09.07.2019 17:34

Tourismus vor neuen Herausforderungen

(Löffingen) „Nur eine für Einwohner und Gäste gleichermaßen attraktive Region ist zukunftsfähig!“ In seiner Rede vor mehr als 300 Touristikern aus dem Schwarzwald lobte Thomas Bareiß, Tourismusbeauftragter der Bundesregierung und Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Wirtschaft und Energie in Löffingen die Arbeit der Schwarzwald Tourismus GmbH (STG):

„Mit Freude habe ich vernommen, dass die Schwarzwald Tourismus GmbH sich gemeinsam mit ihren Partnern, den Landkreisen, Kommunen und Großschutzgebieten die Entwicklung des Lebens-, Arbeits- und Freizeitraumes auf die Fahnen geschrieben hat.“
Am Dienstag, 9. Juli 2019, trafen sich mehr als 320 Touristiker und Politiker aus dem Schwarzwald zur Jahrestagung der STG in Löffingen. Als Vorsitzende des Aufsichtsrates begrüßte Landrätin Dorothea Störr-Ritter zahlreiche Repräsentanten aus Politik und Wirtschaft.
Auch 2018 brach der Tourismus im Schwarzwald wieder seine eigenen Rekorde: 8,62 Mio. Gäste übernachteten in den gewerblichen Betrieben mit mindestens zehn Betten mehr als 22, 2 Mio. mal. Dazu kommen noch etwa 16,7 Mio. Übernachtungen in kleinen Betrieben, bei Freunden und Bekannten sowie rund 130 Mio. Tagesreisen ohne Übernachtung.
Der Tourismus in der Region steht für 6,88 Milliarden Euro Umsatz. Davon werden nach den Berechnungen des dwif (Deutsches Wirtschaftswissenschaftliches Institut für Fremdenverkehr der Uni München) 28,8 Prozent im Einzelhandel ausgegeben und 23,3 Prozent für Dienstleistungen aller Art, die von Urlaubern und Tagestouristen im Schwarzwald in Anspruch genommen werden. Für Unterkunft und Essen geben die Schwarzwaldgäste rund 3,3 Milliarden Euro aus. Nahezu jeder dritte touristische Arbeitsplatz im Land liegt in der Ferienregion Schwarzwald.

Landrat Frank Scherer aus der Ortenau hob als Vorsitzender der Gesellschafterversammlung in seiner Rede auf die geänderte Aufgabenstellung ab: „Es geht nicht mehr darum, mit den Marketingmaßnahmen der STG jeden Ort mitzunehmen. Vielmehr geht es darum, jedem Ort und jeder Werbegemeinschaft den Service angedeihen zu lassen, der erforderlich ist, um zu den „Leuchttürmen“ aufzuschließen und auch Produkte zu entwickeln, welche die STG dann ins Schaufenster stellen kann.“

Die Veränderung von der Marketingorganisation zur Management- und Serviceorganisation für die Destination Schwarzwald haben die zwölf Land- und vier Stadtkreise als Gesellschafter gemeinsam mit den Gremien der STG beschlossen und eingeleitet. Auch Scherer betonte wie wichtig die Verknüpfung von Tourismus- und Regionalentwicklung ist: Die Attraktivität des Standortes und seine Infrastruktur seien sowohl für die Bindung junger Menschen an die Region als auch für die Gewinnung von Facharbeitern für die Wirtschaft ein entscheidendes Argument.
Scherer: „Wie die gesamte Wirtschaft steht auch der Tourismus vor den Herausforderungen der Digitalisierung und vor veränderten Mobilitätsansprüchen. Das zu bewältigen kann nicht Aufgabe einer Tourismusorganisation sein, da sind wir Gesellschafter und die Landes- und Bundespolitiker gefragt. Ich wünsche mir aber von der STG, dass sie als Destinations-Management-Organisation ihr touristisches Know-how und ihr Wissen um die Erwartungen der Gäste in ein breites Bündnis aus Wirtschaft und Tourismus, Politik und Verbänden einbringt, und so auch das Management der Zukunftsmobilität und der anstehenden Veränderungen unterstützt.“

STG-Geschäftsführer Hansjörg Mair beschwor in seinem Vortrag die anwesenden Touristiker und Politiker, die Voraussetzungen für die Digitalisierung gemeinsam voranzutreiben, neue Angebote für geänderte Gästebedürfnisse zu entwickeln und gemeinsam für eine nachhaltige Regional- und Tourismusentwicklung einzutreten. Die STG habe im ersten vollen Geschäftsjahr unter seiner Regie strukturelle Veränderungen eingeleitet, die stärker auf die Service- und Managementfunktion abheben und eigens auch eine Taskforce Digitalisierung im Marketing angesiedelt.
In der anschließenden einstündigen Talkrunde ging es um die Folgen des demographischen Wandels für den Tourismus. Wie reagieren Hoteliers und Gastgeber auf die geänderten Bedürfnisse? Was ist zu tun, damit Unternehmen im ländlichen Raum auch junge Facharbeiter mit ihren Familien begeistern können? Wie reagiert die Politik auf die Erwartungen an neue Mobilitätslösungen? Überschätzen sich ältere Wanderer und E-Biker? Wie umgehen mit der Lärmbelästigung durch den wachsenden Verkehr? Wie stellt sich die Branche besser auf ausländische Touristen ein?

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