22.07.2020 13:32

Erste Ermittlungsergebnisse nach Festnahme

(Oppenau) Nach der spektakulären Flucht in Oppenau und der Festnahme in der vergangenen Woche sind die bisherigen Ermittlungen der Beamten der Kriminalpolizei Offenburg sowie der Staatsanwaltschaft Offenburg vorangeschritten und bringen neue Erkenntnisse ans Tageslicht.

Der 31-jährige Beschuldigte machte nach seiner Festnahme am Freitagabend umfangreiche spontane Angaben gegenüber der Kriminalpolizei. Im Rahmen seiner förmlichen Vernehmung bei der Polizei und vor dem Haftrichter machte er hingegen auf Anraten seiner Verteidiger von seinem Schweigerecht Gebrauch. Den
Verteidigern wurde zwischenzeitlich durch die Staatsanwaltschaft Einsicht in die
Ermittlungsakten gewährt. Sie werden nunmehr gemeinsam mit dem Beschuldigten
entscheiden, ob weitere Angaben zur Sache gemacht werden. In seinen ersten
Einlassungen gab der 31-Jährige einige Einblicke zu den Geschehnissen während
seiner Flucht. So habe er am Sonntag, nachdem die Polizeibeamten ihre
Dienstwaffen abgelegt hatten, in aller Eile die vier Pistolen sowie "das
Notwendigste" eingepackt und sei in den Wald geflüchtet. Proviant habe er keinen
mitgenommen.

Er habe im Verlauf des Sonntags unter anderem einen Polizeihubschrauber
wahrgenommen, woraus er schloss, dass er offensichtlich gesucht werde. Die
Ermittlungsbehörden gehen allerdings davon aus, dass der Gesuchte die
bundesweite mediale Berichterstattung zu seiner Person nicht wahrgenommen hatte.
Hierzu äußerte der Beschuldigte, dass er sein Handy deaktivierte habe, um nicht
geortet werden zu können, und dass er aufgrund des mangelnden Mobilfunknetzes
seines Smartphones von der Außenwelt abgeschnitten gewesen sei. Der Gebrauch des
Handys beschränkte sich nach seinen Angaben auf die gelegentliche Nutzung
abgespeicherter Bilder und Videos.

Während seiner sechstägigen Flucht soll er sich durchweg in den Wäldern nahe
Oppenau aufgehalten haben. Hierbei habe er sich hauptsächlich nachts bewegt und
tagsüber Unterschlupf in Gruben und Erdlöchern gesucht. Seine Nahrungsaufnahme
beschränkte sich hauptsächlich auf Wasser. Bei dem im Rahmen der Festnahme
sichergestellten Schriftstück handelt es sich nach derzeitigem Sachstand um ein
persönliches Schreiben an seine Angehörigen, das er für den Fall verfasste
hatte, dass ihm bei der Flucht etwas zustoßen sollte. Der 31-Jährige trug bei
seiner Ergreifung am Freitagnachmittag keine nennenswerten Verletzungen davon.
Seine Haftfähigkeit konnte nach einer kurzen notärztlichen Inaugenscheinnahme
attestiert werden.

Im Zuge der Festnahme durch Spezialkräfte wurde ein Beamter durch eine von dem
Tatverdächtigen mitgeführte Axt verletzt. Er bedarf keiner stationären
Behandlung. In diesem Zusammenhang ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen des
Verdachts eines tätlichen Angriffs auf Vollstreckungsbeamte in Tateinheit mit
gefährlicher Körperverletzung. Aufgrund des laufenden Ermittlungsverfahrens
sowie aus einsatztaktischen Gründen können keine weiteren Details zur Festnahme
bekanntgegeben werden. Die im Verlauf des Samstags durchgeführte Durchsuchung
des Gebiets rund um den Festnahmeort bei der Straße "Ramsbächle" und im Bereich
der Gartenhütte brachte keine weiteren Beweismittel hervor. Die polizeilichen
Maßnahmen in Oppenau sind abgeschlossen.

Während der großangelegten Fahndung nach dem Mann gingen bei der Kriminalpolizei
viele Hinweise über Beobachtungen verdächtiger Personen ein, die zunächst
gefiltert und anschließend priorisiert abgearbeitet wurden. Allein sieben Beamte
waren mit der Vorsichtung dieser Hinweise beschäftigt. Hierbei wurden unter
anderem in Offenburg, Renchen und Oberharmersbach verdächtige Wahrnehmungen
überprüft. Rund ein Drittel der Hinweise hatten Bezug über das Renchtal hinaus.
So mussten unter anderem auch Spuren in Straßburg, Böblingen, Dornstetten oder
Baiersbronn überprüft werden.

Die Hinweise zweier Zeugen sowie die Fährte eines Personenspürhundes ("Milow")
haben die Polizei am Freitagnachmittag auf die Spur des Flüchtigen geführt.
Entdeckt wurde er von Beamten des Polizeipräsidiums Einsatz. Der Beschuldigte
befindet sich derzeit in einer Justizvollzugsanstalt in Untersuchungshaft.

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