeitspensum zufrieden. Im Vergleich zu 2009 und 2013 geben mehr Eltern an geplant zu haben, im Anschluss an die Geburt des ersten Kindes erwerbstätig zu sein bzw. zu bleiben.

"Da müssen wir dranbleiben. Teilzeitarbeit soll für Väter und Mütter gleichermassen attraktiv sein. Da hat sich die Zahl leider nur leicht erhöht. Mit unserem Projekt der Familienfreundlichen Wirtschaftsregion Basel arbeiten wir gemeinsam mit grossen Firmen daran, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, zu optimieren", sagt Regierungspräsidentin Ackermann.
Gerade weil die Erwerbstätigkeit so hoch ist, nutzen 44% der Familien familienergänzende Betreuungsangebote. Wenn man statt der Familien die Betreuung pro Kind betrachtet, werden 2017 54% der Kinder familienergänzend betreut, während es 2013 45% waren. Mit knapp 30% werden am häufigsten Tagesheime genutzt, gefolgt von Schulen mit Tagesstrukturen mit 17%. Knapp 90% der Familien, die solche Angebote nutzen, sind mit dem aktuellen Betreuungsangebot zufrieden. Tagesheime und Schulen mit Tagesstrukturen wollen auch die meisten Eltern in Zukunft neu oder weiterhin nutzen. Zudem gewinnen die Tagesferien an Bedeutung: Zwei Drittel kennen und ein Viertel nutzt das Angebot.
"Diesem Trend kommt die Erweiterung des Tagesferienangebots ab Schuljahr 2019/20 entgegen", so Conradin Cramer, Vorsteher des Erziehungsdepartements."An vorerst drei Tagesstrukturstandorten werden Eltern ihre Kinder während elf bis zwölf Schulferienwochen pro Jahr tageweise für Tagesferien anmelden können." Bei den frei geäusserten Wünschen zu den familienergänzenden Betreuungsangeboten entfallen rein thematisch betrachtet dennoch am meisten kritische Stimmen auf die Fremdbetreuung: Moniert werden vor allem die Kosten, ungünstige Betreuungszeiten oder fehlende Flexibilität bzw. Qualität.

Erleichterungen zur besseren Vereinbarung von Familie und Beruf wie z. B. flexible Arbeitszeiten, Mutterschafts- bzw. Vaterschaftsurlaub oder die Möglichkeit zur Teilzeitarbeit stehen immer mehr Familien zur Verfügung – mit Ausnahme des einjährigen Elternurlaubs mit Wiedereinstiegsgaran-tie. Auch wird der Nutzen dieser Möglichkeiten positiver eingeschätzt als in den Vergleichsjahren.

Die Zufriedenheit der Eltern mit den Schulen im Kanton Basel-Stadt nimmt im Vergleich zu 2009 und 2013 bei fast allen Fragen zu. Besonders den Austausch mit den Lehrpersonen stufen die Eltern mit 78% sehr positiv ein. Auch die 2017 neu gestellten Fragen zur Informationspolitik des Kantons betreffend Schulen werden mit zwischen 78% und 85% mehrheitlich positiv beantwortet. Einzig die bestehenden Fragen zur Informationspolitik im Hinblick auf Anschlussmöglichkeiten an die obligatorische Schulzeit und bezüglich ausreichend Informationen zu Lerninhalten und -zielen werden schlechter bewertet als 2009 und 2013. "Es freut uns, dass sich Eltern von Schulkindern gut über die Schulen informiert fühlen", sagt Bildungsdirektor Conradin Cramer. "Und wir wollen, dass Eltern künftig auch mit unseren Informationen zu den Anschlussmöglichkeiten nach der Sekundarschule sowie zu den Lerninhalten und Lernzielen zufriedener sind."

Eltern aus Zweielternfamilien sind mit der partnerschaftlichen Arbeitsteilung mehrheitlich zufrieden, wobei die Väter etwas zufriedener sind als die Mütter. Der Vergleich von Familien-, Haus- und Erwerbsarbeit ergibt, dass die Hausarbeit immer noch am unbeliebtesten ist, wobei die Zufriedenheitswerte seit 2009 vor allem bei den Müttern sinken. Dennoch übernehmen diese nach wie vor mehr Hausarbeiten als die Väter. Allerdings zeichnet sich gleichzeitig in vielen Bereichen eine Entwicklung hin zu einer paritätischen Aufgabenteilung ab. Von den abgefragten Angeboten für Familien wird mit 46% am häufigsten die Elternberatung beansprucht. Den Familienpass besitzt mit 48% mittlerweile fast die Hälfte aller Familien. Das Internet behauptet sich als bevorzugte Informationsquelle für diese Angebote, gefolgt von Freunden oder den Ausbildungsstätten. Zeitungen verlieren zunehmend an Bedeutung.
63% der Familien sind mit ihrer finanziellen Lage zufrieden, mehr als 2013. Mit je 46% bejahten und verneinten jeweils gleich viele Familien die Aussage, ihre finanzielle Lage habe sich in den letzten 5 Jahren verbessert. Die steuerliche Belastung empfinden 31% der Familien als angemessen, was einer Steigerung um 10 Prozentpunkte im Vergleich zu 2013 entspricht. Zur Schonung des Budgets wird am häufigsten auf Luxusartikel und teure Einkäufe für den täglichen Bedarf verzichtet. Dennoch reicht das Geld für viele nicht fürs Sparen, eine private Vorsorge oder Ferien. Wenig erstaunlich ist es deshalb, dass bei den freien Wünschen der Ruf nach zusätzlicher finanzieller Entlastung in vielen Bereichen dominiert. Gewünscht werden u. a. Reduktionen bei Steuern, ÖV- oder Tagesheimkosten, Krankenkassenprämien oder Mieten.