02.02.2021 15:07

Weniger Umsatz

(Freiburg) Der stärkste weltwirtschaftliche Einbruch der Nachkriegszeit hat den industriellen Mittelstand in Baden-Württemberg hart getroffen, aber – im Unterschied zu anderen Branchen – nicht frontal erwischt. Das ist das Ergebnis der Konjunkturumfrage der wvib Schwarzwald AG. Zweimal jährlich werden die Konjunkturdaten der über 1.000 Mitglieder ermittelt. Rund 400 Unternehmen beteiligten sich diesmal mit ihren Zahlen.

Für das Jahr 2020 meldeten die Mitgliedsunternehmen insgesamt einen Umsatzrückgang von -8,42 %. Im Vorjahr waren es noch ohne Corona -0,12 %, im ersten Halbjahr 2020 waren es -12 %. In der zweiten Hälfte gab es zunächst eine überraschend kräftige Erholung, die durch den zweiten Lockdown wieder gebremst wurde. In Summe: Der Umsatz ist bei immerhin 23 % (Vorjahreszeitraum 45 %) der Unternehmen gewachsen, bei 4 % ist er gleich geblieben. 73 % mussten einen Rückgang hinnehmen (2019: 51 %).

Die Erwartungen sind deutlich positiver als im vergangenen Jahr. 42 % (2019: 26 %) der befragten Unternehmer erwarten in den nächsten sechs Monaten eine steigende Umsatzentwicklung, 46 % gleichbleibende (2019: 49 %), und lediglich 12 % (2019: 25 %) sinkende Umsätze. Das sind Vergleiche mit der Vorperiode, die naturgemäß überzeichnen.

Bei den Auftragseingängen meldeten mit 29 % der Unternehmen genauso viele wie im vergangenen Jahr gestiegene Auftragseingänge. 17 % der Befragten gaben gleichbleibende, 54 % gesunkene Auftragseingänge an (2019: 53 %). Insgesamt fielen die Auftragseingänge um 5 % gegenüber dem Vorjahr. Dies ist der gleiche Wert wie in der Vorjahresperiode. Im ersten Halbjahr hatte der Rückgang sogar noch 14 % betragen.

Die aktuelle Einschätzung bei der Ertragslage: 20 % der Unternehmen berichten derzeit von einer guten Ertragslage (2019: 25 %) und 53 % schätzen diese als befriedigend ein (2019: 52 %). 27 % schätzen die Ertragslage als schlecht ein (2019: 22 %). Die Befragten zeigen für die Ertragslage in den kommenden sechs Monaten verhaltenen Optimismus. 22 % rechnen mit steigenden Erträgen (2019: 17 %). 65 % schätzen, dass diese sich nicht verändern (2019: 66 %). Nur 13 % der Unternehmer rechnen mit einer sinkenden Ertragslage, im Vorjahr waren das noch 17 %.

„Die vergleichsweise gute Ertragslage kommt nicht zuletzt durch die hohen Einsparungen für Reisen und Messen zustande“, erläutert wvib-Hauptgeschäftsführer Christoph Münzer in Freiburg. „Vertrieb geht in einer weltweiten Pandemie auch online, aber bitte – so sagen viele – nur als Not- und nicht als Dauerlösung, auch wenn es gut ist, wenn wir immer darüber nachdenken, wie wir zukünftig zusammenarbeiten wollen. Übrigens: Die Lust auf Online ist im Mittelstand weitaus größer als die digitalen Möglichkeiten in so manchem Schwarzwaldtal. Wir fordern ja seit Jahren den Ausbau der digitalen Infrastruktur, weil auch der Mittelstand Homeoffice einsetzen will. Aber sinnvoll, mit Maß und Ziel und nicht als neues „Bürgerrecht“. Kunststoffspritzen geht bis auf weiteres im Homeoffice nicht“, so Münzer.

Der Beschäftigungsmotor Schwarzwald AG kam zum ersten Mal seit langer Zeit etwas ins Stocken. Dennoch haben 27 % (2019: 44 %) der Unternehmen ihre Belegschaft vergrößert, 23 % haben ihre Mitarbeiterzahl im Vergleich zu 2019 konstant gehalten. Die Hälfte der Befragten musste die Belegschaft reduzieren. Insgesamt sank die Beschäftigtenzahl der Schwarzwald AG mit 237.000 Beschäftigten um 332 Mitarbeiter. „Die vergleichsweise kleine Zahl überrascht im positiven Sinn und wird erst dadurch erklärbar, wenn man die noch immer hohe Zahl der Kurzarbeiter einkalkuliert“, so Christoph Münzer.

In den Prognosen zur Entwicklung der Mitarbeiterzahl sind die Unternehmen wieder vorsichtig optimistisch: 84 % planen gleichbleibende Mitarbeiterzahlen oder gar weitere Einstellungen­ – ein leichter Anstieg im Vergleich zum Vorjahr (2019: 80 %).

Der Blick auf die Kapazitätsauslastung zeigt bei 58 % der Unternehmen eine verschlechterte Kapazitätsauslastung gegenüber dem Vorjahr, 2 % der Befragten vermelden eine Verbesserung der Auslastung, 40 % verzeichnen unveränderte Werte.

Die durchschnittliche Investitionsquote gemessen am Umsatz ist im Vergleich zum Vorjahr mit 6 % gleichgeblieben, was die grundsätzliche Zuversicht illustriert und den gelegentlichen Vorwurf der Politik entkräftet, der Mittelstand tue nicht genug für seine Zukunft. Bei der erwarteten Entwicklung für die Investitionen in den nächsten sechs Monaten ist ein positiver Trend zu verzeichnen. Nur noch 21 % der befragten Unternehmen rechnen mit sinkender Entwicklung (2019: 31 %), 34 % planen wieder steigende Investitionen (2019: 24 %). 45 % der Befragten gehen von gleichbleibenden Investitionen aus, was knapp unter dem Vorjahreswert liegt.

In der Zusatzfrage der wvib die Unternehmen um eine Bewertung der unternehmerischen und gesellschaftlichen Herausforderungen für 2021 gebeten.

Für die meisten Unternehmen bleibt die Corona-Pandemie aktuell die größte Herausforderung. 96 % gaben an, dass die Corona-Pandemie für sie relevant bis sehr relevant sei. Danach folgen die Furcht vor einer gesellschaftlichen Radikalisierung (88 %), vor staatlicher Überschuldung (85 %) und vor einer Beschädigung der sozialen Marktwirtschaft (85 %). Die Inflationsgefahr bewerten nur 55 % der Befragten als relevant bis sehr relevant.

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