11.06.2020 16:28

Fronleichnamsfest wird ohne Prozession gefeiert

(Freiburg) In einem deutlich anderen Rahmen als üblich feierte die Domgemeinde am Donnerstag (11.06.) das diesjährige Fronleichnamsfest im ...

In einem deutlich anderen Rahmen als üblich feierte die Domgemeinde am Donnerstag (11.06.) das diesjährige Fronleichnamsfest im Freiburger Münster. Bedingt durch die besonderen Umstände der Corona-Pandemie gab es in diesem Jahr keine Prozession durch die Straßen von Freiburg. So war der Gottesdienst selbst diesmal erkennbarer Mittelpunkt des Festes.

Im Zentrum der Predigt von Weihbischof Christian Würtz stand die Verehrung der Eucharistie als „Zeichen der Liebe“ (Augustinus), der das Fest Fronleichnam seit jeher gewidmet ist. Weihbischof Würtz beschrieb zunächst das Letzte Abendmahl, das Jesu mit seinen Jüngern feierte und bei dem er ihnen beim Brechen des Brotes bereits seine Selbsthingabe andeutete, als Ursprung der Eucharistiefeier. „Die Eucharistie“, so der Weihbischof, „beseitigt nicht die Not und das Elend, aber in der Eucharistie ist Jesus uns mit seiner Liebe nahe, diese Liebe, die so groß war, dass er sich selbst dahingegeben hat und auch uns immer wieder neu schenkt“.


Kelch aus dem Familienbesitz war im KZ Dachau wichtiges Symbol

Was diese Botschaft konkret bedeuten kann, stellte der Weihbischof an der bewegenden Geschichte seines eigenen Primizkelches anschaulich dar, also an dem Kelch, mit dem Christian Würtz seine erste Heilige Messe gefeiert hatte. Das besondere Gefäß war ursprünglich für seinen Onkel vorgesehen, der allerdings im Zweiten Weltkrieg verstarb, bevor er zum Priester geweiht werden konnte. Seine Tante überließ den Kelch daraufhin ihrem Heimatpfarrer, Emil Thoma, der seit dem Sommer 1941 im Konzentrationslager Dachau inhaftiert war. In der „Atmosphäre der Gewalt, der Menschenverachtung, des Zynismus, des Todes und der Lieblosigkeit“ feierte der Eppinger Priester von nun an mit dem Kelch der Tante die Eucharistie. Das Gefäß sei insbesondere hier zu einem „Zeichen der Liebe“ geworden, „denn Gott war diesen Priestern in der Eucharistie nahe“. Die geknechteten Gefangenen, die täglich ums Überleben zu kämpfen hatten, fühlten sich, so der Weihbischof, in besonderer Weise durch das Leid mit Christus verbunden, der in seiner Hingabe am Kreuz, so zitierte Würtz den Schweizer Kardinal Kurt Koch, die „erbärmliche Gewalttat der Menschen gegen ihn in einen Akt der Hingabe für die Menschen und damit in einen Akt der Liebe umgewandelt hat“.



Fronleichnam – Besondere Verehrung des Altarsakramentes


Fronleichnam ist ein Hochfest am Donnerstag nach dem Dreifaltigkeitssonntag – zehn Tage nach Pfingsten – zur besonderen Verehrung des Altarsakramentes, der bleibenden Gegenwart Christi im Sakrament der Eucharistie. Seit dem 13. Jahrhundert wurde als sichtbares Zeichen für den Glauben an die Gegenwart Christi das eucharistische Brot (Hostie) in einem Schaugefäß (Monstranz) durch die Straßen getragen. Erzdiakon Robert von Lüttich führte aufgrund der Visionen der Augustinernonne und Mystikerin Juliana von Lüttich das Fest 1246 in der Diözese Lüttich ein. Papst Urban IV. (1261–1264) legte 1264 fest, Fronleichnam am zweiten Donnerstag nach Pfingsten zu feiern. Papst Johannes XXII. (1316–1334) sorgte 1317 dafür, dass das Fest in der ganzen abendländischen Kirche begangen wird. Bis heute werden Prozessionswege und Stationen mit Fahnen und Blumenteppichen geschmückt. Aufgrund der aktuellen Pandemie wurde in diesem Jahr auf die Prozession, sowie den Weg schmückende Blumenteppiche verzichtet, da sich hierbei Hygiene- und Abstandsregeln nur schwerlich einhalten ließen. Weitere Informationen zur Feier der Liturgie in Zeiten der Corona-Krise finden sich auf www.ebfr.de/corona.


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