06.02.2019 14:08

Dialog mit der Landwirtschaft

(Freiburg) Baden-Württemberg hat zusammen mit Bayern die umfangreichsten Bestände von sogenannten Fauna-FloraHabitat Flachlandmähwiesen (FFH), das sind blumenbunte Wiesen mit Blütenpflanzen, die heute nur noch selten vorkommen. Durch die voranschreitende Intensivierung der Land- und Fortwirtschaft, verbunden mit Flächenverlusten durch verschiedenste Bauvorhaben, haben die Wiesen in den letzten Jahren zunehmend an Fläche verloren. Um die FFHMähwiesen dauerhaft zu erhalten und kostendeckend bewirtschaften zu können, müssen gemeinsam mit der Landwirtschaft alternative Bewirtschaftungsformen gefunden werden.

Vor diesem Hintergrund hat das Umweltschutzamt der Stadt Freiburg zusammen mit der Unteren Landwirtschaftsbehörde des Landkreises Breisgau-Hochschwarzwald und gefördert aus dem Innovationsfonds Klima- und Wasserschutz der badenova seit 2015 das Projekt „Dialog mit der Landwirtschaft“ durchgeführt. Im Mittelpunkt steht ein praxisorientierter Bewirtschaftungsversuch auf FFHMähwiesen in Freiburg-Ebnet. Untersucht wurden die Auswirkungen verschiedener Düngevarianten auf die Artenvielfalt und die Erträge der Wiesen. Das Projekt wurde Ende des Jahres 2018 abgeschlossen.

Das Projekt verfolgt unterschiedliche Ziele. Das besondere Interesse der Naturschutzverwaltung der Stadt Freiburg als einem Partner des Projektes, ist der Schutz und der Erhalt der Artenvielfalt. Die im Jahr 1992 verabschiedete Fauna-FloraHabitat (FFH)-Richtlinie verpflichtet die Mitgliedstaaten der Europäischen Union zur Errichtung eines europaweiten zusammenhängenden Netzes von Schutzgebieten, das den Namen „NATURA 2000“ trägt. Dieses Biotopverbundsystem ist seit 2002 im Bundesnaturschutzgesetz verankert und damit auch für die Stadt Freiburg rechtlich bindend.

Ein weiterer Projektpartner, der Wasserversorger bnNETZE GmbH, möchte vor allem dauerhaft gesundes und sauberes Grund- und Trinkwasser bereitstellen. Um dies zu erreichen, darf in Wasserschutzgebieten der Zone II keine Gülle ausgebracht werden. Die Stickstoffdüngung muss soweit reduziert werden, dass die Nitratkonzentration unter 50 mg Nitrat je Liter Rohwasser sinkt. Auch Festmist gilt es zu vermeiden.

Das besondere Interesse der Landwirtschaftsbehörde als einem weiteren Projektpartner als auch der Landwirte besteht in einer kostendeckenden Bewirtschaftung der Flächen. Nur so ist auch zukünftig eine dauerhafte Erhaltung der FFHFlachlandmähwiesen gewährleistet.

Auf den FFH-Mähwiesen in Freiburg-Ebnet wurden in der Projektlaufzeit unterschiedliche Düngeverfahren ausprobiert, verglichen und ausgewertet. Ziel bei diesen Bewirtschaftungsversuchen war es, zuverlässige Düngeverfahren zu finden, die zum einen den Landwirten Ertragssicherheit und Rentabilität bieten und gleichzeitig im Sinne des Umweltschutzes die Artenvielfalt erhalten und das Eindringen von schädlichen Stickstoffverbindung ins Grundwasser und in die Atmosphäre verringern. Die Düngung von Ammonium-Stickstoff mit einem Injektionsverfahren hat die erwarteten Vorteile erbracht: Das Düngemittel wird in geringer Menge als Depot in den Boden eingebracht. Deshalb wird es nur langsam mineralisiert und die Pflanzen können den Nährstoff aufnehmen, bevor er sich im Boden verlagert. Da das Düngemittel zudem preiswert ist, ist diese Methode kostengünstig und rentabel. Der geringere Einsatz von Düngemittel hat den gleichbleibenden Ertrag gebracht. Gleichzeitig soll dieses Verfahren den Kräuteranteil der Pflanzengesellschaft erhalten und fördern und so zum Erhalt der Wiesen beitragen.

Ergebnis, Bilanz und Aussicht

Die wichtigste Erfahrung für alle Beteiligten des Projekts war die Begegnung und das interdisziplinäre Gespräch. Gemeinsam haben Landwirte, die unterschiedlichen Fachbehörden, Naturschützer und ein Wasserversorger in der Praxis mögliche Verfahren getestet und einen gemeinsamen Nutzen aus dem Projekt gezogen. Und zwar sowohl für die
zukünftige Bewirtschaftung als auch für den Erhalt geschützter Lebensräume.

Die erfolgreich getesteten Düngeverfahren können nun sowohl auf andere Flächen der teilnehmenden Betriebe als auch auf andere Betriebe in Natura 2000-Gebieten und Wasserschutzgebieten übertragen werden. Sie können jedoch genauso auf Grünland- oder Ackerflächen außerhalb dieser Schutzgebiete eingesetzt werden. Da Baden-Württemberg eine besondere Verantwortung für den Erhalt der FFH-Mähwiesen trägt und viele Regionen von einer Verschlechterung dieses Lebensraums betroffen sind, sind die Ergebnisse des Bewirtschaftungsversuchs auch überregional bedeutsam. Führungen von Landwirten als auch Abendveranstaltungen und die Einbindung des Berufsverbandes (BLHV) sorgen für eine Verbreitung der gewonnenen Einsichten. Zudem haben die Landwirte das Interesse bekundet, die Düngung mit einem der getesteten Geräte, einem sogenannten StachelradInjektionsgerät, auch auf anderen Flächen, und hier vor allem im Ackerbau, einzusetzen. Insofern hat das Projekt schon jetzt Früchte getragen.

Für einen wissenschaftlich gesicherten Versuch war jedoch der Projektzeitraum von 3 Jahren zu kurz. Daher soll der Versuch noch mindestens zwei Jahre fortgeführt werden. In jedem Fall sind jedoch deutliche Unterschiede im Ertrag auf den unterschiedlichen Parzellen schon jetzt festzustellen.

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