15.02.2026 16:24

Leichte Belebung

(Freiburg) Seit langer Zeit hoffen die Unternehmen am südlichen Oberrhein auf eine nachhaltige und kräftige konjunkturelle Belebung.

Dass diese sich nur in Teilen erfüllt, zeigt die aktuelle Konjunkturumfrage der IHK Südlicher Oberrhein. Zwar sind wieder mehr Unternehmen mit Blick auf ihre derzeitige Geschäftslage positiv gestimmt. Doch von einer wirklichen Trendumkehr kann dabei nicht gesprochen werden. Das hängt gerade auch mit mangelnden politischen Reformen zusammen.



„Das Jahr 2026 beginnt für die Wirtschaft am südlichen Oberrhein mit einer Belebung. Hier spiegeln sich die positiveren Erwartungen der Unternehmen aus dem Herbst wider“, sagte Alwin Wagner, der Stellvertretende Hauptgeschäftsführer der IHK Südlicher Oberrhein, bei der Vorstellung des Konjunkturberichts zum Jahresbeginn in Freiburg. Über alle Branchen hinweg bewerten die Betriebe ihre Geschäftslage besser als zum Ende des vergangenen Jahres. So steigt der Index der Geschäftslage um acht Punkte und befindet sich mit 13 Punkten nun immerhin auf seinem höchsten Stand seit eineinhalb Jahren. 31 Prozent der Unternehmen geben eine gute Geschäftslage an, 17 Prozent sind mit den aktuellen Geschäften unzufrieden.



„Es wäre schön, wenn wir sagen könnten: In den kommenden zwölf Monaten geht es weiter bergauf. Dann könnten wir auch von einer echten Trendwende sprechen“, sagte Wagner. „Aber genau das sehen wir nicht.“ Denn der Index der Geschäftserwartungen verliert sogar wieder an Boden. Lag er im Herbst immerhin noch bei minus drei Punkten, rutscht er zum Jahresbeginn auf minus sieben Punkte tiefer in den negativen Bereich ab. Nur 15 Prozent der Unternehmen rechnen mit besseren Geschäften im Jahr 2026, für 22 Prozent ist der Ausblick trübe. Wagner: „Das ist ein relativ schmales Fundament, von dem ein positiver Impuls ausgehen kann. Die bisher weit hinter den Erwartungen gebliebenen Reformbemühungen der Regierung und die eher populistisch geführten Diskussionen, beispielsweise um Themen wie Lifestyle oder Teilzeitarbeit, haben viele Unternehmerinnen und Unternehmer enttäuscht, die sich von einem Regierungswechsel eine echte ‚Wirtschaftswende‘ erhofft hatten.“ Die Themen könne man sachlich diskutieren, am Ende gehe es aber darum, mit den politischen Reformen auch ins Handeln zu kommen.



Dass die heimischen Unternehmen noch nicht vollends davon überzeugt sind, dass die konjunkturelle Tal-sohle durchschritten wurde, lässt sich auch an ihren Investitionsplänen ablesen. Zum vierten Mal in Folge notiert der Index der Inlandsinvestitionen im negativen Bereich. Mit minus sechs Punkten liegt er sogar drei Punkte niedriger als im Herbst. In den Jahren 2010 bis 2019 lag der Index fast durchgängig im positiven Bereich. Das am häufigsten genannte Investitionsmotiv ist mit 65 Prozent der Ersatzbedarf. Kapazitätserweiterung werden hingegen nur noch von 14 Prozent der Unternehmen als Motiv angegeben – der niedrigste Wert seit dem Höhepunkt der globalen Finanzkrise im Jahr 2009.



Welche Risiken sehen die Unternehmen nach dieser langen wirtschaftlichen Stagnationsphase für sich? Wenig verwunderlich ist, dass die Inlandsnachfrage nach wie vor die meisten Sorgen bereitet. Für 64 Pro-zent der Befragten stellt sie ein Risiko dar. Damit wird der Spitzenwert vom Herbst 2024 erneut eingestellt. Weiterhin große Bedeutung haben auch die Arbeitskosten. Wie schon im vergangenen Herbst werden sie von knapp 60 Prozent der Unternehmen als Risiko empfunden. Die Erhöhung des Mindestlohns, ein allgemein steigendes Lohnniveau und höhere Beitragssätze in der Sozialversicherung bringen viele Unternehmen in Zeiten schwacher Konjunktur zunehmend in die Bredouille.



Dass dies auch auf den Arbeitsmarkt durchschlägt, liegt auf der Hand – die Beschäftigungserwartungen sind tief im roten Bereich. Im Vergleich zum Herbst verliert der entsprechende Index nochmal drei Punkte und sinkt auf minus 14 Zähler ab. 24 Prozent der Unternehmen planen mit weniger Stellen, nur zehn Prozent denken an Beschäftigungsaufbau. Kontinuierlich gestiegen ist deshalb auch die Zahl der Arbeitssuchenden im Kammerbezirk. Der Januar 2026 bildet hier keine Ausnahme. Insgesamt waren 28.297 Personen vergeblich auf der Suche nach einer Arbeit und damit 6.473 Personen mehr als vor vier Jahren. „Wir können dankbar sein, dass wir am südlichen Oberrhein eine sehr diversifizierte Wirtschaftsstruktur haben“, sagte Wagner. Das sorge für Stabilität. Trotzdem könne sich die Region dem Thema steigende Arbeitslosigkeit nicht entziehen.



Dass die Stimmung in den Unternehmen in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern auf der Welt eher negativ ausfällt, bemerkt auch Ralf Brotte, Geschäftsführer des Denzlinger Unternehmens Externe Messeabteilung. Der weltweit tätige Betrieb hat sich mit seinen 14 Beschäftigten auf Messeauftritte für Kunden im sogenannten Business-to-Business-Bereich spezialisiert. „In Indien ist die Grundstimmung sehr positiv, auch bei Gesprächen mit deutschen Unternehmen in Argentinien bekam ich das Gefühl vermittelt: Es passiert wieder etwas.“ Brotte kann die aktuelle Investitionsrückhaltung der deutschen Unternehmen gut nachvollziehen. „Wenn Rahmenbedingungen und Genehmigungsfragen nicht klar sind, ist es nicht einfach, in die Zukunft zu investieren.“ Das gelte auch für Auftritte bei Messen. „Die deutschen Aussteller gehen mit reduzierten Mitteln zu den Veranstaltungen, selbst bei weltweiten Leitmessen, die in Deutschland stattfinden, zeigen sich vor allem die ausländischen Aussteller.“



In der konjunkturell weiterhin schwierigen Situation will die IHK Südlicher Oberrhein mit ihrer derzeit laufenden Standortkampagne eine positive Botschaft setzen und zeigen: Hier geht was! „Wir haben bei unserem Neujahrsempfang sehr viel positive Resonanz auf unsere Standortkampagne erhalten“, sagt Wagner. „Wir haben tolle Unternehmen und jede Menge Stärken am südlichen Oberrhein. Und genau das möchten wir im Jahr 2026 in den Vordergrund stellen.“



Die IHK Südlicher Oberrhein: Stark machen für rund 75.000 Mitglieder

Vom Kleinunternehmer bis zum Weltmarktführer – die IHK Südlicher Oberrhein vertritt die Interessen der Wirtschaft gegenüber Politik und Verwaltung. Wir beraten sowohl Startups als auch etablierte Unternehmen, Fachkräfte und solche, die es werden wollen, organisieren Prüfungen und trommeln bei Kommunen und Verwaltungen für optimale Standortbedingungen. Für den Staat übernehmen wir ausgewählte Aufgaben, informieren über neue Zoll-Richtlinien, Wachstumschancen auf ausländischen Märkten oder organisieren zahlreiche Netzwerktreffen und Veranstaltungen.



Über die IHK-Kampagne „Hier geht was!“

Wir geben den erfolgreichen Unternehmen im Rahmen unserer Standortkampagne ein Gesicht: Durch ihre langjährige Erfahrung und Kenntnisse in den verschiedenen Branchen der Region bringen unsere Botschafterinnen und Botschafter jede Menge Expertise mit und können aus erster Hand von den Stärken und Potenzialen des südlichen Oberrheins berichten. Ihre Erfolgsgeschichten zeigen, warum es sich lohnt, hier zu bleiben, hier zu investieren und hier zu arbeiten. Neben Akteur:innen aus der Wirtschaft zeigen bekannte Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Kultur und Sport: Hier geht was!

Botschafter:innen sind unter anderem TV-Köchin Viktoria Fuchs vom Hotel Spielweg in Münstertal, Haufe-Geschäftsführerin Birte Hackenjos, Dorothea Helmer, Mitgründerin des Freiburger Start-ups Glassomer, oder Europa-Park-Mitgründer Roland Mack. Im Verlauf des Jahres 2026 werden weitere Standortbotschafter:innen dazukommen und die IHK-Kampagne unterstützen.