Erzbischof Burger predigt zum Jahresabschluss im Freiburger Münster
(Freiburg) In seiner Predigt zum Jahresabschluss im Freiburger Münster hat Erzbischof Stephan Burger dazu aufgerufen, die Hoffnung als ...
In seiner Predigt zum Jahresabschluss im Freiburger Münster hat Erzbischof Stephan Burger dazu aufgerufen, die Hoffnung als christliche Grundhaltung in das Jahr 2026 zu tragen. Angesichts gesellschaftlicher Spannungen mahnte er am Silvesterabend (31.12.) eindringlich zur Solidarität mit den jüdischen Gemeinden, würdigte das Vermächtnis des verstorbenen Papstes Franziskus und dankte den Gläubigen für das Mittragen der historischen Strukturreformen.
Klare Kante gegen Antisemitismus
„Gerade in dieser Zeit, in der sich manche verstärkt von antisemitischem Gedankengut beeinflussen lassen, ist unsere Solidarität mit unseren jüdischen Glaubensgeschwistern umso dringlicher und notwendig“, sagte der Erzbischof. Er hob die engen Kontakte zur israelitischen Kultusgemeinde im Land hervor und erinnerte an die gemeinsame theologische Basis: „Vergessen wir nicht, was das Johannes-Evangelium immer wieder ins Bewusstsein ruft: Das Heil kommt von den Juden! Wir haben eine gemeinsame Wurzel, die uns trägt und aus der Christus hervorgegangen ist.“
Eine politische Analyse blieb der Erzbischof nicht schuldig: „Ohne hier auf tagespolitische Fragestellungen eingehen zu wollen, bleibt zu beobachten, dass die politischen Fliehkräfte innerhalb unserer Gesellschaft immer stärker werden.“ Neben dem anwachsenden Antisemitismus stimmten weitere Entwicklungen nachdenklich: ein Erstarken der Rechtspopulisten, der Umgang mit den Migranten, die Sorge um das wirtschaftliche Wachstum und um den Klimawandel sowie der Umgang mit dem demographischen Faktor, dass immer weniger junge Menschen eine alternde Gesellschaft tragen sollen.
Abschied und Neubeginn in der Weltkirche
Der Jahreswechsel markiert zugleich das Ende des Heiligen Jahres 2025. Erzbischof Burger griff das Motto des Jubiläumsjahres auf: „Wir durften Pilgerinnen und Pilger der Hoffnung sein.“ Ein zentrales Zeichen dieser Hoffnung sei für die Weltkirche der Übergang im Papstamt gewesen. Der Erzbischof erinnerte an den verstorbenen Papst Franziskus, dessen Herzensanliegen die Nähe zu den Menschen war: „Ihr seid nicht allein“, sei die Botschaft gewesen, die Franziskus bis zuletzt verkörpert habe. Mit der Wahl seines Nachfolgers, Papst Leo XIV., gehe die Kirche diesen Weg der Zuversicht weiter.
Dank an die Gestalter der „Kirchenentwicklung 2030“
Einen breiten Raum in der Predigt des Erzbischofs nahm der Dank an die Menschen ein, die das kirchliche Leben vor Ort tragen. Mit dem morgigen 1. Januar 2026 ist ein entscheidender Meilenstein erreicht: Die 36 neuen Pfarreien der „Kirchenentwicklung 2030“ sind rechtlich errichtet. „Es wird noch einige Zeit brauchen, bis wir uns an die neuen Strukturen gewöhnt haben. Wobei die pastorale Arbeit in der Fläche verlässlich ihre Fortsetzung findet.“ Prieser, Diakone und Seelsorgende insgesamt sollten jetzt mehr Zeit für den Dienst an den Gläubigen haben.
Erzbischof Burger richtete seinen Dank ausdrücklich an jene, die diesen Wandel aktiv mitgestalten: „Danke allen, die sich jetzt in unseren neuen Pfarreien als gewählte Mitglieder der Räte engagieren, die hier besondere Verantwortung übernehmen.“
Der Erzbischof wies darauf hin, dass Kirche kein Selbstläufer sei, sondern vom Einsatz vieler lebe. Sein Dank galt allen, die durch Spenden und Kirchensteuer nicht nur die Gehälter und Gebäude sichern, sondern auch die soziale Arbeit der Caritas und die Nothilfe weltweit ermöglichen. Ferner den Ehren- und Hauptamtlichen in der Seelsorge, in den caritativen Einrichtungen, in den kirchlichen Verbänden und Vereinen und in den Bildungseinrichtungen. Sie alle hätten für andere Zeit und schenkten so Hoffnung. Burger dankte auch den Betenden und Gottesdienstbesuchern, die die Gemeinschaft im Glauben erst erfahrbar machten.
„Mag das Heilige Jahr auch zu Ende gehen, jedoch nicht der Auftrag, weiterhin als Pilgerinnen und Pilger der Hoffnung unser Leben zu gestalten“, schloss Burger mit dem Appell, die Weihnachtsbotschaft aktiv in die Gesellschaft zu tragen.
Musikalische Gestaltung
Musikalisch festlich gestaltet wurde der Gottesdienst durch den Freiburger Domchor, die Freiburger Domkapelle, Vokalsolisten sowie Mitglieder des Philharmonischen Orchesters Freiburg und Domorganist Prof. Matthias Maierhofer. Zur Aufführung kamen die Missa in C (KV 259) von Wolfgang Amadeus Mozart sowie Noël, c'est l'amour von Norbert Glanzberg.