Weniger Geburten
Die zusammengefasste Geburtenziffer, oft als Geburtenrate bezeichnet, ist 2025 in Baden-Württemberg nach Angaben des Statistischen Landesamts auf 1,35 Kinder je Frau gesunken. Sie lag damit unter der Geburtenziffer von 1,39 aus dem Vorjahr und entspricht dem Niveau von 2009, in dem der drittgeringste Wert verzeichnet wurde (1985: 1,32; 2006: 1,34).
Damit war die Geburtenrate auch im vergangenen Jahr weiterhin unter dem sogenannten Bestandserhaltungsniveau, bei dem die Kinder zahlenmäßig die Elterngeneration ersetzen. Hierzu wäre eine Geburtenziffer von 2,1 Kindern je Frau notwendig. Dieser Wert wurde in Baden-Württemberg letztmals im Jahr 1970 erreicht.
Innerhalb des Landes zeigen sich durchaus beachtliche Unterschiede bei der durchschnittlichen Kinderzahl je Frau: Spitzenreiter unter den 44 Stadt- und Landkreisen war im Jahr 2025 der Landkreis Rottweil mit einer Geburtenziffer von 1,71 Kindern je Frau. Die Landkreise Göppingen, Heilbronn und der Main-Tauber-Kreis teilten sich mit einer Geburtenziffer von jeweils 1,53 Kindern je Frau den Platz zwei, gefolgt von dem Landkreis Schwäbisch Hall und dem Alb-Donau-Kreis (jeweils 1,52). Exakt im Landesdurchschnitt lag der Landkreis Karlsruhe (1,39). Am Ende der Skala rangierten die Stadtkreise Heidelberg (0,97), Freiburg im Breisgau (1,05), Karlsruhe (1,07) und Stuttgart (1,11).
Die Gründe für die regionalen Unterschiede in der Geburtenhäufigkeit sind vielfältig. Auffällig ist weiterhin ein traditionelles, wenn auch nicht mehr flächendeckendes »Land-Stadt-Gefälle«. Das heißt, dass in den meisten ländlich geprägten Regionen die Kinderzahl je Frau höher als in städtischen Gebieten ist. In Hochschulstandorten wie Heidelberg und Freiburg ist die Geburtenziffer besonders niedrig, weil dort viele jüngere Frauen leben, bei denen Studium und Berufseinstieg im Vordergrund stehen und deshalb (noch) keine Familiengründung geplant ist.
Auch der regional unterschiedliche Anteil der ausländischen Frauen wirkt sich auf die Geburtenziffer aus. In Baden-Württemberg lag die Geburtenziffer bei ausländischen Frauen (1,68) im Jahr 2025 im Schnitt deutlich über der der deutschen Frauen (1,26). Im Vergleich zum Vorjahr sanken die Geburtenziffern sowohl bei den ausländischen (–0,05) als auch bei den deutschen Frauen (–0,04).
Weitere Informationen
Mit dem Berichtsjahr 2025 wurde die Cell-Key-Methode als Geheimhaltungsverfahren für die Geburtenstatistik eingeführt. Wenn Daten, die mit der Cell-Key-Methode geheim gehalten worden sind, in einer Tabelle dargestellt werden, ergibt sich bei der Aufsummierung der Zeilen oder Spalten in der Tabelle nicht immer die veröffentlichte Gesamtzahl. Es kann zu Abweichungen in den Summen kommen. Mehr zur Methode finden Sie hier: https://www.statistikportal.de/de/cell-key-methode.
In Baden-Württemberg wurden im Jahr 2025 ca. 94.000 Kinder lebend geboren. Das waren knapp 3.500 weniger als 2024. Damit lag die Zahl der Neugeborenen zum dritten Mal seit dem Jahr 2014 wieder unter 100.000. Gegenüber dem Jahr 2021 ist die Zahl der lebendgeborenen Kinder sogar um nahezu 19.500 gesunken.
Die zusammengefasste Geburtenziffer (englisch Total Fertility Rate, TFR) gibt an, wie viele Kinder eine Frau zwischen 15 und 49 Jahren (TFR 15-49) im Laufe ihres Lebens bekäme, wenn ihr Geburtenverhalten so wäre wie das aller Frauen dieser Altersklasse im betrachteten Jahr. Die zusammengefasste Geburtenziffer ist die Summe der für alle 35 Altersjahrgänge zwischen 15 und 49 Jahren berechneten altersspezifischen Geburtenziffern eines Jahres. Sie ist eine hypothetische Maßzahl.
Die Gründe für den Rückgang der Geburtenziffer sind wohl vielfältig. Zunächst ist zu beachten, dass die Geburtenziffer bis zum Jahr 2021 auf das höchste Niveau der vergangenen 50 Jahre gestiegen ist. Hierfür dürfte unter anderem die deutlich verbesserte Kinderbetreuung im Land ursächlich gewesen sein. Zuletzt hatte sich aber die Vereinbarkeit von Beruf und Familie wieder verschlechtert, weil der zunehmende Personalmangel bei Erzieherinnen und Erziehern zu Einschränkungen bei der Betreuung von Kindern in Kitas geführt hat. Auch finanzielle Aspekte wie die in den letzten Jahren gestiegenen Wohnungskosten und die in vielen Gemeinden vorgenommene oder geplante Gebührenerhöhung für Kitas könnten zu einem Rückgang beigetragen haben.