29.11.2018 16:42

Festgottesdienst

(Freiburg) Ein Klassiker des Kirchenbaus in der Stadt wird an diesem Wochenende 50 Jahre alt. Die evangelische Markuskirche im Stadtteil ...

Ein Klassiker des Kirchenbaus in der Stadt wird an diesem Wochenende 50 Jahre alt. Die evangelische Markuskirche im Stadtteil Mooswald am Rande des Seeparks wurde am 1. Advent 1968 ihrer Bestimmung übergeben. Am kommenden Samstag, 1. Dezember feiert die Markusgemeinde und mit ihr die gesamte Pfarrgemeinde West das Jubiläum zusammen mit dem badischen Landesbischof Jochen Cornelius-Bundschuh.
Der Festgottesdienst beginnt in der Markuskirche, Am Hägle um 16 Uhr. Der Landesbischof predigt, die Liturgie übernimmt Gemeindepfarrer Ulrich Bayer, es singt die Heinrich-Schütz-Kantorei, an der Orgel ist der langjährige Organist Otto Haizmann. Im Anschluss an den Gottesdienst wird zu einem Empfang im Gemeindehaus eingeladen.

„Damals sind wir uns sehr modern vorgekommen“, sagt Lore Bergamelli lachend. Die muntere 80-Jährige hat den Bau der Kirche von Anfang an verfolgt. Besonders der markante schlanke Turm, der 35 Meter hoch aufragt und die Kirche von weit her kenntlich macht, hat es ihr angetan. „Das ist wie ein Finger, der nach oben weist“, sagt sie. Gemeinsam mit ihrem Ehemann Horst und ihrer ganzen Familie war sie in all den Jahren eng mit der Markusgemeinde verbunden. Wie auch Lydia Günter, für die das Gotteshaus bis heute „eine Heimat ist“. Nicht nur Taufen, Konfirmationen und Hochzeiten habe sie hier gefeiert, zur eigenen goldenen Hochzeit ging das Ehepaar Günter selbstverständlich in die Markuskirche.

Gebaut wurde die Kirche mit dem damals modernen Baustoff Beton von dem Architekten Gottfried Einwächter. Der war ein Bruder des ehemaligen Freiburger Gemeindepfarrers Berthold Einwächter (Kreuzkirche) und ein Schüler von Egon Eiermann, der den Neubau bei der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche in Berlin entworfen hatte.

Der Bau der Markuskirche war allerdings innerhalb des Kirchengemeinderats nicht unumstritten. Schließlich war 1964 bereits die Kreuzkirche im Stühlinger fertiggestellt worden. Doch zur Markusgemeinde gehören in den 1960er Jahren auch die Evangelischen in Lehen, March und bis Umkirch. Man entschloss sich, für die seinerzeit 4000 Gemeindeglieder eine Kirche mit rund 450 Sitzplätzen zu bauen. Nach der Grundsteinlegung 1967 war die Kirche und das Gemeindezentrum nach mancherlei finanziellen Abstrichen fertiggestellt worden. In einem feierlichen Zug wurden die Altargeräte von der alten Notkirche, Am Anger dann am 1. Advent 1968 bei „schrecklichem Nebel“ in die neue Kirche getragen. In dem hohen Sakralraum, in den auch tagsüber nur reduziertes Licht sich ausbreitet, fiel besonders die zum Altar abwärts gehende Anordnung der Bankreihen auf, die bis heute eine Besonderheit sind. „Es sollte sich wie bei einem Platz alles zur Mitte hin konzentrieren“, erklärt Ingrid Hopfer (88), deren verstorbener Mann, Gerhard Hopfer, fast drei Jahrzehnte an der Kirche als Gemeindepfarrer wirkte. Pfarrer Hopfer hatte die entscheidenden Impulse zum Bau der Kirche gegeben.

Nach längerem Kampf gab der Freiburger Kirchengemeinderat schließlich grünes Licht für das Projekt. Hopfer war 1962 nach Freiburg gekommen und arbeitete für den Kirchenbau eng mit dem Künstler Christoph Grüger zusammen, den er aus seiner alten Gemeinde kannte. Doch Grüger lebte in der DDR. Die Mauer trennte. Hopfer und Grüger trafen sich dennoch – konspirativ. Pläne und Briefe wurden hin- und hergeschickt. Als die Kirche schließlich eröffnet wurde, war das farbenprächtige Kunstwerk aus Glasbausteinen zwar in den Beton des Chorraums eingebaut, doch Grüger hatte sein Werk selbst nicht gesehen. Erst zwölf Jahre nach der Eröffnung sah der Künstler aus der DDR seinen Entwurf zum ersten Mal in der realen Umsetzung.
In den 70er und 80er Jahren fanden in der Kirche zahlreiche Andachten und Gottesdienste rund um das Thema Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung statt. Legendär: Als die Universität Anfang der 70er die Raumgenehmigung für das so genannte Russell-Tribunal zu Kriegsverbrechen im Vietnamkrieg zurückzog, sprang kurzfristig die Markusgemeinde ein. So waren an jenem Abend in einem völlig überfüllten Gemeindesaal der bekannte evangelische Theologe Helmut Gollwitzer und der Dichter Erich Fried zu hören.

Bekannt wurde die Markuskirche über die Grenzen Freiburgs hinaus dann bei der Landesgartenschau 1986. Der Kirchplatz war zur Hälfte in das Gartenschaugelände integriert und die Kirche diente als Raum der Stille. Regelmäßig in der Mittagszeit feierten zahlreiche Gruppen aus den verschiedensten Gemeinden hier eine Kurzandacht. Im benachbarten Saal des Gemeindehauses gab es verschiedene Ausstellungen. Ein weiterer Höhepunkt des Gemeindelebens war die Einweihung der drei neuen Glocken 1988. Ungewöhnlich dabei: Der Bürgerverein Mooswald hatte eine Glocke komplett finanziert, die so genannte Bürgerglocke. In den 1990er Jahren fanden in der Kirche zahlreiche Konzerte von zum Teil bundesweit bekannten Künstlerinnen und Künstlern statt, die der damalige Pfarrer Wolfram Klein organisiert hatte. In seine Amtszeit fiel auch die erste größere Sanierungsphase des Betonturms und des Kirchendachs.

Heutzutage sei die Kirche eine beliebte Trau-Kirche, berichtet Ulrich Bayer (55), der seit 17 Jahren Gemeindepfarrer ist. Durch die unmittelbare Nähe zum Seepark kennen viele Menschen die Kirche. „Wenn die Leute dann aber in die Kirche rein gehen, sind viele überrascht und begeistert“, berichtet der Pfarrer. Die Kirche sei inzwischen Heimat geworden für die Heinrich-Schütz-Kantorei und den Freiburg Gospel Choir, die beide im gegenüber liegenden Gemeindehaus proben. Auch die Schulen aus der Nachbarschaft kommen zu ihren Schulgottesdiensten seit vielen Jahren in die Markuskirche.
Aktuell planen Pfarrer Bayer und sein katholischer Kollege Pfarrer Koffler künftig einmal im Quartal zu ökumenischen Gottesdiensten am Sonntagmorgen einzuladen. „Wenn ich nach dem Gottesdienst aus der Kirche raus auf den Markusplatz komme, schaue ich immer Richtung Schwarzwald. Das ist ein wunderbarer Blick“, freut sich Ilse Frank (84), die bei der Einweihung der Kirche im Chor mitgesungen hatte. „Der Betonrohbau erschien mir damals wie ein Bunker“, erinnert sie sich. Doch das hat sich geändert, „heute passt die Kirche wunderbar in unsere Zeit“.

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