07.08.2019 08:44

IHK sieht viele Hürden im Geschäft mit dem französischen Nachbarn

(Freiburg) Die IHK Südlicher Oberrhein mit Sitz in Freiburg hat eine Umfrage zu Hürden und Formalitäten im Frankreich-Geschäft durchgeführt. Die Ergebnisse wurden im Rahmen einer Pressekonferenz vorgestellt. Demnach stellen die Entsendeformalitäten deutsche Unternehmen vor große Herausforderungen. Besonders kleine und mittlere Unternehmen sind davon betroffen.

Um deutsche Beschäftigte nach Frankreich zu schicken, erfordert es eine Vielzahl von Nachweisen und Belegen. Zwar gelten hierbei die Grundfreiheiten des europäischen Binnenmarktes, also freier Verkehr von Waren, Personen, Dienstleistungen und Kapital. Gleichzeitig möchte die EU entsandte Arbeitnehmer in Europa vor Sozial- und Lohndumping schützen. Dies wird derzeit durch eine EU-Entsenderichtlinie geregelt. „Die aktuellen Entsendegesetze führen bei betroffenen Unternehmen zu sehr viel Frust“, berichtet Dr. Steffen Auer, Präsident der IHK Südlicher Oberrhein. Dies zeigen die Ergebnisse einer Umfrage unter betroffenen Unternehmen. Über 400 Unternehmen nutzen dabei die Möglichkeit, ihre Schwierigkeiten im Frankreichgeschäft darzustellen.

„Deutschland steht auf Platz 1 der Abnehmer und Lieferanten von Frankreich mit je 15 Prozent der gekauften und verkauften Waren. Damit stellt Frankreich für unsere Region einen wichtigen Markt dar“, sagt Auer. Vor allem kleine bis mittelständische Unternehmen mit bis zu 250 Mitarbeitern aus den Bereichen Industrie, Dienstleistungen und Handwerk fahren regelmäßig zum Arbeiten nach Frankreich. Die meisten deutschen Unternehmen, ganze 63 Prozent, fahren nach Frankreich, um französische Firmen durch Arbeiten und Reparaturen zu unterstützen. Bei den Entsendeformalitäten kommt es für viele Unternehmen dann zu Schwierigkeiten. Hierbei nennen 66 Prozent der befragten Betriebe an erster Stelle die Übersetzung deutscher Dokumente ins Französische als größtes Problem. Eine zweite, große Hürde ist die Einstellung der nötigen Daten in das französische Online-Meldeportal SIPSI (65 Prozent der Nennungen). Schließlich bezeichnen 59 Prozent der Befragten die Bereitstellung eines französischsprachigen Vertreters als Herausforderung.

Die Formalitäten kosten Unternehmen Zeit und Geld: Im Schnitt brauchen Unternehmen allein für eine SIPSI-Meldung eine Stunde Bearbeitungszeit. In der Praxis ist es jedoch oft wichtig, schnell handeln zu können. „Wenn bei einem Kunden ein Hydraulikschlauch platzt, ist ein Weiterarbeiten im Betrieb nicht möglich und zudem meist Gefahr in Vollzug. Hier müssen wir schnell reagieren und Probleme lösen können. Stattdessen beschäftigen wir uns mit Anmeldeformalitäten, wodurch ein Zeitverlust entsteht, sodass wir unsere Kunden in Not vertrösten müssen“, berichtet Christian Löffler, Geschäftsführender Gesellschafter von Faller Stapler in Titisee-Neustadt. Viele, gerade kleine und mittlere Unternehmen scheuen den großen Aufwand für den Ertrag. Laut den Umfrageergebnissen haben 13 Prozent der Unternehmen das Frankreich-Geschäft eingestellt. Fast ein Viertel der Firmen (24 Prozent), die weniger als 50 SIPSI-Meldungen übermitteln, also vor allem kleine Betriebe, wollen keine Mitarbeiter mehr nach Frankreich entsenden. Zwar wurden im September 2018 bereits Vereinfachungen von den französischen Behörden in Aussicht gestellt. „Die Neuregelungen vom Juni 2019 haben aber nur wenige Lockerungen gebracht“, sagt Auer. „Wir plädieren daher dringend für eine weitere Vereinfachung der Entsendegesetze, damit grenzüberschreitende Zusammenarbeit praktikabel ist“, betont der Geschäftsführer von Schwarzwald Eisenhandel in Lahr.

Doch nicht nur deutsche Unternehmen werden durch das Gesetz ausgebremst. Probleme entstehen auch auf französischer Seite. „Wir bekamen Rückmeldungen von einer Sägerei im Elsass, die nicht mehr arbeiten konnte, weil die Wartungs- und Reparaturleistungen durch den deutschen Dienstleister nicht mehr gegeben waren“, berichtet Pascale Mollet-Piffert, Leiterin des Geschäftsbereichs International bei der IHK Südlicher Oberrhein. „Auch kleine deutsche Ofenbauer stellten das Frankreich-Geschäft ein. Da es weder den Beruf noch diese Tätigkeit in Frankreich gibt, werden diese Leistungen so künftig für einige Kunden nicht mehr angeboten werden“, erklärt Mollet-Piffert die Folgen.
Welche Maßnahmen würden deutschen Firmen helfen? Auf diese Frage antworten die meisten befragten Unternehmen (350 Antworten), dass es keine Meldepflicht bei kurzfristigen Einsätzen aufgrund der Dringlichkeit geben sollte. Über 300 Unternehmen wünschen sich, dass es bei kurzzeitigen Einsätzen keine Meldepflicht geben soll. Auer: „Hier wäre auch eine längere Bewilligung, beispielsweise für ein halbes Jahr denkbar. Damit könnte beispielsweise die Arbeit für Fahrer und Monteure, die mehrmals für kurze Zeit den gleichen Weg haben, signifikant erleichtert werden.“ Fast 300 Unternehmen wünschen sich außerdem den Verzicht der Übersetzung der erforderlichen Unterlagen ins Französische. „Wir werden die Wünsche der Unternehmen sowie das Stimmungsbild der Wirtschaft bei Gesprächen mit den französischen Behörden einbringen und hoffen, dass zeitnah konkrete Erleichterungen folgen werden“, unterstreicht Auer.

Mehr Informationen sowie die gesamten Ergebnisse der Umfrage finden Sie auf www.suedlicher-oberrhein.ihk.de unter Eingabe der Nummer 4500764 in das Suchfeld.

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