04.11.2020 16:55

Viele wollen in das Freilichtmuseum

(Gutach) Nach nur fünfeinhalb Monaten endete an diesem Sonntag die 56 ste Saison des Schwarzwälder Freilichtmuseums Vogtsbauernhof in Gutach, genau einen Tag, bevor das Betriebsverbot für Kultur- und Freizeiteinrichtungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie in Kraft tritt.

Das älteste Freilichtmuseum des Landes zeigt dabei ein Saisonergebnis vor, das sich unter Pandemie-Bedingungen sehen lassen kann: Über 110.000 Besucher und damit mehr als die Hälfte der Besucher des Vorjahres konnte der Vogtsbauernhof vom 10. Mai bis zum 1. November begrüßen. „Wir sind mit diesem Saisonergebnis mehr als zufrieden, denn die Zahlen sind besser als erwartet. Wir befinden uns damit an der Spitze der deutschen Museumslandschaft“, zieht Museums-Geschäftsführerin Margit Langer Bilanz. „Und dies, obwohl unsere Zahlen im Gruppenreisebereich und bei den Schulklassen um fast 95 Prozent auf gerade einmal 4.000 anstelle der üblichen rund 65.000 Besucher eingebrochen sind.“ Auch die vielen ausländischen Gäste, die in der Regel nahezu 35 % der Besucheranteile ausmachen, haben gefehlt. Anstatt der knapp 80.000 Besucher aus aller Welt sind 2020 rund 10.000 Gäste, insbesondere aus Frankreich, aus der Schweiz und den Niederladen, in den Vogtsbauernhof gekommen. In den Sommermonaten von Juli bis September hat das Freilichtmuseum vom belebten Inland- und Tagestourismus profitiert und die Besucherverluste teilweise kompensiert. Mit seinem Angebot hat es vor allem zahlreiche junge Familien mit Kindern aus Deutschland und der Region erreichen können.



Mit einer Verzögerung von sechs Wochen und mit einem umfassenden Hygiene- und Organisationskonzept hat das Freilichtmuseum am 10. Mai den Betrieb aufnehmen und bis zum offiziellen Saisonschluss erfolgreich durchführen können. Alle historischen Museumsgebäude konnten geöffnet werden, das Jahresprogramm fand anders als geplant und ohne Großveranstaltungen statt. Mit neuen und angepassten Programm- und Veranstaltungsformaten sowie digitalen Angeboten wie der Vogtsbauernhof-App ist es dem Freilichtmuseum gelungen, seinen Gästen trotz der Einschränkungen einen informativen und erlebnisreichen Museumsaufenthalt zu ermöglichen. Neue Wege ist der Vogtsbauernhof auch mit seinem Online-Veranstaltungsprogramm gegangen, das Sonderführungen und Handwerksvorführungen, eine Sagen-Lesung, ein gestreamtes Live-Rock-Konzert oder einen Museums-Krimi umfasste. Zwei Sonderausstellungen mit Werken regionaler Künstler wie des bekannten Schriftstellers José Oliver oder des Künstlernetzwerks „Kosmos Schwarzwald“ rundeten das Angebot ab. Besonders gut angenommen wurden die zahlreichen museumpädagogischen Mitmachangebote für Familien und Kinder, die jeden Sonntag sowie täglich in den Ferien stattfanden und regelmäßig ausgebucht waren. „Wir sind auch mit Einschränkungen und Notlösungen ein schönes, lebendiges Museum geblieben. Wir mussten uns nicht verbiegen und nicht neu erfinden. Vielleicht sind sogar, in der Vermittlung wie im Digitalen, gute Dinge entstanden, die wir sonst gar nicht versucht hätten.“ führt der Wissenschaftliche Leiter Thomas Hafen aus.



Die Vorbereitungen für die Saison 2021 laufen derzeit an. Geplant ist ein Jahresprogramm, das mit einer Sonderausstellung und speziellen Programmen das Landleben fernab der Städte in den Fokus rückt. Auch eine Neuinszenierung der Räumlichkeiten des historischen Vogtsbauernhofs von 1612 mit neuen Erkenntnissen zur Bewohnergeschichte wird nach dem Prinzip des „Storytellings“ umgesetzt. Die Vogtsbauernhof-App wird zudem um eine Audio-Tour mit den heimischen Dialekten der Herkunftsregionen der Museumsgebäude erweitert.



Die Saison 2021 beginnt am 28. März. Der traditionelle Weihnachtsmarkt am dritten Adventswochenende entfällt aufgrund der Corona-Pandemie. Ein Online-Weihnachtsmarkt wird auf der Museums-Homepage während der Adventszeit angeboten. Das Jahresprogramm 2021 wird kurz vor Saisonstart im März veröffentlicht.

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