05.07.2021 13:00

Zehn-Jahres-Planung 2021 bis 2030 für den Stadtwald

(Freiburg) In der jüngsten Sitzung hat der Gemeinderat über die Zehn-Jahres-Planung für den Stadtwald Freiburg, die sogenannte Forsteinrichtung, beraten.

Die Forstdirektion des Regierungspräsidiums und das städtische Forstamt haben diese Planung in einjähriger Detailarbeit gemeinsam erstellt. Nun schlagen sie dem Gemeinderat einige Änderungen und Neuerungen gegenüber dem vergangenen Jahrzehnt vor, denn mehr denn je zuvor sind rund um den Wald mehrere Spagate gleichzeitig nötig.
Die Forsteinrichtung soll einerseits helfen, den Wald gut auf den Klimawandel vorzubereiten und seine Bedeutung für den Klima- und Artenschutz zu stärken. Außerdem gilt es, sein Potenzial für die nachhaltige Nutzung des nachwachsenden Rohstoffs Holz zu erhalten. Auch soll der Wald den gestiegenen Anforderungen durch die Erholungs- und Freizeitnutzung gerecht werden.

Mit 5.140 Hektar gehört Freiburgs Stadtwald zu den größten Kommunalwäldern in Deutschland. Es gibt in Europa Kleinstaaten, die nicht größer sind. Wie für alle Gemeinde- und Staatswälder wird auch hier alle zehn Jahre die heute vorgestellte Forsteinrichtung durchgeführt. Diese Betriebsplanung beinhaltet eine gründliche Inventur zum Zustand des Waldes, würdigt die Arbeiten der vergangenen zehn Jahren und schreibt die Bewirtschaftung für das kommende Jahrzehnt fest. Damit ist die Forsteinrichtung das zentrale Instrument zur Sicherung der Nachhaltigkeit im öffentlichen Wald – sie übersetzt rechtliche Vorgaben und die Zielsetzung der Waldbesitzer in konkrete Bewirtschaftungsmaßnahmen.
Beim Vorstellen der neuen Forsteinrichtung betonte
Umweltbürgermeisterin Christine Buchheit: „Mit dem Klimawandel
verändert sich der Wald. Wir sind in der Pflicht, ihn dauerhaft, stabil
und vielfältig zu erhalten. Die Gesunderhaltung und die
anspruchsvollen Ziele zum Klima- und Artenschutz, der nachhaltigen
Holznutzung und der Erholung und Freizeit im Wald sind eine große
Herausforderung für alle, die den Stadtwald bewirtschaften. Die
Forsteinrichtung hat nun die Maßnahmen für die Umsetzung in den
nächsten zehn Jahren formuliert. Für das Forstamt bedeuten sie viel
Mehrarbeit, vor allem bei Aufbau und Pflege der nächsten
Baumgeneration und beim Abwenden von Waldschäden.“

Mit der Freiburger Waldkonvention hat der Gemeinderat 2020 die
überarbeiteten Ziele für den Stadtwald verabschiedet und an die sich
wandelnden Herausforderungen angepasst. Beim Bewirtschaften
des Stadtwaldes stellt das Forstamt die Schutz-, Nutz-, Erholungsund
Klimaschutzfunktionen des Stadtwaldes gleichrangig sicher und
fördert sie weiter. Nur ein gesunder, widerstandsfähiger und stabiler
Wald kann diese vielfältigen Leistungen nachhaltig erbringen. Die
Anpassung des Waldes an den Klimawandel wird weit über das
kommende Jahrzehnt hinaus reichen und große Anstrengungen
erfordern.

Nach der Betriebsinventur und vielen Waldbegängen steht fest: Der
Stadtwald hat gute Voraussetzungen, um die anstehenden schweren
Zeiten bewältigen zu können. Die Baumartenausstattung ist vielfältig,
der Anteil des Laubholzes mit 68 Prozent hoch. Häufigste Baumarten
sind die Buche (17 Prozent), Douglasie (12%), Eiche (11%) und
Fichte (10%). Mit 380 Kubikmetern je Hektar stehen im Stadtwald 4
Prozent mehr Holz als noch vor zehn Jahren. Über die Hälfte des
Holzvorrats steckt in dicken Bäumen, die in Brusthöhe über 50 cm
Durchmesser stark sind. Im Durchschnitt gibt es je Hektar auch 40
Kubikmeter Totholz; es liegt in unterschiedlichen Dimensionen und
Zersetzungsgraden vor und ist wichtig für viele Arten, von Vögeln
und Insekten bis zu Pilzen und Moosen. Unter dem Schirm der
älteren Wälder wächst auf 40 Prozent der Fläche schon die nächste
Baumgeneration aus Samen der alten Bäume heran. Bei den jungen
Bäumen überwiegen Buche, Bergahorn, Tanne und Hainbuche.
Die Planungen für das kommende Jahrzehnt zielen darauf ab, den
Strukturreichtum, die Diversität und die Stabilität des Stadtwaldes
auch im Klimawandel weiter zu erhöhen. Ein Sechstel seiner
Gesamtfläche (830 Hektar) dient in besonderem Maße dem Schutz
verschiedener Tier- und Pflanzenarten, die dort mit einem ganzen
Strauß unterschiedlicher Maßnahmen gefördert werden. Dies reicht
von aufwändigen Felsfreistellungen über extensive
Alteichensicherung bis hin zur Stilllegung (auf 6 Prozent). Ein Netz von Habitat-Baumgruppen ergänzt die stillgelegten Flächen mit ihrer
besonderen Bedeutung für Alt- und Totholzbewohner.
Der multifunktionale Wirtschaftswald insgesamt wird so gepflegt,
dass der Anteil wärmeliebender, trockenheitstoleranter Baumarten
langsam zunimmt, dass verschiedene Baumarten, junge und alte,
dicke und schwächere Bäume in Mischung wachsen und dass
nachhaltig Bäume mit hoher Qualität und starker Dimension etwa für
den Hausbau und andere Verwendungen geerntet werden können.
Inzwischen wurden auch rund 370 Hektar Erholungswälder
identifiziert, die besonders stark frequentiert werden. Hier sind die
waldbaulichen Maßnahmen vor allem auf eine hohe Waldästhetik,
Vielfalt und Stabilität ausgerichtet.

Um die gesteckten Ziele zu erreichen, sollen in den kommenden
zehn Jahren 385.000 Festmeter Holz geerntet werden; das sind 6
Prozent mehr als im vergangenen Jahrzehnt.
Über 730 Hektar heranwachsende Dickungen sollen zur Sicherung
und Steuerung der Baumartenmischung gepflegt werden, gegenüber
der geleisteten Arbeit in den vergangenen zehn Jahren sind das 300
Hektar zusätzlich.

Auf 320 Hektar sollen junge Bäume die nächste Generation
übernehmen. Von diesen stammen 70 Prozent aus den Samen der
Altbäume und wachsen schon seit Jahren und Jahrzehnten unter
deren Schirm. 30 Prozent werden dagegen gepflanzt – im Bergwald
vor allem in kleinen Lücken und zur Ergänzung der Naturverjüngung,
im Mooswald in stärkerem Umfang vor allem zum Erhalt der
wichtigen Eichenanteile. Die Beimischung, der Erhalt und die
Förderung der im Wuchs oft noch unterlegenen wärmetoleranten
Baumarten erfordert in vielen Bereichen viel mehr Pflege. Dies ist
eine Investition in die Zukunft und den Erhalt des Stadtwaldes.
Selbst wenn die Entwicklung und Bewirtschaftung des Stadtwaldes
bis 2030 plangemäß verläuft, wird seine Anpassung an den
Klimawandel zur bislang nie gekannten Herausforderung. Tatsächlich
ist zu erwarten, dass Wetter- und Witterungsextreme zunehmen.
Längere Dürreperioden und häufigere Sturmereignisse werden zu
ungeplanten Schäden führen und zusätzliche Waldschutzmaßnahmen und Wiederbewaldung erfordern. Planbar sind diese Ereignisse nicht. Vielmehr ist es das übergeordnete Ziel der Forsteinrichtung, solchen Schäden vorzubeugen und den Stadtwald vital zu erhalten.

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