23.11.2019 16:06

Erzdiözese stellt Haushaltsplan für die nächsten beiden Jahre vor

(Freiburg) Die Erzdiözese Freiburg wird ihre Seelsorge in den nächsten beiden Jahren und darüber hinaus auf Grundlage einer ...

Die Erzdiözese Freiburg wird ihre Seelsorge in den nächsten beiden Jahren und darüber hinaus auf Grundlage einer verantwortlichen und nachhaltigen Haushaltsplanung weiterentwickeln. Mit der Verabschiedung des Bistumshaushalts für die Jahre 2020 und 2021 reagiert sie zugleich aber auch bereits heute auf langfristige Prognosen und Entwicklungen. Der Doppelhaushalt für die Jahre 2020 und 2021 wurde am Wochenende (22./23.11.) auf einer öffentlichen Sitzung der Kirchensteuervertretung unter Leitung von Prof. Annette Bernards in der Katholischen Akademie Freiburg verabschiedet.



Die Vorsitzende der Kirchensteuervertretung unterstrich die Notwendigkeit, angesichts zurückgehender Kirchensteuereinnahmen „in einer Gesamtstrategie noch stärker inhaltliche Prioritäten zu setzen“. Weiter erklärte sie, dass besonders die Seelsorge vor Ort in den Kirchengemeinden, die Caritas und innovative Projekte der Glaubensverkündigung gestärkt werden müssen. Sie dankte allen, „die durch ihre Kirchensteuer dazu beitragen, dass dies möglich ist“. Die Kirchensteuervertretung wolle „mit konstruktiven, manchmal auch kontroversen Beratungen“ dafür sorgen, dass der Bistumshaushalt auch in Umbruchzeiten verantwortungsbewusst aufgestellt werde.



Generalvikar Dr. Axel Mehlmann wies in seiner Ansprache zum Haushalt auf die seit diesem Jahr vorliegende Finanzstrategie der Erzdiözese hin, deren Ziel es keineswegs sei, Finanzfragen einen Vorrang vor dem inhaltlichen und pastoralen Sendungs-Auftrag der Kirche einzuräumen: „Das Gegenteil ist richtig“, so Msgr. Mehlmann: „Der Vorrang der Pastoral, die es auf nachhaltige Weise zu ermöglichen und zu gewährleisten gilt, bildet den eigentlichen Kern und Zweck unserer Finanzstrategie“.

Kirche in den Lebenswelten der Menschen



Der Freiburger Erzbischof Stephan Burger erläuterte in seiner Rede anlässlich der Verabschiedung des Haushalts die grundsätzliche Bedeutung der Kirchensteuer: „Wie Kirchensteuermittel eingesetzt werden“, so der Erzbischof, entscheide darüber, „wie die Menschen Kirche in ihren jeweiligen Lebenswelten erfahren. Wie Kirchensteuermittel für die Belange der Kirche genutzt werden, entscheidet, ob Menschen durch Wort und Tat überzeugt werden können“. Er hoffe, so Burger weiter, „dass wir im Erzbistum Freiburg mit unseren Schwerpunktsetzungen wieder ganz den Menschen in den Mittelpunkt dieser Kirche stellen können.“

Das Haushaltsvolumen für die nächsten beiden Jahre liegt bei rund 634 (2020) bzw. 640 (2021) Millionen Euro und damit etwa auf dem gleichen Niveau wie 2018 / 2019. Der größte Teil der Einnahmen stammt aus Kirchensteuern, die für das Jahr 2020 mit rund 524 Millionen, für das Jahr 2021 mit rund 530 Millionen prognostiziert werden.



Schwerpunkt Pastoral vor Ort



Wie bereits in den letzten Jahren will die Erzdiözese vor allem durch die seelsorglichen Angebote ihrer Kirchengemeinden in die Gesellschaft hineinwirken. Rund 45 Prozent der Einnahmen aus den Kirchensteuern fließen daher direkt an die Kirchengemeinden und werden dort subsidiär verwaltet. Dieser Anteil erhöht sich durch weitere Leistungen, die durch das Erzbischöfliche Ordinariat verwaltet und den Kirchengemeinden zugewiesen werden, wie z.B. ein großer Teil der Kosten für das pastorale Personal, Zuschüsse zu Renovierungen etc.



Generalvikar Mehlmann betonte in diesem Zusammenhang, dass die Schlüsselzuweisungen an die Kirchengemeinden über eine Erhöhung der Punktequote auf je 576 € um 2,1 % steigen werden und damit im Unterschied zum Vorläuferhaushalt insgesamt rund 3,3 Mio. € mehr auf direktem Wege an die Kirchengemeinden ausgeschüttet werden. Hinzu kommen im Einzelfall Zuweisungen aus einem neu geschaffenen „Bauförderfonds“, über den jährlich Gesamtmittel in Höhe von rund 26 Mio. € (entsprechend 5% des Kirchensteueraufkommens) für örtliche Investitionsvorhaben bereitgestellt werden. Die Bedeutung der Caritas wird durch den Doppelhaushalt unter anderem dadurch unterstrichen, dass sich die Zuweisungen in diesem Bereich um rund 7 Mio. €. erhöhen werden. Diözesancaritasdirektor Thomas Herkert betonte vor den Mitgliedern der Kirchensteuervertretung, wie sinnvoll die Investitionenen in die Caritas sind, weil „dieser Wesensvollzug von Kirche in unserer Gesellschaft identifizierbar und gesellschaftlich wie von den politischen Partnern hoch anerkannt“ sei. Dieses Engagement von Kirche sei „imagebildend und imagetransferfähig“.



Erneut mussten sich im Laufe der Haushaltsplanungen sämtliche neue Personalstellen in der Verwaltung der Erzdiözese an einem strengen Kriterienkatalog messen lassen, an deren erster Stelle die Frage stand, ob neue Stellen – zumindest indirekt - im Dienst der Gemeinden und damit der Seelsorge stehen. Diese Prüfung erfolgte zudem entsprechend den Diözesanen Leitlinien, nach denen die Verwaltung den Sendungsauftrag der Kirche unterstützen soll und im Hinblick auf die Reformen, die im Projekt „Kirchenentwicklung 2030“ bevorstehen. Der Stellenplan, der Bestandteil des Haushaltsplans ist, umfasst für den Planungszeitraum 27 neue Personalstellen, die vom Erzbistum finanziert werden, aber direkt Kirchengemeinden vor Ort zugutekommen: 20 neue Stellen für Kindergarten-Geschäftsführer, drei auf regionaler Ebene tätige Datenschutzbeauftragte sowie vier Pfarrgemeindegeschäftsführer im Rahmen laufender Pilotprojekte.



Förderung evangelisierender Seelsorge



Förderung der Seelsorge bedeutet konkret auch, dass in die Qualitätsentwicklung der Pfarrseelsorge vor Ort investiert und gleichzeitig die Neuordnung der pastoralen Arbeit auf der Ebene der neuen Pfarreien unterstützt werden soll, wie Erzbischof Burger auf der Sitzung unterstrich. Andererseits, so der Erzbischof, sei gleichzeitig in größeren Strukturen Kirche zu ermöglichen, „wo vor Ort keine Gemeinde- oder Kirchentradition besteht“. Dafür sind im Haushalt auch Mittel für eine evangelisierende Pastoral vorgesehen. Damit sollen innovative oder missionarische Projekte gefördert werden, die zu einer Profilierung neuer Orte und Gemeinschaften beitragen. Ressourcen, Innovation und Kreativität in den unterschiedlichen Regionen und durch die Generationen hindurch sollen mit dieser evangelisierenden Pastoral erreicht und gefördert werden. Mittel für die Kirchenentwicklung 2030 sollen nach den Worten des Erzbischofs besonders deshalb eingesetzt werden, „damit die Umstrukturierungen zu neuen Formen einer lebendigen Kirche und Gemeinschaft führen“.



Zahlungen an Betroffene von Missbrauch nicht auf Kosten der gelebten Kirche



Erzbischof Stephan Burger ging in seiner Ansprache auch auf die Diskussion um eine Novellierung der bisherigen Anerkennungspraxis bei Missbrauch und die Höhe der Leistungen ein. Eine solche Novellierung sei unumgänglich. „Aber es steht für mich auch außer Frage“, so der Erzbischof, „dass die Summen nicht von den Gläubigen selbst durch ihre Kirchensteuern finanziert werden sollten. Ein verantwortungsvoller Umgang mit den Mitteln aus den Kirchensteuern bedeutet für mich, dass Gläubige hier nicht in Mithaftung genommen werden für die Taten einzelner Kleriker und der jeweiligen Kirchenleitung. Ein verantwortungsvoller Umgang mit den Kirchensteuermitteln bedeutet für mich, dass die Finanzierung dieser Entschädigungssummen nicht auf Kosten der gelebten Kirche, der Seelsorge, der Pflege, Bildung oder Caritas geschieht“.



Bildung als zentrales Handlungsfeld



Auch in den nächsten Jahren soll erneut die Bildung ein Schwerpunkt des Engagements der Erzdiözese sein. Denn auch die Diözesanen Leitlinien bezeichnen Bildung als "zentrales kirchliches und gesellschaftliches Handlungs- und Entwicklungsfeld". Im Diözesanhaushalt gehört dieses Budget deshalb auch zu den großen Posten und umfasst knapp ein Sechstel des Haushalts. Dazu gehören die Unterstützung kirchlicher Schulen, der Religionsunterricht und die Schulpastoral ebenso wie die außerschulische Bildungsarbeit und der Betrieb kirchlicher Bildungshäuser.

Der Bereich der Bildung beginnt in der Erzdiözese Freiburg bereits mit der frühkindlichen Bildung in Kindergärten und Familienzentren und setzt sich im Hochschulbereich, der hochschulpastoral sowie im Engagement der Bildungswerke und der Erwachsenenbildung fort.



Förderung bezahlbaren Wohnraums und Engagement für den Klimaschutz



Die Bedeutung, die der Unterstützung von Familien beigemessen wird, zeigt sich unter anderem an der Verlängerung des Programms „Bezahlbares genossenschaftliches Wohnen“, mit dem die Erzdiözese die Schaffung bezahlbarer Wohnungen für benachteiligte Menschen, vor allem Familien und Senioren, unterstützt.



Im Blick der Erzdiözese bleiben wie auch bisher die Bewahrung der Schöpfung und der Klimaschutz: Um das Ziel der Erzdiözese zu ermöglichen, bis zum Jahr 2030 klimaneutral zu sein, beschloss die Kirchensteuervertretung die Bildung eines Klimaschutzfonds von jährlich 6,3 Mio. Euro für die nächsten beiden Jahre, um Maßnahmen zur CO2-Kompensation realisieren zu können. Die Erzdiözese setzt damit einen Preis von 100 Euro pro Tonne CO2 an.

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