15.04.2019 15:43

Erzbischof Stephan Burger feiert Chrisam-Messe zu Beginn der Karwoche

(Freiburg) „Mag zur Zeit Karwochen- oder Karfreitagsstimmung die öffentliche Debatte bestimmen, ich gebe die Hoffnung und die Zuversicht ...

„Mag zur Zeit Karwochen- oder Karfreitagsstimmung die öffentliche Debatte bestimmen, ich gebe die Hoffnung und die Zuversicht nicht auf, dass auch für uns und die kommenden Generationen in dieser Kirche wieder Ostern werden kann.“ Das sagte Erzbischof Stephan Burger am Montag (15.04.) in seiner Predigt anlässlich der Chrisam-Messe im Freiburger Münster. Vor Jugendlichen und pastoralen Mitarbeitenden aus dem ganzen Erzbistum Freiburg erklärte er weiter, Ostern bedeute „Leben mit Christus, Leben aus seiner Liebe, Leben in seiner Liebe.“ Darauf hätten die Christen selbst entscheidenden Einfluss, „indem wir unseren Glauben, unsere Hoffnung und unsere Liebe in Christus leben“.
Der Erzbischof kontrastierte diese Oster-Hoffnung in seiner Predigt mit der aktuellen Situation: So werde die öffentliche Wahrnehmung derzeit von der Missbrauchskrise und den nötigen Konsequenzen geprägt. „Und dazu dann noch die Zukunftsvision von mir als Erzbischof mit seiner ‚Kirchenentwicklung 2030‘, die manche schockiert hat“. Diese habe auf der einen Seite Lösungsangebote mit dem Ergebnis: „Bitte ändere nichts oder zumindest nicht viel“ provoziert. Auf der anderen Seite habe er aber auch Unterstützung und Bestätigung erfahren, mit ‚Kirchenentwicklung 2030‘ „einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung“ zu gehen. Der Erzbischof von Freiburg ergänzte: „Gefühlt könnte man den Eindruck gewinnen – auch bei all den anstehenden Problemen unserer weltweiten Kirche - dieses Schifflein Petri schwimmt schon kieloben und wird - mehr über kurz wie lang - komplett untergehen.“

Erzbischof: Persönliche Gottesbeziehungen entscheidend für die Kirche

Stephan Burger beschrieb, die Kirche werde häufig als Nichtregierungsorganisation, sozialer Dienstleister, als Institution, als Finanzgesellschaft wahrgenommen, oder auch als Zirkel dunkler Machenschaften mit Macht und Missbrauch. Er stellte die Frage, wie es angesichts dessen um die Kirche als Glaubensgemeinschaft bestellt sei. Hierfür sei die persönliche Gottesbeziehung entscheidend: „Gerade im ganz persönlichen Reden mit Gott, mit Jesus Christus darf ich seine Nähe erfahren. Bei ihm darf ich abladen, was mir zu schaffen macht, ihm darf ich all die Sorgen und Probleme anvertrauen, für die ich keine Lösung habe.“ So könne nur im Vertrauen auf ihn aus dem eigenen Stückwerk etwas Ganzes werden.
Diese persönliche Gottesbeziehung komme im Zeichen der heiligen Öle, die in der Chrisam-Messe geweiht werden, zum Ausdruck. An die Jugendlichen gewandt sagte der Erzbischof: „Nicht nur, dass ihr zu ihm ja sagt, dass ihr euch zu ihm bekennt, vielmehr hat er sich schon zuvor zu euch bekannt, zu euch ja gesagt und das zum Ausdruck gebracht im Sakrament der Taufe.“ Konkret bedeute dies: „Mit Katechumenen-Öl gesalbt, seid ihr in die Kraft Christi eingebunden, die dem Bösen zu widerstehen vermag. Mit der Chrisam-Salbung bei der Taufe wurde eure Berufung zum priesterlichen königlichen und prophetischen Dienst verdeutlicht. Mit der Chrisam-Salbung bei der Firmung wird euch die Kraft des Heiligen Geistes zugesprochen, dieser Heilige Geist, der die Kirche mit euch umtreiben und gestalten will.“

In der Chrisam-Messe weiht Erzbischof Stephan Burger die Heiligen Öle, die im ganzen Erzbistum Freiburg während des kommenden Jahres für die Spendung der Sakramente (Taufen, Firmungen, Weihen) benötigt werden. Dabei sind Vertreter aus allen Dekanaten der Erzdiözese anwesend. Nach der Chrisam-Messe werden die im Gottesdienst geweihten Salböle von Vertretern der Dekanate abgeholt und in die Seelsorgeeinheiten gebracht.
Bereits seit der Zeit der Apostel ist das Öl neben Wasser, Wein und Brot Urelement christlicher Liturgie. Unterschieden werden „oleum infirmorum“ (Krankenöl für die Krankensalbung), „sanctum chrisma“ (Chrisam für Taufe, Firmung, Priester- und Bischofsweise sowie Kirch-, Altar- und Glockenweihe) und „oleum catechumenorum“ (Katechumenenöl).
Vor der Chrisam-Messe hatte Erzbischof Stephan Burger alle Priester des Erzbistums zur Begegnung untereinander und mit dem Erzbischof eingeladen.

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