Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer
(Villingen-Schwenningen) Die Hoffnung des Jahresbeginns auf eine konjunkturelle Erholung hat sich auch in der Region nicht erfüllt. Stattdessen verschärfen internationale Krisen die wirtschaftliche Lage spürbar.
Dies zeigt die aktuelle Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Schwarzwald-Baar-Heuberg zum Frühsommer. Die globalen Auswirkungen geopolitischer Spannungen treffen auf eine ohnehin angespannte Situation am Standort und verstärken die Belastungen für die Unternehmen zusätzlich. Aktuell bewerten 21 Prozent der Unternehmen ihre Geschäftslage als gut, während 58 Prozent von einer befriedigenden Situation berichten. Der Anteil negativer Einschätzungen ist zwar auf 21 Prozent zurückgegangen, bleibt aber weiterhin hoch.
„Wir erleben aktuell eine doppelte Belastung“, erklärt IHK‑Präsidentin Birgit Hakenjos in Villingen-Schwenningen. „Zu den strukturellen Herausforderungen am Standort kommen zunehmende außenwirtschaftliche Risiken hinzu.“ Viele Betriebe sind nach mehreren Jahren schwacher wirtschaftlicher Entwicklung am Limit. Steigende Kosten, anhaltende Unsicherheiten und fehlende Planbarkeit begrenzen die Handlungsspielräume zunehmend. Gleichzeitig fehlen oft die finanziellen Puffer, um neue Belastungen abzufedern. „Gerade in herausfordernden Zeiten zeigt sich aber auch die Stärke unserer Unternehmen. Unser Mittelstand hat immer wieder bewiesen, dass er mit Unternehmergeist und Innovationskraft auch schwierige Phasen meistern kann“, so Hakenjos.
Erwartungen bleiben verhalten
Deutlich kritischer als die aktuelle Lage fällt der Blick in die Zukunft aus. Die Erwartungen der Unternehmen bleiben verhalten und zeigen vor allem eines: fehlendes Vertrauen in eine nachhaltige Erholung. Nur noch 13 Prozent rechnen mit besseren Geschäften in den kommenden Monaten. Gleichzeitig erwarten 23 Prozent eine Verschlechterung, während eine klare Mehrheit von 64 Prozent von einer Seitwärtsbewegung ausgeht. „Viele Unternehmen haben sich in den vergangenen Jahren an ein Krisenumfeld angepasst. Doch die anhaltende Unsicherheit verhindert, dass daraus wieder echte Zukunftsperspektiven entstehen“, so Birgit Hakenjos.
Druck kommt aus mehreren Richtungen
Die Ursachen für die konjunkturelle Entwicklung sind vielschichtig und zunehmend strukturell geprägt. Die schwache Inlandsnachfrage bleibt mit 62 Prozent das am häufigsten genannte Geschäftsrisiko. Gleichzeitig belasten hohe Arbeitskosten sowie geopolitische Spannungen einen Großteil der Unternehmen. Im Ergebnis schlägt sich dieser Druck zunehmend in der Ertragslage nieder: Lediglich 17 Prozent der Betriebe berichten von guten Ergebnissen, während mehr als ein Drittel (36 Prozent) eine schlechte Ertragssituation verzeichnet.
Investitionen bleiben defensiv ausgerichtet
Vor diesem Hintergrund überrascht es nicht, dass die Unternehmen weiterhin zurückhaltend investieren. Nur 18 Prozent planen steigende Investitionen im Inland, während ein Drittel seine Investitionsbudgets reduzieren will. Gleichzeitig steigt der Anteil der Unternehmen, die ganz auf Investitionen verzichten. 76 Prozent der Unternehmen nennen den Ersatzbedarf als Hauptgrund. Erweiterungsinvestitionen oder der Aufbau neuer Kapazitäten spielen dagegen nur eine untergeordnete Rolle.
Arbeitsmarkt und Außenwirtschaft ohne Impulse
Die wirtschaftliche Schwäche zeigt sich zunehmend auch am Arbeitsmarkt. Die Beschäftigungspläne bleiben klar defensiv: Nur sieben Prozent der Unternehmen wollen Personal aufbauen, während 29 Prozent Stellen abbauen. Die große Mehrheit verharrt im Status quo. Auch aus dem Auslandsgeschäft kommen derzeit keine tragenden Impulse. Zwar erwarten 58 Prozent stabile Exporte, doch Wachstumsperspektiven bleiben die Ausnahme. Im Gegenteil: Zunehmende Handelshemmnisse, zusätzliche regulatorische Anforderungen und geopolitische Spannungen verschärfen die Rahmenbedingungen spürbar.
Klare Erwartungen an Politik und Standortbedingungen
Zentral sei jetzt, strukturelle Belastungen zu reduzieren und die Rahmenbedingungen für unternehmerisches Handeln spürbar zu verbessern. IHK‑Präsidentin Birgit Hakenjos betont: „Es steht viel auf dem Spiel. Unsere Region ist eine der stärksten industriellen Produktionsstandorte in Deutschland.“ Gerade deshalb komme es jetzt auf ein gutes Zusammenspiel der Entscheidungsträger an. Es brauche jetzt vor allem eines: den Dialog zwischen Wirtschaft und Politik. Nur so kann ein wirtschaftlicher Aufbruch und eine gute Standortpolitik gewährleistet werden. Dabei gehe es nicht um kurzfristige Maßnahmen, sondern um eine langfristige Perspektive: „Es geht um ein gemeinsames Verständnis dafür, wie wir Investitionen, Innovation und Produktion hier vor Ort halten. Die entsprechenden Forderungskataloge sind bekannt.“